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Schlesier feiern Jubiläum im Schatten Coronas | BR24

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Vor 75 Jahren kamen mehrere hunderttausend Deutsche aus Schlesien hier an. Einige Jahre später schlossen sie sich in einem Vertriebenenverband zusammen, in der Landsmannschaft Schlesien. In Bayern wurde an die Gründung 1950 erinnert.

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Schlesier feiern Jubiläum im Schatten Coronas

Seit 70 Jahren gibt es die Landsmannschaft der Schlesier in Bayern. Das haben die Heimatvertriebenen nun in München gefeiert. Die Corona-Zeiten erschweren den Heimatvertriebenen und ihren Nachkommen allerdings die Brauchtumspflege.

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Von
  • Julia Ley

Prächtige bunte Trachten mit weißen Schürzen, Tüchern und Hauben haben sie an, die Frauen der schlesischen Landsmannschaft. Und auch die Männer können sich in ihren Samtwesten und bunten Schals durchaus sehen lassen.

"Corona war ein arger Tiefschlag"

Den 70. Jahrestag feiert die Schlesische Landsmannschaft nun im Sudetendeutschen Haus in München. Auf dem Programm stehen Musik, Reden und Tanzeinlagen. Ziel der Landsmannschaft ist es, auch in Bayern das schlesische Brauchtum zu pflegen.

Um genau das zu tun, treffen sich die Mitglieder der Gruppen aus ganz Bayern normalerweise regelmäßig. Doch Corona hat das zuletzt unmöglich gemacht. So sehr, dass sich Christian Kuznik, Landesvorsitzender der Schlesier in Bayern, ernste Sorgen macht, ob man jemals wieder zum Normalzustand zurückkehrt:

"Corona war ein arger Tiefschlag. Ich will hoffen, dass es nicht ein K.o.-Schlag wird, weil tatsächlich viele unserer Mitglieder ja schon fortgeschrittenen Alters sind und die haben dann Angst, sich mit dem Covid-19 anzustecken. Und sie haben jetzt anscheinend die Erfahrung gemacht, wir können auch ein dreiviertel Jahr lang ohne Zusammenkunft auskommen und dann werden sie vielleicht gar nicht mehr besonders wollen." Christian Kuznik, Landesvorsitzender der Schlesier in Bayern

Nicole von Wulfert, Mitglied der Münchner Riesengebirgs-Tanzgruppe, ist fürs erste froh, dass die Schlesier heute überhaupt wieder einmal beisammen sind. "Weil so lange nichts war, freuen wir uns, dass wir wieder loslegen dürfen", sagt sie und: "alle kommen wieder zusammen und wir freuen uns, dass wir unsere schlesischen Volkstänze weiterhin pflegen und auch zeigen können."

Ganz so wie sonst ist es aber nicht. Nicht nur der traditionelle Fahneneinzug musste diesmal abgesagt werden, auch der Tanz war stark eingeschränkt. Einen Reigentanz gibt es diesmal gar nicht, und auch keinen Wechsel bei den Paaren.

Erlebnisgeneration stirbt aus

Sorgen hatten die Schlesier allerdings auch schon vor der Corona-Pandemie. "Wir haben ein demographisches Problem insofern, dass wir tatsächlich sehen, die Erlebnisgeneration von Flucht und Vertreibung stirbt jetzt langsam aus", sagt Stephan Rauhut, Bundesvorstand der Landsmannschaft Schlesien: Die "Erlebnisgeneration" – so nennt man hier die, die noch selbst aus ihrer Heimat vertrieben worden sind. Nach dem Krieg waren das etwa 3,5 Millionen Schlesier. Sie flohen vor den Polen oder vor der Roten Armee. Rund 500.000 Schlesier kamen damals nach Bayern, sie stellten die größte Vertriebenengruppe im Freistaat dar.

Dass gerade junge Menschen davon heute kaum noch etwas wissen, merkt er im Gespräch immer wieder, sagt Bundesvorstand Rauhut. Dabei gehe die schlesische Identität und Kultur alle etwas an: "Deutschland wäre ohne diese Geschichte, ohne diese Kultur nicht denkbar. Deutsche Sprache ist im Osten entstanden, und die Barockdichter Schlesiens haben Sprache ganz besonders beeinflusst."

Politische Aufmerksamkeit

Zumindest an diesem Abend im Sudentendeutschen Haus, kann von mangelnder Aufmerksamkeit aber wohl nicht die Rede sein. Sogar die bayerische Politik ist anwesend: Familienministerin Carolina Trautner hält eine Rede und auch die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Vertriebene und Aussiedler ist da. Insgesamt sei er mit der Unterstützung durch die Politik zufrieden, sagt Rauhut. Bis auf einen Punkt: "Was mich besonders ärgert, ist, dass es in den Schulen so wenig gelehrt wird – oder gar nicht gelehrt wird, muss man inzwischen sagen. Selbst Bayern hat da wirklich Nachholbedarf."

© BR/Julia Ley

Schlesier-Landsmannschaft in traditioneller Tracht.

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