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Schüler-Petition: Im Unterricht über Depression aufklären | BR24

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Junger Mann sitzt vor Wand (Symbolbild)

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Schüler-Petition: Im Unterricht über Depression aufklären

Alexander Spöri vom Lise-Meitner-Gymnasium Unterhaching sorgt sich um Mitschüler, die an Depressionen leiden. Mit Freunden hat er eine Petition in den Landtag eingebracht: Aufklärung über psychische Krankheiten soll auch in der Schule stattfinden.

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Ende April beginnen in Bayern die Abitur-Prüfungen, auch für Alexander Spöri und seine Freunde vom Lise-Meitner-Gymnasium Unterhaching. Doch wichtiger als das Lernen ist den Jugendlichen gerade die Sorge um ihre Mitschüler, die an Depressionen leiden. Jetzt haben sie sich mit einer Petition an den Bayerischen Landtag gewandt: Aufklärung über psychische Krankheiten soll auch in der Schule stattfinden.

Furcht vor Stigmatisierung: Jugendliche suchen oft spät Hilfe

"Jetzt drückt der sich schon wieder um die Prüfungen!" – "Der ist einfach zu faul zum Lernen!" Solche Mutmaßungen über länger abwesende Schüler standen oft im Raum, von Seiten der Lehrer, aber auch von Seiten der Mitschüler. "Wir wussten es damals nicht besser", bedauert Alexander Spöri. Heute weiß er, dass sich hinter den Symptomen Versagensangst und Antriebslosigkeit eine lebensbedrohliche Krankheit verstecken kann. Denn auch seine Freundin Emily fiel in ein graues Loch.

Aus Furcht vor einer Stigmatisierung suchen sich Familien bzw. Jugendliche oft erst spät Hilfe. Oft werden die psychischen Erkrankungen auch zu spät erkannt. Nur jede zweite depressive Erkrankung wird auch richtig diagnostiziert bzw. behandelt, wie die Ludwig-Maximilians-Universität München auf ihrer Website schreibt. "Wir sind sehr froh, dass wir in einer Zeit leben, wo wir offen über psychische Erkrankungen reden können", betont Professor Martin Keck, Klinik-Direktor am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München.

"Grau ist keine Farbe": Schüler produzieren Doku-Drama

Psychische Krankheiten sollen kein Tabu-Thema mehr sein. Das stille Leiden seiner Freundin und seiner Mitschüler haben Alexander Spöri und seine Freunde nun in einem Film dokumentiert. "Grau ist keine Farbe" heißt das Doku-Drama der "MovieJam Studios" aus Taufkirchen. Der 60-minütige Film hat am 6. April Premiere in München, im Mathäser Filmpalast.

Der Film handelt von drei Jugendlichen, die an Depression leiden. Anna kämpft mit Schulangst, isoliert sich von ihren Freunden, versteckt sich hinter den Sozialen Medien. Sabine hat Konflikte mit ihrem aggressiven Vater. Christian ist homosexuell, hat ein schwaches Selbstbewusstsein, sucht Rettung im Alkohol und plant seinen Selbstmord.

Zum Film-Team von "MovieJam-Studios" gehören Leon Golz, Colin Maidment, Vitus Rabe, Paul Schweller, Alexander Spöri und Luca Zug. Das Doku-Drama zu Depressionen ist bereits ihre dritte Produktion. Für ihre kritische Reportage "Das (Bildungs)System" (2016) haben sie die Auszeichnung "Bayerns bester Jugendfilm" erhalten.

Schüler-Petition: Aufklärung über Depression im Unterricht

"Nachdem wir uns durch unseren Film über die Depression informiert haben, ist uns bewusst geworden: Wir fühlen uns von der Schule allein gelassen. Unsere Lehrer haben keine Ahnung, wie viele Schülerinnen und Schüler betroffen sind." Alexander Spöri

Das möchten die Jugendlichen nun ändern. Parallel zum Film haben sie noch einen weiteren Schritt gewagt: Sie haben sich mit einer Petition an die Bayerische Staatsregierung gewandt, mit der Bitte um mehr Aufklärung über psychische Krankheiten im Unterricht. Unterstützt wird die Petition von der Opposition.

Auch Online-Petition gestartet

Zeitgleich zur Landtags-Anfrage haben die Schüler auch eine Online-Petition gestartet, um den Handlungsdruck auf die Politiker noch weiter zu erhöhen.

"Ich freue mich sehr über dieses beeindruckende Engagement, gerade auch über die Petition, die daraus nun erwachsen ist, wenn man bedenkt, unter welchem hohen Leistungsdruck und Zeitdruck die Jugendlichen stehen." Prof. Martin Keck, Max-Planck-Institut für Psychiatrie

Als nächstes stehen nun die Abiturprüfungen an. Alexander Spöri motiviert vor allem eine Sache: Seine Freundin Emily hat die Depression überwunden. Nach vier Wochen Klinik-Aufenthalt ging es ihr langsam besser. "Danach hat es sich tatsächlich kontinuierlich verbessert. Sie ist dann auch in psychotherapeutischer Behandlung geblieben, heute geht es ihr wieder gut."

© BR

Symbolbild Depression