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Schottische Hochlandrinder schützen römische Funde in Augsburg | BR24

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Eine Rinderherde, mitten in der Großstadt: Dieser ungewöhnliche Anblick bietet sich derzeit in der Augsburger Innenstadt. Denn dort betreibt Schottische Hochlandrinder im Dienste der Stadt Denkmalpflege und sollen römische Funde im Boden schützen.

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Schottische Hochlandrinder schützen römische Funde in Augsburg

Eine Rinderherde, mitten in der Großstadt: Dieser ungewöhnliche Anblick bietet sich derzeit in der Augsburger Innenstadt. Denn dort betreiben Schottische Hochlandrinder Denkmalpflege im Dienste der Stadt. Sie sollen römische Funde im Boden schützen.

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Ein schmaler, dicht bewachsener Pfad führt von der belebten Augsburger Innenstadt hinauf zu einer Hügelkuppe am Pfannenstiel nahe der alten Stadtmauer. Und hier auf der Wiese weiden acht Schottische Hochlandrinder. Die Tiere mit dem langen, zotteligen Fell und den ausladenden Hörnern sind quasi im öffentlich Auftrag unterwegs.

Schottische Hochlandrinder betreiben Denkmalpflege

Die Rinder leisten ihren Beitrag zur Bodendenkmalpflege. Sie sollen wertvolle römische Funde im Boden schützen, erklärt Stadtarchäologe Sebastian Gairhos. Denn wie Sonaruntersuchungen gezeigt haben, liegt im Untergrund der Wiese ein Teil einer Siedlung aus der Römerzeit, die antike Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum.

"Wir haben hier einen Teil der römischen Stadt, der seit der römischen Zeit nicht mehr überbaut wurde", sagt der Stadtarchäologe. Fußböden, Gebäudefundamente und ein Abschnitt der antiken Stadtmauer seien direkt unter der Wiese erhalten geblieben und stehen unter Denkmalschutz.

Schutz der römischen Überreste im Boden

Baumwurzeln könnten diese sensiblen Funde beschädigen, deshalb müssen die Rinder ran, solange das Areal nicht ausgegraben wird. Die Beweidung tut auch der Natur gut: Die Hufe der Rinder lockern den Boden, es siedeln sich schnell seltene Pflanzen an, sagt Norbert Pantel vom Landschaftspflegeverband der Stadt Augsburg. "Das ist was ganz Wertvolles. Wir haben in Augsburg auch Parks und Grünanlagen, aber solche wilden Bereiche sind extrem selten und für den Naturschutz innerhalb der Stadt sehr wertvoll."

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Eine Rinderherde, mitten in der Großstadt: Dieser ungewöhnliche Anblick bietet sich derzeit in der Augsburger Innenstadt. Denn dort betreibt Schottische Hochlandrinder im Dienste der Stadt Denkmalpflege und sollen römische Funde im Boden schützen.

Anwohner und Rinder in guter Nachbarschaft

Am einen Ende der knapp drei Hektar großen Fläche stehen einige Mehrfamilienhäuser. Bislang gab es seitens der Anwohner keine Klagen über die neuen Nachbarn. "Die freuen sich. Es ist schon was Ungewöhnliches, wenn man in einer innerstädtischen Wohnlage eine Rinderweide vor der Haustür hat," erklärt Norbert Pantel.

Verwöhnprogramm für fleißige Rinder

Öffentlich zugänglich ist das Areal allerdings nicht. Landwirt Helmut Schachner sieht jeden Tag nach seinen "Ladies", wie er sie nennt, und die warten dann schon auf ihr übliches Verwöhnprogramm: die Fellpflege. "Sie lieben das Striegeln gerade besonders, weil sie im Fellwechsel sind. Da juckt es sie. Und deswegen kommen sie selber zu mir her und wollen gestriegelt werden", sagt Schachner.

Denkmalpflege bis zum Herbst

Das Hochlandrind stammt ursprünglich aus dem Nordwesten Schottlands und von den Hebriden. Es ist eine der ältesten heutigen Rinderrassen und wird seit den 1970-er Jahren auch in Deutschland gehalten. Die Hochlandrinder sollen bis in den Herbst hinein auf der Weide in der Augsburger Innenstadt bleiben und grasen, im Dienst von Archäologie und Naturschutz.

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