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Schlossfestspiele: Gloria sieht Kritik von Revolverheld gelassen | BR24

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Die Schlossfestspiele in Regensburg, alljährlich ein kultureller Treffpunkt der Region. Am Wochenende war Eröffnung und gestern Abend spielte die Band "Revolverheld". Mit Kritik an der Hausherrin als Zugabe ...

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Schlossfestspiele: Gloria sieht Kritik von Revolverheld gelassen

Gloria von Thurn und Taxis fühlt sich durch die Kritik der Band Revolverheld am Sonntagabend bei den Schlossfestspielen nicht persönlich angegriffen. Die 59-Jährige hat sich im BR-Interview umfassend zu den Vorwürfen geäußert.

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Die Band Revolverheld hat sich am Sonntagabend während ihres Auftritts bei den Regensburger Schlossfestspielen mit der Hausherrin angelegt. Der Sänger Johannes Strate sagte: "Wir spielen hier auf dem Grund einer Frau, mit deren Werten wir überhaupt nicht übereinstimmen."

Beleidigt oder angegriffen fühle sie sich davon nicht, sagte Gloria von Thurn und Taxis im BR-Interview. "Die Jungs sollen ruhig ihre Meinung sagen", so die Regensburgerin. "Wir leben in einer Zeit, wo man öffentlich seine Meinung sagen kann und das steht den Jungs genauso zu." Sie hätte gerne noch mit Revolverheld diskutiert oder einen Drink genommen, dazu kam es aber nicht, so Gloria.

Kritikpunkt: Missbrauch in der Kirche

Einer der Kritikpunkte der in Hamburg gegründeten Band war, dass Gloria den Missbrauch in der katholischen Kirche bagatellisiere. Die 59-Jährige sagte dazu im BR-Interview, natürlich dürfe man die Missbrauchsfälle nicht bagatellisieren, müsse sie schonungslos aufarbeiten.

"Man muss aber auch zur Verteidigung der katholischen Kirche sagen, dass der Hauptort, wo Kindermissbrauch stattfindet, in der Familie ist. Und niemand würde auf die Idee kommen, man müsste jetzt die Familie abschaffen." Gloria von Thurn und Taxis

Auch die Prügelstrafe sei früher ein ganz normales, pädagogisches Mittel gewesen, so die Regensburgerin. Sie sei dagegen, dass man aus der heutigen Perspektive die Vergangenheit kritisiert. "Man muss sich in die damalige Zeit versetzen. Prügelstrafe war nun mal das probate Mittel gegen aufständische Kinder."

Kritikpunkt: Seenotrettung

Auch dem Statement der Band, dass Seenotrettung kein Verbrechen sei, widersprach sie nicht. Sie merkte an, dass man natürlich nicht gegen Seenotrettung sein könne: "Wenn jemand im Schlauchboot ertrinkt, muss man retten." Aber Gloria betonte, es gehöre gestoppt, dass Flüchtlinge von Schleppern abkassiert werden.

"Wir sind alle gegen Schlepper und gegen das Ausnutzen der armen Völker, die sich auf den Weg nach Europa machen, in der Hoffnung, hier ein besseres Leben zu bekommen. Die bekommen ein schreckliches Leben! Brauchen Sie nur zum Bahnhof schauen, die sitzen da rum, haben noch nicht mal eine Arbeit - furchtbar!" Gloria von Thurn und Taxis

Gloria: "Gesellschaft möchte einfache Bilder haben"

Ihrer Ansicht nach würde die Gesellschaft immer kategorisieren: "Jeder möchte nach Hause gehen und sagen: 'Die Fürstin hat Geld und ein Schloss und deswegen muss die per se doof sein!' Aber das ist zu einfach. Jeder, der ein bisschen nachdenkt und differenziert, sagt sich, stimmt das denn wirklich? Wir müssen hinter die Fassade schauen. Aber dazu ist ja gar keine Zeit. Deswegen können wir das den Leuten gar nicht übelnehmen."

Viel Applaus für Strate-Statement

Die Schlossherrin bedankte sich für das Interview und die Gelegenheit sich zu äußern. Revolverheld hatten am Sonntagabend auch die Seenotrettung angesprochen: "Nächstenliebe bedeutet für uns, dass wir Menschen, egal woher sie kommen, welche Herkunft sie haben, welche Hautfarbe sie haben, welcher Religion sie angehören, dass wir sie hier mit offenen Armen empfangen, und nicht elendiglich im Mittelmeer verrecken lassen", so Strate auf der Bühne. Für sein Statement bekam er viel Applaus vom Publikum.