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Lkw stehen auf einem verschneiten Parkplatz an der Autobahn A8 bei Irschenberg.
© picture-alliance/Bernd März

Autoren

Birgit Grundner
Martin Breitkopf
Henning Pfeifer
BR24 Redaktion
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Lkw stehen auf einem verschneiten Parkplatz an der Autobahn A8 bei Irschenberg.

Heftiger Schneefall vor allem im Süden Bayerns den Straßen-, Schienen- und Luftverkehr beeinträchtigt. Viele Urlauber blieben auf dem Rückweg aus den Weihnachtsferien stecken. Der starke Schneefall behindert auch den Zugverkehr vor allem im Süden und Westen Bayerns. Etliche Verbindungen im Allgäu sowie in Richtung Wolfratshausen, Starnberg, Holzkirchen und Garmisch-Partenkirchen sind bis auf Weiteres gesperrt.

Auch zahlreiche Straßen sind wegen Schneebruchs oder Lawinengefahr gesperrt. Auf der Salzburger Autobahn kam es zu Behinderungen durch umgeknickte Bäume.

Aktuelle Verkehrslage

Aktuelle Behinderungen bei Bahnen

Bahnpendler im Oberland haben am heutigen Montag ein echtes Problem. Der starke Schneefall behindert den Zugverkehr vor allem im Süden und Westen Bayerns. Etliche Verbindungen im Allgäu sowie in Richtung Wolfratshausen, Starnberg, Holzkirchen und Garmisch-Partenkirchen sind bis auf Weiteres gesperrt.

In München fahren derzeit die S4 und S7 nicht oder nur eingeschränkt - Bäume liegen im Gleis. Die Sperrung der Linie S6 ist mittlerweile aufgehoben.

Südlich von Holzkirchen fahren auf Grund der starken Schneefälle keine Züge und auch nur bedingt wird es einen Schienenersatzverkehr geben. Da nicht ausreichend Busse zur Verfügung stehen, wird der Schienenersatzverkehr am Montagmorgen nur eingeschränkt möglich sein, daher müssen Fahrgäste mit starken Beeinträchtigungen rechnen, heißt es von Seiten der Bayerischen Oberlandbahn. Seit gestern steht der BOB Zugverkehr im Oberland still. Alle Züge enden und wenden von München kommend in Holzkirchen. Da es gestern auch keinen Busnotverkehr gab, strandeten vielen Zugfahrgäste an den Bahnhöfen in der Region. Richtung Lenggries, Tegernsee und Bayrischzell und auch umkehrt ging nichts mehr und auch heute fährt voraussichtlich bis zum Vormittag kein Zug. Nach wie vor sind die Schienen in diesem Bereich auf Grund der Neuschneemengen nicht befahrbar. Wie lange dieser Ausnahmezustand noch andauern wird, ist unklar - Fahrgäste der Bayerischen Oberlandbahn sollen sich vor Abfahrt auf der Internetseite der BOB über den aktuellen Stand erkundigen.

Im Bereich Mittenwald fahren keine Züge. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet zwischen dem Grenzübergang Scharnitz und Garmisch-Partenkirchen. Die Deutsche Bahn rät ihren Kunden weiterhin, sich vor Reisebeginn zu informieren.

Im Bayerischen Wald musste die Waldbahn ihren Betrieb auf vielen Streckenabschnitten einstellen. Ein Busnotverkehr ist eingerichtet. Inzwischen lief der Verkehr der Waldbahn wieder an, jedoch bleibe die Verbindung zwischen Deggendorf und Zwiesel (Landkreis Regen) weiter gesperrt, teilte ein Sprecher des Betreibers Länderbahn am Sonntagabend mit. Auf diesem Streckenabschnitt mussten die Räumarbeiten wegen der Dunkelheit am Sonntag unterbrochen werden. Es sei auch in den kommenden Tagen aufgrund der Wetterprognose mit Ausfällen zu rechnen, hieß es weiter.

Im Allgäu gab es seit dem Morgen eine weitere Streckensperrung zwischen Kempten und Lindau, die den Betrieb des Alex beeinträchtigt. Gründe sind auch hier Schneemassen und umgestürzte Bäume. Ein Busnotverkehr wurde bisher nicht eingerichtet, da die Busse wegen des Schnees nicht aus den Depots kommen. Die Züge des Alex pendeln zwischen München und Kempten.

Schulausfälle in Südbayern

Auf Grund des heftigen Schneefalls gibt es am Montag in diversen Schulen in Südbayern schneefrei. Hier finden Sie eine Übersicht.

Vier Menschen aus Bayern ums Leben gekommen

Der heftige Wintereinbruch hat in Bayern am Sonntag ein Todesopfer gefordert. Ein Skifahrer aus dem oberbayerischen Penzberg wurde am Nachmittag am Blomberg bei Bad Tölz von einem Baum erschlagen. Wie ein Polizeisprecher auf Anfrage mitteilte, wurde der 44-Jährige kurz nach 16 Uhr leblos im Schnee liegend unterhalb des Blomberghauses entdeckt. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen. Nach erster Einschätzung der Polizei dürfte der Baum unter der Schneelast umgeknickt sein. Zeugen des Unfalls gibt es nicht.

Ein Skifahrer aus dem oberbayerischen Penzberg wurde am Blomberg von einem Baum erschlagen

Ein Skifahrer aus dem oberbayerischen Penzberg wurde am Blomberg von einem Baum erschlagen

Am Sonntag kam zudem ein Skifahrer aus dem Landkreis Dachau im österreichischen Schoppernau im Vorarlberg bei einem Lawinenabgang ums Leben. Laut Polizei war der 26-jährige Skifahrer trotz hoher Lawinengefahr abseits der gesicherten Pisten unterwegs. Seine Begleiterin und die Bergrettung gruben ihn schnell aus den Schneemassen aus. Der junge Mann konnte jedoch nicht mehr reanimiert werden.

Bei einem zweiten Lawinenunglück im österreichischen Vorarlberg kam außerdem ein 32-Jähriger aus Heilbronn ums Leben. Er war am Nachmittag mit einer 25-jährigen Skifahrerin im Gebiet von Damüls unterwegs, als er abseits gesicherter Pisten bis zum Hals verschüttet wurde. Bevor er gerettet werden konnte, gingen weitere Schneemassen über ihn nieder und begruben in vollständig. Rettungskräften gelang es nicht mehr, den Mann wiederzubeleben.

Am Samstag war bei einem Lawinenabgang auf dem Teisenberg im Berchtesgadener Land eine 20-jährige Frau gestorben. Rettungsmannschaften befreiten sie aus den Schneemassen, konnten sie aber nicht mehr reanimieren. Die glatten Straßen führten zu einer Reihe von Unfällen. In der Nähe von Bad Tölz kam - ebenfalls am Samstag - ein 19-Jähriger ums Leben und im Landkreis Passau wurden bei einem Frontalzusammenstoß zwei Menschen schwer verletzt.

Grenzübergänge zu Österreich teilweise nicht erreichbar

Aktuell sind die Bundesstraße 2 bei Mittenwald gesperrt sowie die B307 zwischen Schleching und Raiten, somit sind die Grenzübergänge zu Österreich über diese Wege nicht erreichbar. Gesperrt sind auch die B305 zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl. Auf der A8 bei Hofolding ist die rechte Spur Richtung Salzburg wegen Schneebruchgefahr gesperrt. Aus demselben Grund ist der Verkehr auf der A8 in Höhe Schweinbach im Landkreis Traunstein behindert. Es kann dort zu kurzzeitigen Sperrungen kommen, wenn Bäume oder Äste entfernt werden müssen. Darüber hinaus sind mehrere Staats- und Kreisstraßen im bayerischen Alpenraum gesperrt.

BR-Wetterexperte Sachweh

BR-Wetterexperte Sachweh

Nahverkehr in Lindau läuft zögernd an

Der öffentliche Nahverkehr in Lindau läuft wieder an, wenn auch mit Einschränkungen. Die Buslinien 1, 2 und 3 fahren wieder, die Linie 4 Richtung Alwind und Gitzenweiler Hof kann vom Stadtbus noch nicht wieder sicher befahren werden. Das haben die Verantwortlichen heute Morgen entschieden.

Schulen im Stadtgebiet Lindau sowie die städtischen Kindergärten bleiben heute trotzdem geschlossen. Thomas Gläßer, Geschäftsführer der Lindauer Stadtwerke, weist darauf hin, dass Fahrgäste beim Ein- und Aussteigen in die Busse besonders vorsichtig sein sollen, da nicht alle Haltestellen geräumt sind. Der öffentliche Nahverkehr in der Stadt Lindau sowie in Teilen des Westallgäus musste gestern Vormittag, Sonntag, 6.1., aufgrund des vielen Schnees eingestellt werden.

Lage am Flughafen München

Nach den zahlreichen Ausfällen und Behinderungen am Samstag hat sich die Lage am Flughafen München am Sonntag "normalisiert". Derzeit seien es 15 Annullierungen. Rund 25 Flüge hatten mehr als eine Stunde Verspätung. Dies sagte eine Sprecherin am Sonntagnachmittag dem Bayerischen Rundfunk. Aktuell seien auch beide Start- und Landebahnen offen.

Am Samstag waren 130 der geplanten 875 Flüge abgesagt worden, mehr als 200 Flüge hatten Verspätungen von mindestens einer Stunde. Das lag nicht zuletzt daran, dass Flugzeuge enteist werden mussten und und immer wieder eine der beiden Runways wegen der Schneeräumarbeiten gesperrt war. Zudem hatte die Flugsicherung größere zeitliche Abstände bei den Starts und Landungen angeordnet.

Schneemassen am Samstag am Münchner Flughafen

Schneemassen am Samstag am Münchner Flughafen

Skifahrer überlebt Lawinenabgang am Brauneck

Am Sonntagmittag hat ein Skifahrer eine Lawine am Brauneck ausgelöst - und wie durch ein Wunder überlebt. Der 32-jährige Einheimische war offenbar mit einer Freerider-Gruppe abseits der Skipiste im Steilhang unterwegs und wurde von der Lawine mitgerissen und verschüttet. Sein Glück war, dass die Skispitzen aus dem Schnee ragten. So konnten Retter ihn rasch finden und von den Schneemassen befreien. Ein Polizeisprecher spricht gegenüber dem Bayerischen Rundfunk von einem Wunder – der Mann führte keine Sicherheitsausrüstung mit sich. Wären die Skispitzen nicht sichtbar gewesen, der Mann wäre vermutlich nicht gefunden worden.

Josef Bergmayr von der Bergwacht Lenggries

Josef Bergmayr von der Bergwacht Lenggries

Auch am Wallberg am Tegernsee löste sich am Sonntagmittag laut Augenzeugen eine größere Lawine, hierbei wurde aber niemand verschüttet.

Ein Meter Schnee - und es kommt noch mehr

In den östlichen Alpen ist seit Freitag rund ein Meter Schnee gefallen. Bis Montag sollen am Rande der Alpen bis zu 40 Zentimeter Neuschnee dazu kommen, wie der Deutsche Wetterdienst am Sonntag mitteilte. Das kann zu Problemen auf der Straße führen. Weil die Ferien enden, werden auf Autobahnen Behinderungen und Staus erwartet, besonders von Süden kommend auf der A8, A93 und A95 sowie auf der A99 rund um München.

Lawinengefahr weiter hoch

In den Bergen herrscht weiter die zweithöchste Lawinenwarnstufe. Und auch die Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes wegen starken Schneefalls besteht weiterhin für den Alpenrand und die angrenzenden Gebiete. Wegen Lawinengefahr ist die B305 bei Schneizlreuth und bei Seehaus / Seegatterl gesperrt.

Autofahrerin missachtet Warnung

Dort fuhr am Samstag eine Frau trotz der Straßensperre in die Verbindungsstraße zur Winklmoosalm ein. Die 48-jährige Autofahrerin aus dem Landkreis Berchtesgadener Land hatte ungeheures Glück. Vor und hinter ihr gingen Lawinen ab - sie war dazwischen eingeschlossen. Nachdem sie der Winterdienst befreit hatte, gab es eine Verwarnung von der Polizei.

Haus in dichtem Schneetreiben

Haus in dichtem Schneetreiben

Österreich: Zugreisende saßen fest - Würzburger Snowboarder gerettet

Urlauber und Reisende hatten auch am Sonntag in Österreich mit den Schneemassen zu kämpfen. Hunderte Zugpassagiere saßen am frühen Sonntagmorgen rund vier Stunden lang in Leogang bei Kitzbühel auf offener Strecke fest, weil ein schneebeladener Baum auf die Gleise gestürzt war. Die für den Reiseverkehr wichtige Tauernautobahn war wegen einer Lawinensprengung kurzfristig gesperrt.

Unterdessen wurde auch in Vorarlberg die Lawinenwarnstufe auf vier heraufgesetzt. Somit herrscht in weiten Teilen der österreichischen Alpen große Lawinengefahr. Wegen dieses Risikos blieb am Sonntag die Zufahrt in das Skigebiet Obertauern südlich von Salzburg weiterhin gesperrt. Wie viele Urlauber seit Samstagabend dort eingeschlossen waren, gab der örtliche Tourismusverband nicht bekannt.

Wegen der Gefahr von Baumstürzen warnten die Behörden die Bevölkerung in den Tiroler Bezirken Kitzbühel und Kufstein vor Winterwanderungen. In den Bundesländern Niederösterreich und Oberösterreich waren zwischenzeitlich rund 14.000 Haushalte ohne Strom, weil Bäume und Äste Leitungen beschädigten.

In der Nähe von Zell am See wurde am Sonntag ein Snowboarder aus Würzburg unverletzt gerettet. Mehr dazu hier.

Autos und Busse auf verschneiter Straße

Autos und Busse auf verschneiter Straße