| BR24

 
 
© BR

Verschneite Gleise

Wo ist die Situation in Bayern besonders dramatisch?

In Süd- und Ostbayern, speziell In Miesbach, Berchtesgaden und Traunstein. Wegen der Schneefälle gilt in den drei oberbayerischen Landkreisen der Katastrophenfall. Rund um Berchtesgaden sind immer mehr Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Die Orte Vorderbrand und Ettenberg sind wegen gesperrter Zufahrtsstraßen nicht mehr erreichbar. Eine Notversorgung der Bewohner ist eingerichtet, die Bundeswehr hilft mit. Zuvor waren schon die Straßen zur Siedlung Buchenhöhe in Berchtesgaden und zur Gemeinde Jachenau zugeschneit worden. Auch hier sind die Menschen ausreichend versorgt.

Was sind die größten Sorgen?

Abgesehen von der Lawinengefahr, den vereisten Straßen und die eingeschneiten Gemeinden geben die hohen Schneelasten auf Bäumen und Dächern Grund zur Besorgnis - und das nicht nur in den Landkreisen, in denen der Katastrophenfall gilt. In Inzell im Landkreis Traunstein ist in der vergangenen Nacht das Dach einer Lagerhalle eingestürzt, gegen 5.30 Uhr wurde der Schaden entdeckt. Verletzt wurde niemand.

In Aying südöstlich bei München hat sich am Donnerstag ein tragisches Unglück ereignet: Ein neunjähriger Bub wurde von einem umstürzenden Baum erschlagen, der offenbar unter der schweren Schneelast eingeknickt war. Wiederbelebungsmaßnahmen blieben ohne Erfolg.

Um ähnliche Unglücke zu verhindern, wurden vielerorts Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Die Nationalparkzentren Lusen und Falkenstein im Bayerischen Wald etwa wurden aufgrund hoher Schneebruchgefahr komplett gesperrt - vom Gang in die gesperrten Waldgebiete wird dringend abgeraten. In München hat die Stadt die Friedhöfe für Besucher gesperrt, Geretsried hat aufgrund der hohen Schneelast für viele öffentliche Gebäude eine Sperrzone eingerichtet. Im Landkreis Fürstenfeldbruck sind ab sofort alle Turnhallen gesperrt.

Wie sieht es auf den Straßen aus?

Viele Straßen sind vereist und verschneit, zahlreiche Straßen sind wegen der Schneemassen und umgestürzter Bäume gesperrt.

In den nächsten Tagen sind vielerorts weiterer Schnee beziehungsweise Schneeregen oder Regen und Temperaturen um den Gefrierpunkt vorhergesagt; entsprechend dazu dürfte die Lage auf vielen Straßen kritisch bleiben.

Was empfiehlt der TÜV?

Autofahrer sollten sich im Winter mit Decken und heißen Getränken wappnen. Warme Kleidung wie Handschuhe, Mütze, Schal und Jacke sollten im Auto genauso parat sein wie Decken. Außerdem weist der TÜV darauf hin, dass Fahrzeugheizung, Licht und andere elektrische Systeme den Spritverbrauch ebenso in die Höhe treiben wie langsames Stop-and-Go-Fahren. Deshalb sollte der Tank gut gefüllt sein.

Wie ist die Situation im Zugverkehr?

Schwierig. Die Deutsche Bahn kommt mit dem Räumen der verschneiten Strecken teilweise nicht mehr hinterher und stellt deswegen in den kommenden Tagen den Regionalverkehr in Teilen Süd- und Ostbayerns ein. In den Regionen Kempten, Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Berchtesgaden fallen laut Bahn in den nächsten Tagen die Züge aus. Außerdem fahren nicht: die Waldbahn in Niederbayern und die Bayerische Oberlandbahn südlich von München. Die Bahn will sich auf die Hauptstrecken konzentrieren und bittet um Verständnis: Dass man die hochgelegenen Nebenstrecken vorerst nicht mehr bedient, hänge mit dem Neuschnee und vielen Bäumen auf Gleisen zusammen.

Wie bewertet der Fahrgastverband das Vorgehen der Bahn?

Kritisch. Das außergewöhnliche Wetterereignis zwinge die Bahn zu Maßnahmen, sagte Winfried Karg, Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, dem BR. Man wisse aber, dass im Voralpenland mehr Schnee falle als anderswo. Karg kritisiert zudem den vom Bund als Bahn-Eigentümer zu verantwortenden Personalabbau und die Einsparungen der vergangen Jahre. So seien zum Beispiel im Allgäu Züge gefahren; aber sie konnten laut Karg an mehreren Bahnhöfen nicht halten, weil die Bahnsteige nicht geräumt waren.

Wie ist die Lage an den bayerischen Flughäfen?

Am Flughafen München wurden am Donnerstag 150 Verbindungen annulliert. Das sagte eine Sprecherin dem BR. 50 Flüge fielen wegen des Wetters an anderen Destinationen aus, weitere 100 wegen der Warnstreiks des Sicherheitspersonals an den Flughäfen Düsseldorf, Köln-Bonn und Stuttgart. In München selbst gab es kaum Probleme, beide Rollbahnen waren stets freigeräumt. Von den anderen bayerischen Flughäfen wurden keine Annullierungen gemeldet. Weil der Schneefall morgen und übermorgen etwas nachlassen beziehungsweise am Wochenende in tieferen Lagen in Regen übergehen soll, dürfte sich die Situation an den Airports eher nicht verschärfen.

Wo fallen am Freitag die Schulen aus?

In 19 Landkreisen fällt die Schule komplett aus, in mehreren weiteren Landkreisen teilweise; fast stündlich kamen zuletzt Schulen hinzu, die den Unterricht stornieren. Den aktuellen Überblick finden Sie hier.

Was bedeutet das Wetter für die Tiere?

Die Schneemassen im Süden Bayerns bedrohen auch das Wild in den Bergen. Der Bayerische Jagdverein spricht von einer lebensbedrohlichen Situation. Der Verein will die Tiere mithilfe von Hubschraubern notversorgen - also zum Beispiel Heuballen aus der Luft abwerfen. An winterliche Verhältnisse seien Wildtiere wie etwa Hirsche oder Gämse in den Bergen gewöhnt, hieß es. Aber: Die extremen Schneemassen stellten auch für sie eine Bedrohung dar, denn bei Schneehöhen von bis zu drei Metern könnten sich die Tiere kaum fortbewegen. Die Futterlager seien außerdem komplett eingeschneit.

Im oberfränkischen Weidenberg musste die Feuerwehr heute zudem neun Rinder und drei Kälber aus einem Stall befreien, dessen Dach unter der Schneelast teilweise eingebrochen war.

Wie wird das weitere Wetter?

Heute kommen von Norden her neue Schneefälle. Am Samstag gibt es etwas, am Sonntag wieder mehr Schneefall, in tiefen Lagen Regen. (mit Material von dpa, Reuters, AFP, BR-Wetter)