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Schneelast auf Dächern: Was Hausbesitzer jetzt beachten sollten | BR24

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Schneemassen am Tegernsee

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    Schneelast auf Dächern: Was Hausbesitzer jetzt beachten sollten

    Was die Wintersportler freut, bereitet den Hausbesitzern Sorgen, denn bei den großen Neuschneemengen der vergangenen Tage könnten manche Dächer an ihre Belastungsgrenzen kommen. Ein Baustatik-Experte erklärt, was Hausbesitzer jetzt beachten sollten.

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    Norbert Gebbeken ist Professor für Baustatik an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg und der Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau.

    Die großen Neuschneemengen nimmt er nicht als Winterzauber wahr, sondern vor allem als nasskalte Last, die auf die Dächer drückt. In München seien die Hausdächer darauf ausgelegt, etwa 100 bis 110 Kilogramm pro Quadratmeter zu tragen, erklärt der Wissenschaftler:

    "Entscheidend ist der Wassergehalt des Schnees. Bei nassem Schnee können 20 Zentimeter auf dem Dach bis zu 40 Kilogramm pro Quadratmeter wiegen. Da sind wir also momentan noch deutlich von der Höchstlast entfernt. Um sicherzugehen, sollten Hausbesitzer den Schnee auf ihrem Dach einfach wiegen." Norbert Gebbeken, Professor für Baustatik

    Nicht selbst aufs Dach steigen

    Dabei sticht man eine Fläche von 10 mal 10 Zentimeter aus, nimmt den Schnee in einen Topf und wiegt ihn. Das Gewicht des Topfes muss dabei natürlich abgezogen werden. Das Ergebnis nimmt man mal 100 und dann bekommt man die Kilogramm pro Quadratmeter.

    Der Wissenschaftler rät allerdings stark davon ab, selbst auf das verschneite Dach zu steigen, das sei viel zu gefährlich. Oft genüge es, eine Leiter anzustellen, um so die Traufe zu erreichen.

    Dachform unerheblich für Traglast

    Ob das Gebäude ein Flachdach oder ein Schrägdach hat, ist übrigens unerheblich für die Traglast. Die ist bei beiden Gebäudeformen gleich. Der Unterschied ist lediglich, dass Schnee und Matsch auf den Flachdächern liegen bleiben, während der Schnee am Schrägdach irgendwann herunterrutscht.

    "Flachdächer müssen also in Perioden von länger anhaltenden Schneefällen irgendwann abgeräumt werden", erklärt Gebbeken. "Wann es soweit ist, können Hausbesitzer in den Statikpapieren ihres Hauses nachsehen, da steht gleich auf den ersten Seiten, welcher Schneelastansatz für das Gebäude gilt."

    Lebensgefahr durch Dachlawinen

    Bei Schrägdächern kann die Schneelast in anderer Form gefährlich werden - nämlich dann, wenn es taut und ein Gemisch aus Eisplatten und Schnee in Bewegung gerät. Solche Dachlawinen sind für Passanten potenziell lebensgefährlich.

    Im Voralpenland sind die vorgesehenen Schneelasten übrigens zum Teil noch deutlich höher angesetzt als in München. Insgesamt, so beruhigt Professor Norbert Gebbeken, seien die Gebäude in Bayern mit so großen Reserven ausgestattet, dass sie auch die prognostizierten Schneefälle der kommenden Tage problemlos aushalten sollten. Bei Schulen, Bahnhöfen oder Turnhallen wird die Trag- und Funktionsfähigkeit der Dächer außerdem regelmäßig überprüft.

    Nach dem Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall am 2. Januar 2006 war eine bundesweite Richtlinie entstanden, die vorschreibt, dass die Baustatik von öffentlichen Gebäuden alle fünf Jahre kontrolliert werden muss. Vor dem Unglück gab es solche Kontrollen überhaupt nicht.

    Eissporthalle in Bad Wörishofen gesperrt

    Aufgrund großer Schneemengen ist inzwischen die Eissporthalle in Bad Wörishofen für die Öffentlichkeit gesperrt. Wie die Behörden mitteilen, liegt auf dem Dach des Stadions eine ca. 15 bis 20 Quadratmeter große Schneewehe, die das von Statikern zugelassene Gewicht deutlich übersteigt. Eine Räumung des Dachs kommt aufgrund der Wetterverhältnisse nicht in Frage, da die benötigte Hebebühne aus Sicherheitsgründen nur bis zu einer gewissen Windgeschwindigkeit benutzt werden darf. Aus diesem Grund bleibt die Eishalle heute und morgen geschlossen.

    Achtung im Wald: Schneebruchgefahr

    Angesichts der heftigen Schneefälle der vergangenen Tage hat zudem Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber dringend davor gewarnt, sich im Wald aufzuhalten und generell unter Bäumen höchste Vorsicht walten zu lassen. „Viele Bäume können im Moment unter der hohen Schneelast jederzeit umkippen oder zusammenbrechen“, so Kaniber.