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Schneefall und Tauwetter verschärfen die Lage in Südbayern | BR24

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Im Süden Bayerns kämpfen Zehntausende Einsatzkräfte weiter gegen die Schneemassen. Auch heute waren Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten. Und die Lawinengefahr steigt: Am Arlberg in Österreich sind vier deutsche Skifahrer verschüttet worden.

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Schneefall und Tauwetter verschärfen die Lage in Südbayern

Neuschnee verschärft die Lage in den völlig verschneiten Regionen Bayerns - dazu lässt Tauwetter den Schnee noch schwerer werden. Im Allgäu sitzen über tausend Menschen fest, und auch am Montag wird vielerorts wieder die Schule ausfallen.

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Das seit Tagen andauernde Schneechaos in den bayerischen Alpen geht weiter. In den Katastrophenregionen im Süden des Freistaates kamen seit Samstagnacht etliche Zentimeter Neuschnee hinzu.

Die Menschen in den fünf oberbayerischen Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Traunstein, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach und Berchtesgadener Land, wo seit Tagen der Katastrophenfall gilt, müssen erneut mit zusätzlichen Schneemassen zurechtkommen. Bei Plusgraden begann es zudem mancherorts zu tauen. Durch die anhaltenden Niederschläge in Form von Regen und Nassschnee steigt die Belastung für die Hausdächer deshalb weiter an.

In Sachrang im Landkreis Rosenheim mussten bereits Bewohner ihre Häuser verlassen. Eine Überprüfung ergab, dass die Schneelast auf den Dächer zu hoch ist, wie das Landratsamt mitteilte. Betroffen sind insgesamt 14 mehrstöckige Gebäude, die zum Teil aber unbewohnt sind, da es sich um Zweitwohnsitze handelt.

Mehr als Tausend Menschen sitzen in Balderschwang fest

Im Allgäu ist die Zufahrt zur Gemeinde Balderschwang gesperrt. Nach einem Lawinenabgang auf eine Kreisstraße sitzen rund 1.100 Einwohner und Touristen in dem Wintersportort fest. "Der Riedbergpass ist vorsorglich gesperrt, weil auch hier Lawinengefahr herrscht", sagte ein Polizeisprecher. Zuvor war auf österreichischer Seite bei Hittisau eine Lawine abgegangen. Verletzte hatte es dabei nicht gegeben.

Die Versorgung für die Gemeinde ist vorerst gesichert. Die Stromleitungen sind intakt, Evakuierungen sind derzeit nicht geplant. Das Skigebiet Grasgehren wurde jedoch geräumt, 40 Menschen wurden hierbei in Sicherheit gebracht. Die Kreisstraße aus Österreich nach Balderschwang wird laut Polizeiangaben von Sonntag noch bis einschließlich Montag gesperrt bleiben.

Gemeinde Schneizlreuth fast von Außenwelt abgeschnitten

Die Gemeinde Schneizlreuth im Berchtesgadener Land ist so gut wie von der Außenwelt abgeschnitten. Der Ort ist nur mehr von östereichischer, aber nicht mehr von deutscher Seite zu erreichen. Es wird befürchtet, dass Schneebretter auf die B21 abgehen könnten. Damit ist die kurze Verbindung von Lofer über Bad Reichenhall nach Salzburg, durch das sogenannte deutsche Eck, nicht mehr passierbar.

Wegen akuter Lawinengefahr wurde am Sonntag die B305 auch zwischen Ilsank nach Abzweigung Schönau/Duftberg (Gemeinde Bischofswiesen) und Wimbachbrücke (Gemeinde Ramsau b. Berchtesgaden) in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. Das Gemeindegebiet Ramsau b. Berchtesgaden ist über die Schwarzeckerstraße (Hochschwarzeck) erreichbar.

Der Berchtesgadener Ortsteil Buchenhöhe ist indes wieder erreichbar. Zwanzig Bäume mussten gefällt werden, damit die Straße wieder gefahrlos befahren werden kann. Sie drohten durch die Schneelast auf die Straße zu stürzen. Nach starken Schneefällen saßen in dem rund 1.000 Meter hoch gelegenen Ortsteil 350 Menschen tagelang fest. Versorgt wurden sie durch Soldaten mit Hilfe von Bundeswehrfahrzeugen.

Am späten Sonntagnachmittag wurde vorsichtshalber der Ferienpark Vorauf in Siegsdorf geräumt. Statiker hatten festgestellt, dass bei vielen der 150 Ferienhäuser, die alle ein Spitzdach haben, die Dachlast durch den Schnee überschritten ist. In den Häusern waren insgesamt 50 Gäste, die ausziehen mussten. Der Großteil der Urlauber war nach Auskunft des Landratsamtes Traunstein bereits abgereist.

Von der Leyen lobt Truppe und sichert Unterstützung zu

Nach dem Besuch von Markus Söder (CSU) am Samstag in Bad Tölz wollte sich am Sonntag Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Berchtesgaden ein Bild der Lage machen. Begleitet wurde sie von Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU). Von der Leyen besuchte am Nachmittag die Gebirgsjäger, die derzeit Wohnhäuser von den Schneelasten befreien. Von der Leyen lobte die Truppe und sicherte den von den massiven Schneelasten betroffenen Landkreisen auch für die kommenden Tage weitere Unterstützung zu.

"Es ist eine Selbstverständlichkeit und Verpflichtung, wenn Not am Mann ist, da zu sein. Die Bundeswehr kommt, wenn sie gebraucht wird und sie bleibt solange, wie sie gebraucht wird." Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen

Derzeit sind allein in Berchtesgaden über 400 Gebirgsjäger dabei, die Dächer abzuschaufeln, im gesamten Alpenraum sind es rund 1.700 aus allen Einheiten und Reservisten. Sie räumen nicht nur die Schneelast von den Dächern, sondern befreien auch Straßen, die durch umgestürzte Bäume oder abgebrochene Äste blockiert sind oder blasen mit Hubschraubern die Schneelast von den Bäumen. Zusätzlich ist eine Hubschrauberbesatzung aus Laupheim mit Sprengstoffexperten unterwegs, um kontrollierte Lawinenabgänge auszulösen, wo es notwendig wird, wie etwa im Gemeindebereich von Ruhpolding.

"Der Zusammenhalt ist nicht selbstverständlich, da kann man nur großen Respekt und Dank an Alle sagen, die zum Helfen gekommen sind." Georg Grabner, Landrat Berchtesgadener Land

Helfer aus ganz Bayern langen kräftig hin

Zudem sind im Berchtesgadener Land fast 1.700 Hilfskräfte von verschiedenen Hilfsorganisationen im Einsatz, unter anderem vom THW, BRK oder von Freiwilligen Feuerwehren aus ganz Bayern. Auch sie schaufeln seit Tagen Dächer frei, räumen Straßen und sichern Bäume. Von rund 900 gemeldeten Dächern sind dann bis zum Sonntagmittag auch bereits 360 freigeschaufelt worden, teilte ein Sprecher des Landratsamtes mit. An weiteren 75 Gebäuden werde gearbeitet, darunter das Kreiskrankenhaus Berchtesgaden.

Der Nandlstädter Feuerwehrmann, der beim Einsatz im Landkreis Traunstein von einem Schneebrett verletzt worden war, konnte das Krankenhaus am Sonntag wieder verlassen. Laut Landratsamt Freising musste aber ein weiterer Helfer aus dem Landkreis-Team in die Klinik gebracht werden. Er hatte eine Kreislaufschwäche. Am Montag werden wieder 255 Feuerwehrleute von Freising aus ins Katastrophengebiet fahren und helfen, den Schnee von den Dächern zu räumen.

Angespannte Lage auch in Niederbayern

Regen und Schnee haben auch im Bayerischen Wald die Schneebruchgefahr verschärft. Die Polizei in Niederbayern hat die Straßen zum Ski- und Langlaufgebiet in Sankt Englmar gesperrt. Die Schneelast auf den Bäumen sei zu hoch, teilte die Behörde mit. Zwischenzeitlich sei es aber gelungen, die Straßen teilweise von den umgestürzten Bäumen frei zu machen. Dadurch hätten auch Urlauber das Gebiet verlassen bzw. zu den Hotels fahren können.

Im Skigebiet am Arber im Bayerischen Wald wurde der Liftbetrieb ebenfalls eingestellt und im Nationalpark Bayerischer Wald sind die Nationalparkzentren Lusen und Falkenstein samt Tierfreigelände bis Dienstag gesperrt.

Bereits in der Nacht zum Sonntag mussten Polizei und Feuerwehr in Niederbayern und der Oberpfalz über 250 Mal ausrücken. Aufgrund der Schneelast fielen Bäume auf die Straßen und sorgten für Verkehrsbehinderungen. Örtlich kam es auch zu Stromausfällen, weil Bäume auf Freileitungen fielen.

Bahn gibt Räumversuche im Allgäu auf

Der Bahnverkehr ist erheblich eingeschränkt. Zwischen Kempten und Lindau sperrte die Bahn die Strecke komplett. "Räumversuche mit Schneefräse und Schneepflug sind gescheitert", teilte die Bahn mit. Ein Ersatzverkehr ist wegen starken Schneefalls nicht möglich. Auf der Hauptstrecke zwischen München und Kempten kommt es den Angaben zufolge im Fern- und Nahverkehr zu erheblichen Verspätungen. "Von Reisen ins Allgäu wird abgeraten."

Die Bahnverbindungen zwischen Traunstein und Ruhpolding sind bis einschließlich Montag gesperrt, ebenso die Linie zwischen Traunstein und Waging. Ein Busnotverkehr ist für beide Verbindungen eingerichtet. Zusätzlich sind im Landkreis Traunstein zahlreiche Straßen gesperrt.

In Kempten sperrte die Stadt am Samstagabend wegen der Schneelast vorsorglich elf Sporthallen. Diese sollen bis einschließlich Dienstag geschlossen bleiben, weil durch die angekündigten Niederschläge mit noch höherem Gewicht auf den Dächern zu rechnen sei, hieß es.

Sturmböen und Neuschnee auch am Montag

Am Montagmorgen soll die Schneefallgrenze von zuletzt 600 bis 800 Metern auf 500 Meter sinken. Experten rechneten zudem mit starken Böen, die tagsüber Verwehungen und Schneebruch auslösen könnten. Von Montag an soll es wieder kälter werden - dann könnte örtlich mehr als ein Meter Neuschnee fallen.

In den Alpen herrscht große Lawinengefahr. An zahlreichen Schulen in den betroffenen Gebieten wird auch am Montag der Unterricht ausfallen.