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Schüler und Eltern hilflos: Wenn die Corona-Warn-App rot zeigt | BR24

© dpa-Bildfunk/Matthias Balk

München: Schüler und Schülerinnen nehmen mit Mund-Nasen-Schutz im Unterricht teil (Symbolbild)

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Schüler und Eltern hilflos: Wenn die Corona-Warn-App rot zeigt

An einem Münchner Gymnasium schlug bei 39 Schülerinnen und Schüler die Corona-Warn-App Alarm. Das überlastete Gesundheitsamt ließ die Schule mit einer zügigen Entscheidung alleine. Zurück blieben hilflose Eltern und Schüler.

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Corona bringt alle an den Rand der Belastungsgrenze: Labore, Gesundheitsämter, Krankenhäuser, aber auch Schulen, Eltern und Schüler. Ein Beispiel für die Hilf- und Ratlosigkeit ist ein Corona-Fall am Münchner Michaeli-Gymnasium.

Nach BR-Informationen bekamen jetzt am Sonntag vor Ferienende 39 Schüler eine rote Covid-Warnung über einen neun Tage zurückliegenden Kontakt. Die Schule überließ es Eltern und Schülern, ob sie am Montag in den Unterricht kommen. Die Hälfte kam, die andere blieb zu Hause. Das überlastete Gesundheitsamt ließ die Schule mit einer zügigen Entscheidung alleine.

Corona-Warn-App auf rot - "Alle sind ratlos"

Tabea ist eine der Schülerinnen, bei der die Corona-Warn-App Alarm schlug. Die 16-Jährige wusste nicht, was sie tun sollte: zum Arzt, Test machen lassen, zu Hause bleiben oder sogar in Quarantäne gehen? "Man weiß auch so gar nicht, ob man selbst gefährdet ist, was man machen soll. Muss ich jemanden Bescheid geben? War schon blöd", sagt Tabea. In der Corona-Warn-App steht, dass man bei rot zu Hause bleiben und den Arzt kontaktieren soll.

Tabea ist zum Arzt gegangen. Der riet ihr, einen Tag zu Hause zu bleiben und dann wieder zur Schule zu gehen. Sie hatte ja keine Symptome. Und der Kontakt war schon vor neun Tagen.

Genauso verunsichert war auch ihre Freundin Jule. Ihre Corona-Warn-App war zwar nicht auf rot gesprungen, aber sie hatte Kontakt zu Mitschülern, bei denen die App Alarm zeigte. Jule hatte Angst. "Ich habe mich natürlich erstmal erschreckt, weil ich wusste, ich hatte etwas mit der Tabea gemacht. Ich dachte: Wenn die jetzt positiv ist, muss ich auch in Quarantäne." Das wäre gar nicht gut gewesen, denn Jule und ihre Klassenkameraden mussten Klausuren schreiben. "Das ist das Problem: Alle sind ratlos, wir sind ratlos. Die Lehrer haben auch keine Ahnung, die Schule weiß nicht, was sie machen soll. Das Gesundheitsamt ist halt auch oft überfordert. Das Coronavirus hat Schuld."

Kritik von Eltern: Schulen nicht vorbereitet

Wer sich aus dem Jahrgang des Michaeli-Gymnasiums mit Corona infiziert hat, war anfangs nicht bekannt. Das sorgte für weitere Verunsicherung. Darüber ist Tabeas Mutter verärgert. Genauso über die Tatsache, dass es keine klaren Anweisungen von der Schule gab, weil die wiederum keine Informationen vom überlasteten Gesundheitsamt hatte. "Man hätte sich doch denken können, als die Corona-Warn-App rausgegeben wurde, dass die irgendwann bei irgendjemanden in der Schule mal rot wird."

Die 50-Jährige wünscht sich, dass das Gesundheitsamt in so einem Fall konkrete Anweisungen. "Es kann nicht sein, dass 16-Jährigen gesagt wird: Entscheidet selbst, ihr seht ja selbst, wie es euch geht… nein! Das können sie nicht", kritisiert die Mutter von Tabea. Erst am Montagabend meldete sich das Gesundheitsamt bei der Schulleitung. Die teilte den Eltern dann mit, welche Schülerinnen und Schüler nun zu Hause bleiben müssen.

Gesundheitsamt reagierte erst am Montagabend

Die Kritik der Mutter: Die Schulen sind nicht darauf vorbereitet, wenn bei Schülern oder Lehrern die Corona-Warn-App auf rot springt. Schulleiter Frank Jung des Münchner Michaeli-Gymnasiums sagte dem BR: Er habe vor einigen Wochen schon Mitgliedern des Elternbeirats und Lehrkräfte dazu informiert. Aber hier sei es einfach eine neue Situation gewesen, weil die Ferien dazwischen lagen.

Gesundheitsministerium: Bei rot nicht in die Schule gehen

Das für die Gesundheitsämter zuständige bayerische Gesundheitsministerium teilte auf BR-Anfrage mit: Wenn die Corona-Warn-App bei einem Schüler rot anzeigt, sollte er nicht zur Schule gehen, bis eine Einschätzung vom Gesundheitsamt oder des Arztes vorliegt.

Die rote Warnmeldung in der App bedeutet aber nicht, dass formal eine Quarantäne angeordnet ist, so eine Ministeriumssprecherin. Allerdings ist die betroffene Person dringend aufgefordert, Kontakte – auch zu Familienangehörigen – zu reduzieren und telefonisch mit dem Hausarzt, dem ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 oder dem Gesundheitsamt Kontakt aufzunehmen. So sehen es die Benutzerhinweise des Robert Koch-Instituts vor.

© BR

Keiner geht wohl gerne in die Selbstisolation und für viele Menschen und deren Familien ist diese Situation sehr belastend. Wann Quarantäne aber zwingend sein muss, was die Corona-Warnapp aussagt - darüber sprechen wir im Studio.

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