Skifahrer im Skigebiet Brauneck bei Lenggriess (Archivbild von 2022).
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Skifahrer im Skigebiet Brauneck bei Lenggriess (Archivbild von 2022).

    Viel Naturschnee – und trotzdem laufen die Schneekanonen

    Die Skigebiete in den bayerischen Alpen freuen sich über die tiefen Temperaturen und den Schnee der letzten Tage. Doch obwohl reichlich Naturschnee gefallen ist, laufen viele Schneekanonen. Das liegt auch an den hohen Erwartungen an die Piste.

    Schnee und Minusgrade: Nach einer langen Phase mit milden Temperaturen und Regen hat das vergangene Wochenende endlich wieder für Wintergefühle gesorgt. Die Rückkehr des winterlichen Wetters freute mitunter Skifahrer, Snowboarder und Betreiber von Skigebieten. Doch obwohl der Neuschnee für eine weiße Schicht auf vielen Pisten in den bayerischen Alpen sorgte, produzierten die Skigebiete zusätzlichen Kunstschnee.

    Skigebiete wieder auf Hochbetrieb

    Das Winterwetter bescherte den Skigebieten am Wochenende ordentlich Betrieb: „Am Sonntag hatten wir ungefähr 4.000 Gäste“ sagt Egid Stadler, Geschäftsführer der Bergbahnen Sudelfeld. Auch Hannes Rechenauer, Geschäftsführer der Hocheck Bergbahnen in Oberaudorf zieht eine positive Bilanz: "1.500 bis 2.000 Gäste kamen pro Tag zusammen", schätzt er.

    Auch andere Skigebiete konnten wieder öffnen oder einzelne gesperrte Pisten aufmachen, so etwa im Skigebiet Garmisch-Classic, am Brauneck und am Spitzingsee.

    Naturschnee blieb teils nicht genug liegen

    Doch ganz ideal ist der Naturschnee für die Betreiber nicht: „Der Schnee ist auf eine komplett grüne Wiese gefallen und nur schlecht liegen geblieben“, berichtet Geschäftsführer der Hocheck Bergbahnen, Rechenauer. Deswegen habe man die Schneekanonen angeschmissen und zusätzlich die Pisten beschneit.

    Und das passierte nicht nur in Oberaudorf, sondern in vielen Skigebieten der bayerischen Alpen: Bei den Skigebieten Garmisch-Classic, Brauneck, Spitzingsee, Winklmoosalm und auf den Pisten am Westernberg in Ruhpolding mussten die Betreiber mit Kunstschnee nachhelfen. Das teilten die Skigebietsbetreiber dem BR auf Anfrage mit.

    Kunstschnee ist robuster und bleibt länger liegen

    Doch bei der künstlichen Beschneiung geht es nicht nur darum, grüne Fleckchen im Naturschnee auszubessern. Denn Kunstschnee unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von Naturschnee und ist genau deshalb so wertvoll für die Betreiber von Bergbahnen und Skigebieten. "Technisch produzierter Schnee hat eine ganz andere Beschaffenheit als Naturschnee", erklärt Maximilian Witting, der an der Ludwig-Maximilians-Universität München zu Wintertourismus und Klimawandel in Bayern forscht. Deswegen sei er widerstandsfähiger und bleibe beispielsweise bei Regen und Tauwetter länger liegen.

    Erwartungen an Pisten hat sich verändert

    Der Kunstschnee hat einen weiteren Vorteil für die Unternehmer am Berg: „Der Naturschnee ist schwerer zu präparieren als der Kunstschnee“, erzählt Egid Stadler vom Skigebiet Sudelfeld. Denn der jetzt gefallene Naturschnee sei sehr pulvrig und müsse sich erst setzen, bevor man ihn mit der Pistenraupe präparieren kann. Anders sei das beim Kunstschnee, der von Haus aus dichter sei. Insgesamt sei er griffiger und deshalb besser zum Skifahren geeignet. Es ist also auch das Fahrerlebnis auf den Pisten, das den Kunstschnee so beliebt macht. Auch, weil die Erwartungen an eine Piste in den letzten Jahren gestiegen sei, findet Stadler: "Früher war es normal, dass man auch mal über buckligere Pisten drüber musste".

    Der Geowissenschaftler Witting von der LMU München beobachtet ebenfalls, dass sich der Einsatz von Kunstschnee über die Jahre verändert hat: "Früher war es so, dass Schneekanonen quasi als Anpassungsstrategie eingesetzt wurden", sagt er. Und zwar nur dann, wenn es nicht von selbst schneite. Mittlerweile seien die Schneekanonen auch zu einem Mittel geworden, um bessere Bedingungen fürs Skifahren zu schaffen. Auch dann, wenn es eigentlich Naturschnee gibt.

    Für die Betreiber sind Minusgrade wichtiger als Schneefall

    Das, was den Betreibern der Skigebiete also wichtiger ist, ist das Minus vor den Temperaturangaben – und nicht der Schneefall. Obwohl sie den natürlich auch begrüßen: „Der Schnee ist ja ein Sehnsuchtsobjekt geworden“, sagt Rechenauer von den Hocheck Bergbahnen. Natürlich wollten die Besucher in einer beschneiten Landschaft Skifahren und nicht nur auf einzelnen weißen Bändern am ansonsten grünen Berg.

    Skitourismus wird sich auf einzelne Orte zentrieren

    Ob eine komplett verschneite Berglandschaft in Zukunft noch häufig die Kulisse beim Skifahren sein wird, ist fraglich. "Man muss davon ausgehen, dass die Schneefallgrenze steigt, die Skisaison insgesamt kürzer wird und gleichzeitig der Beschneiungsbedarf steigt", fasst der Wissenschaftler Witting zusammen. Insgesamt führe das bei den Betreibern von Skigebieten zu weniger Einnahmen und gleichzeitig steigenden Ausgaben. Deswegen erwartet Witting, dass sich der Skitourismus künftig auf höher gelegenen Skiorten zentriert – und kleinere, niedriger gelegene Skigebiete aufgeben müssen, weil sie das Geschäft nicht mehr wirtschaftlich betreiben können.

    Warmer Januar gab bereits einen Vorgeschmack auf künftige Winter

    Ende Dezember und Anfang Januar zeigte sich bereits, wie der Skitourismus in Zukunft aussehen könnte: Die Hocheck Bergbahnen in Oberaudorf hatten ab Heilig-Drei-König 14 Tage lang geschlossen. Auch die Brauneck- und Wallbergbahnen mussten ab dem 5. Januar den Betrieb komplett einstellen und im benachbarten Skigebiet Spitzingsee war das Skifahren auf drei Anlagen beschränkt. Das Skigebiet Sudelfeld bei Bayrischzell hatte zwar seit dem 17. Dezember durchgehend geöffnet. Aber nur, weil es einen großen Beschneiungsteich hat: "Da hatten wir natürlich größere Kapazitäten und konnten während der kalten Tage im Dezember viel Schnee vorproduzieren", sagt Geschäftsführer Egid Stadler. Das Skigebiet Garmisch-Classic hatte ebenfalls durchgehend geöffnet, musste aber auch einige Pisten nach den Weihnachtsferien sperren.

    Doch die Hoffnung auf anhaltend winterliches Wetter ist groß: Mitte Februar könnten die Temperaturen nochmal sinken – und damit die Chancen auf bessere Skifahrbedingungen erheblich steigen.

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