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Im Pressecamp im Schloss Faber-Castell finden jetzt wieder Führungen statt.

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  • Artikel mit Video-Inhalten

Schloss Faber-Castell: Wieder Führungen durch das Pressecamp

Hier wurde im wahrsten Sinne des Wortes Weltgeschichte geschrieben: Während der Nürnberger Prozesse wohnten Journalisten aus aller Welt im Pressecamp im Schloss Faber-Castell. Nun kann die historische Arbeitsstätte der Reporter wieder besucht werden.

Von
Constanze SchulzeConstanze SchulzeHenry LaiHenry Lai
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Die Kriegsverbrecher-Prozesse in Nürnberg, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs abgehalten wurden, interessierten die ganze Welt. Deswegen reisten viele Journalisten an, die während dieser Zeit irgendwo leben und arbeiten mussten. Aber wo?

Nürnberg war nach Kriegsende zerbombt. Hier konnten die Journalisten nicht unterkommen. Die Antwort fand sich im nahen Stein, genauer sagt im Schloss Faber-Castell. Hier lebten und arbeiteten sie während der Kriegsverbrecher-Prozesse.

Nach sechs Jahren wieder begehbar

Nun können die Räume das erste Mal seit 2015 wieder besichtigt werden. In Führungen wird gezeigt und erläutert, wie die Weltpresse auf die Gräuel und Verbrechen der Nationalsozialisten geblickt hat. Und: Wie die Journalisten hier im Schloss Stein ihre Berichte und Artikel geschrieben haben.

Im Medienraum des Schlosses wird außerdem der Dokumentarfilm des Münchener Filmemachers Reiner Holzemer vorgeführt. Der Film zeigt Interviews am Originalschauplatz mit dem Fotografen Ray D‘Addario, der Übersetzerin Simone Herbulot sowie dem damaligen Journalisten und späteren Leiter des Auslands-Nachrichtendienstes der DDR, Markus Wolf.

Bis zu 100 Journalisten im Schloss

Zu den bekanntesten Bewohnern gehörten unter anderem die im Exil lebenden Deutschen wie Alfred Döblin, Willy Brandt und Erich Kästner. Auch John de Passos und der spätere US-Starreporter Walter Cronkite waren zu Gast in Stein, sowie einige sowjetische Reporter, z.B. Boris Polewoi oder der Karikaturist Nikolai Shukow.

Die sowjetischen Reporter übernachteten im ehemaligen Beamtencasino, einem Gebäude neben dem Schloss, das von den Amerikanern "Russian Palace" genannt wurde. Zu den Mahlzeiten und abends in den Bars fanden sich aber die Journalisten aus der ganzen Welt zusammen.

Führungen nur mit Anmeldung möglich

Zuletzt wurden im Schloss Faber-Castell im Jahr 2015 Führungen über das Presse-Camp angeboten. Nach einer langen Pause können Interessierte sich jetzt wieder für Touren im Schloss anmelden. Es wird gezeigt, wie die Reporter damals hier untergebracht wurden und wie sie gearbeitet haben. Die circa eineinhalbstündige Führung durch die historischen Räumlichkeiten illustriert das Leben im Press Camp mit Bild- und Texttafeln. Eine inszenierte Geräuschkulisse macht die Arbeit und das Zusammentreffen der internationalen Journalisten für Besucher akustisch erlebbar. Erwachsene zahlen für die Tour neun Euro.

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Im Frühjahr 1945 wurde das Schloss Faber-Castell in Stein von den Amerikanern zu einer Nachrichtenzentrale umfunktioniert. Führungen im Schloss sollen zeigen, wie Journalisten damals ihre Berichte und Artikel geschrieben haben.

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