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Schmierereien sorgen im Steigerwald für Aufregung | BR24

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Seit Jahren herrscht eine hitzige Diskussion über die Gründung eines Nationalparks im Steigerwald. Nun wurde dort eine Forstmaschine beschmiert. Darauf standen Parolen wie "Rettet die Buchen". Der Vorfall sorgt für Ärger.

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Schmierereien sorgen im Steigerwald für Aufregung

Seit Jahren herrscht eine hitzige Diskussion über die Gründung eines Nationalparks im Steigerwald. Vor Kurzem wurde dort eine Forstmaschine beschmiert. Darauf standen Parolen wie „Rettet die Buchen“. Diese Sachbeschädigung sorgte für viel Aufregung.

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Von
  • Ralph Wege

Bei Christian Binder liegen mittlerweile die Nerven blank. Er ist der Besitzer der Forstmaschine, die kürzlich verunstaltet wurde. Schon seit Jahren ist er immer wieder Opfer von Sachbeschädigungen an seinen Maschinen geworden. Die reichten von Erde im Tank bis hin zu durchschnittenen Hydraulikleitungen. Nun, sagt er, habe er Angst, alleine in den Wald zu fahren. Dabei ist der Wald sein Arbeitsplatz. Mit dem Transport von Baumstämmen verdient er sein Geld. Nicht nur ihn, sondern auch viele andere regten die Schmierereien auf.

Schuldige meldeten sich beim Besitzer

Am 21.12.2020 sollen Umweltaktivisten Parolen mit abwaschbarer Kreidefarbe auf die Forstmaschine gesprüht haben. Damit wollten sie gegen das Fällen von Buchen im Steigerwald protestieren. Binder erstattete wegen Sachbeschädigung Anzeige. Die Schuldigen meldeten sich beim ihm. Einer der Umweltaktivisten entfernte den Schriftzug.

Vorwurf der Anstiftung zur Sachbeschädigung

Zu dieser Sachbeschädigung soll Lisa Badum angestiftet haben. Sie ist Bundestagsabgeordnete für Bündnis 90/Die Gründen. Die Interessengemeinschaft "Holzverarbeiter im Steigerwald“ wirft ihr vor, junge Menschen, denen die Natur am Herzen liegt, zu "Verfehlungen zu animieren“. Kurz vor Weihnachten hatte sie mit anderen Umweltaktivisten im Steigerwald mit einer Foto-Aktion gegen die Ernte der Buchen protestiert. Nach Badums Worten habe sie dabei niemanden zu einer derartigen Sachbeschädigung angestiftet.

Fällen der Buchen gefährdet mögliches Weltnaturerbe

Dennoch sei das Fällen der Buchen ein Fehler, betont Badum, denn es gefährde ein mögliches Weltnaturerbe. Die Politikerin sagt: "Der Steigerwald muss eine echte Chance bekommen. Wir brauchen eine Machbarkeitsstudie. Vor allem müssen die Fällungen jetzt aufhören.“

Regionale Holzindustrie braucht die Buchen

Für die Ernte der Bäume sind die Bayerischen Staatsforsten verantwortlich. Ulrich Mergner leitet den zuständigen Forstbetrieb Ebrach. Die entnommenen Stämme seien für die regionale Holzindustrie wichtig, so Mergner. Außerdem erklärte er: "Wir lassen auch ganz viele Bäume stehen und wir haben auch eine Anzahl von Flächen, die wir gar nicht nutzen." Im Steigerwald gebe es genügend Buchen. Gefällte Bäume wachsen nach. Die Bewirtschaftung des bayerischen Staatswalds sei nachhaltig.

Nationalpark würde regionalen Tourismus fördern

Lisa Badum befürchtet aber auch noch, dass durch das Ernten der Buchen eine Voraussetzung für einen zukünftigen Nationalpark zerstört werden könnte. "Ein Nationalpark ist gleichzeitig ein Beitrag zum Artenschutz, Klimaschutz und natürlich für den regionalen Tourismus. Wir werden viel mehr Besucherinnen und Besucher in der Region haben." Das wäre gut für die Gasthöfe und für das Leben auf den Dörfern.

Viele kleine Waldflächen statt Nationalpark

Forstbetriebsleiter Ulrich Mergner hält es für nicht notwendig, im Steigerwald einen Nationalpark zu gründen. "Anstelle eines Nationalparks haben wir das Trittsteinkonzept. Das sind viele kleine Waldflächen, die nicht genutzt werden und nicht direkt zusammenhängen." In ihrer Gesamtheit würde sie eine große ökologische Wirkung entfalten. Die Artenvielfalt nehme dadurch deutlich zu.

Nationalpark soll niemandem schaden

Forstmaschinenführer Christian Binder sieht sich durch die Sachbeschädigungen zwischen den Fronten. Bei der Entscheidung für oder gegen den Nationalpark dürfe es keine Verlierer gibt. Schon gar nicht bei Menschen, die von und mit dem Steigerwald leben.

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