BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Schleuserjagd im Raum Passau | BR24

© BR/Martin Gruber
Bildrechte: Bundespolizei Passau

Die Jagd nach Schleusern: Reportage aus Passau

1
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Schleuserjagd im Raum Passau

Die Polizei im Raum Passau macht verstärkt Jagd auf Menschenschmuggler. Der Grund: Schleuser-Aktivitäten haben in den letzten Monaten stark zugenommen. An kleinen und großen Grenzübergängen werden immer wieder Flüchtlinge aufgegriffen.

1
Per Mail sharen
Von
  • Martin Gruber
  • Katharina Häringer

"Syrer bei Untergriesbach aufgegriffen", "Bundespolizei zieht Schleuserfahrzeug aus dem Verkehr", "Schleuser in Regensburg festgenommen" - Schlagzeilen, die in den letzten Wochen immer wieder zu lesen waren. Die Schleuserkriminalität hat zugenommen. Allein im Raum Passau werden derzeit monatlich zwischen 200 und 250 Flüchtlinge aufgegriffen. 60 mutmaßliche Schleuser sind aktuell in U-Haft, weiß Albert Resch, Leiter des Ermittlungsdienstes der Bundespolizei Passau. So viele wie seit 2015 nicht mehr.

Schleuserbanden werden professioneller

Die Ursachen dafür seien schlecht auszumachen. Ereignisse wie der Brand eines Flüchtlingslagers auf Lesbos könnten ein Grund sein, aber sicher nicht alleine. Fest stehe, dass Schleuserorganisationen verstärkt aktiv seien. Und das mit neuen Methoden, erklärt Bundespolizist Resch: "Wir wissen, dass sich unterschiedliche Schleuserbanden, die auf der Balkanroute unterwegs sind, immer mehr vernetzen. Ein Schleuser aus Mazedonien bedient sich schon mal mehrerer Gruppen von Fahrern, um die Migranten nach Westeuropa zu bringen."

© BR/Martin Gruber
Bildrechte: BR/Martin Gruber

Polizisten kontrollieren einen Lkw

Scout-Fahrzeuge erkunden Grenzübergänge

An kleineren Grenzübergängen werden oft sogenannte Scout-Fahrzeuge vorausgeschickt, die erkunden sollen, ob hier gerade Kontrollen gemacht werden. Resch: "Die Schleusernetzwerke agieren professioneller, lernen sich an polizeilichen Ermittlungsmethoden anzupassen." Die Polizei reagiere darauf natürlich - mit erhöhtem Fahndungsdruck und internationaler Zusammenarbeit beispielsweise mit österreichischen Behörden. Wir erkennen mehr Zusammenhänge als noch vor ein paar Jahren, so der der Leiter des Ermittlungsdienstes.

Bundespolizei: "Es gibt nichts, was es nicht gibt"

Auf Routen wie die B12 bei Philippsreut im Landkreis Freyung-Grafenau und auf der A3 bei Passau sind hauptsächlich größere Lkw die Schleuserfahrzeuge. An kleineren Grenzübergängen wie Passau-Achleiten oder Wegscheid werden Flüchtende auch in kleineren Fahrzeugen nach Deutschland gebracht. Nicht selten begeben sie sich dabei in große Gefahr. Jürgen Müller von der Bundespolizeiabteilung Deggendorf ist auch an der A3-Kontrollstelle bei Ruhstorf im Landkreis Passau im Einsatz: "Ob im Kühllaster, ob im offenen Planen-Lkw oder auf Anhängern - wir können nichts ausschließen. Wir finden Flüchtende in allen Behältnissen, unter dem Fahrzeug, auf den Achsen, hinter dem Getriebetunnel. Es gibt nichts, was es nicht gibt."

12.000 Dollar Schleuserlohn

Lukrativ scheint das schmutzige Geschäft mit Migranten nach wie vor zu sein. Die Höhe des Schleuserlohns richtet sich oft nach Route, Gefährlichkeit und Dauer der Reise vom Krisengebiet nach Westeuropa. Im Schnitt zahlt ein Flüchtender seinen Schleusern 12.000 Dollar, so die Bundespolizei.

© BR/Martin Gruber
Bildrechte: BR/Martin Gruber

Ein Polizist kontrolliert die Ladung eines Lkws

© BR
Bildrechte: BR

Menschen sind weiterhin auf der Flucht: Seit einigen Wochen erreichen sie auch wieder Deutschland - oft unter lebensgefährlichen Bedingungen. Die Bundespolizei Passau greift derzeit so viele mutmaßliche Schleuser auf, wie seit 2015 nicht mehr.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!