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Schüler über Corona und Lehrermangel: "Es muss etwas passieren"

Schüler über Corona und Lehrermangel: "Es muss etwas passieren"

Das neue Schuljahr in Bayern soll im September weitgehend ohne Corona-Beschränkungen starten, es bleiben aber Fragezeichen. Der Landesschülerrat verlangt einen "Plan B" für den Herbst. Das Kultusministerium verrät derweil Details zur Teststrategie.

Corona, drohende Energieknappheit, Lehrermangel - angesichts aktueller Krisen und Herausforderungen sieht der Landesschülerrat in Bayern (LSR Bayern) dringenden Handlungsbedarf für die Schulen. Insbesondere mit Blick auf eine mögliche weitere Corona-Welle im Herbst müssten jetzt schon vorbereitende Maßnahmen getroffen werden, sagte LSR-Sprecherin Fabia Klein im BR24-Interview. Es müsse in der Hinterhand einen "Plan B" geben, um situationsbedingt auf die Corona-Lage reagieren und gegebenenfalls Beschränkungen einführen zu können.

Die Ankündigung der Staatsregierung, ohne verpflichtende Corona-Tests ins neue Schuljahr zu starten, hält Klein für verfrüht. "Man sollte die Entscheidung eine oder zwei Wochen vor Sommerferienende noch mal überdenken", sagte sie. Dann solle auf der Grundlage des Infektionsgeschehens genau abgewogen werden, ob flächendeckende regelmäßige Tests an den Schulen wieder nötig seien oder nicht.

Ministerium: Schüler könnten drei Selbsttests pro Woche kriegen

Bayern hatte die Corona-Testpflicht an Schulen und in Kitas Ende April eingestellt. Vor einer Woche beschloss das Kabinett, dass anders als 2021 das neue Schuljahr Mitte September ohne Testpflicht starten soll. Stattdessen setze der Freistaat nach den Sommerferien "auf freiwillige Testungen für Kinder, Schülerinnen und Schüler und das Personal, die jeder zu Hause vornehmen kann", teilte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) mit. Das Kultusministerium empfahl Ende vergangener Woche in einem Schreiben an die Eltern, dass sich die Schülerinnen und Schüler "unmittelbar vor dem ersten Schultag im neuen Schuljahr testen" - auf eigene Kosten.

Nach dem Beginn des Schuljahrs könnte es dann kostenlose Tests geben, wie ein Ministeriumssprecher auf BR24-Anfrage erläuterte: "Nach jetzigem Planungsstand soll es den Schulen - wo möglich und vor Ort gewünscht - in den ersten beiden Unterrichtswochen gestattet werden, eingelagerte Selbsttests an Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte und sonstige an der Schule regelmäßig tätige Personen auszugeben." Vorgesehen seien bis zu drei Selbsttests pro Person und Woche. "Die Anwendung der Tests erfolgt dabei grundsätzlich freiwillig und außerhalb der Schule", betonte der Sprecher.

Schülerrat: Online-Materialien für alle Jahrgangsstufen

Besonders wichtig ist aus der Sicht des Landesschülerrats für den Herbst: Es müsse sichergestellt werden, dass in allen Jahrgangsstufen Unterrichtsmaterialien auf einer einheitlichen Plattform online zur Verfügung gestellt werden können - nicht nur für den Fall eines möglichen generellen Distanzunterrichts, sondern beispielsweise auch für Schülerinnen und Schüler in Quarantäne, sagte Fabia Klein.

Ziel müsse sein, dass alle Kinder und Jugendlichen "von Zuhause aus weiterhin am Unterricht teilnehmen können". Dafür müsse die Digitalisierung aller Schulen vorangetrieben werden, "unabhängig von der Schulart". Zugleich appelliert der Landesschülerrat an das Kultusministerium, keine "Alleingänge" zu machen, sondern den Austausch mit den Schülerinnen und Schülern zu suchen.

"Realitätsnahe Lehrpläne"

Der Landesschülerrat fordert zudem eine Überarbeitung der Lehrpläne. Einige Themen in den Lehrplänen seien "nicht relevant für eine allgemeine Schulbildung". Schule müsse sich auf eine möglichst realitätsnahe Bildung fokussieren - "damit man Sachen fürs Leben mitnimmt". Bei den Gymnasien müsse stärker berücksichtigt werden, dass nicht jede Schülerin und jeder Schüler ein Studium aufnehmen wolle. Daher sollte laut Schülersprecherin Klein ein größeres Augenmerk auf eine praxisnahe Bildung gelegt werden.

Lehrermangel: "Es muss etwas passieren"

Hohe Priorität müsse im Kultusministerium das Thema Lehrerversorgung haben, betonte Klein. "Der Lehrermangel ist ganz klar vorhanden." Das gehe zu Lasten der Schüler und beeinträchtige die Bildung. "Es muss einfach etwas passieren." Vor allem an den Grund- und Mittelschulen in Bayern droht sich der Lehrermangel im neuen Schuljahr dramatisch zuzuspitzen.

Unterricht an Schulen: Der Lehrermangel macht sich deutlich bemerkbar.

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Patrick Pleul

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