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Zu viel Schnee auf den Schienen: BOB kritisiert Deutsche Bahn.
© Bayerische Oberlandbahn GmbH
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Zu viel Schnee auf den Schienen: BOB kritisiert Deutsche Bahn.

Der Chef der Bayerischen Oberlandbahn, Fabian Amini, macht seinem Ärger Luft: "Es gab schon deutlich heftigere Wintereinbrüche in der Vergangenheit und es konnte trotzdem schnell wieder gefahren werden. Es ist tragisch, wie bei der Deutschen Bahn an der Qualität und Leistung der Schneeräumung auf Kosten unserer Fahrgäste gespart wird. Wir haben einen neuen Tiefpunkt erreicht“, so der Vorsitzende der Geschäftsführung der Bayerischen Oberlandbahn.

Transdev wirft Deutscher Bahn Missmanagement vor

Ein Sprecher von Transdev, der Muttergesellschaft der Bayerischen Oberlandbahn, pflichtete Amini bei. Als Betreiber des Regionalverkehrs sei man auf eine funktionierende Infrastruktur angewiesen.

"Leider war die Deutsche Bahn als Eigentümer dieser Infrastruktur erneut nicht in der Lage, durch vorausschauende Planung und den Einsatz von ausreichend Personal das entstandene Chaos zu verhindern und einen störungsfreien Bahnbetrieb auch unter erschwerten Bedingungen sicherzustellen".

Unter solchem Missmanagement würden nicht nur die Fahrgäste, sondern auch die Bahnbetreiber in Bayern leiden.

Aktuell Züge nur zwischen Holzkirchen und München

Die BOB musste heute morgen gegen 7.00 Uhr ihren Betrieb Richtung Oberland wieder einstellen, weil es aufgrund der Schneemenge zu Weichenstörungen kam. Gestern Abend noch hatte die BOB alle Strecken freigegeben. Laut BOB habe die DB NetzAG inzwischen ein Konzept zu Schneeräumung und Vegetationsrückschnitt für die kommenden Tage entwickelt. Aktuell verkehrt die BOB nur zwischen Holzkirchen und München.

Bahn weist Kritik zurück

Die Deutsche Bahn wehrt sich gegen die Kritik und betont, sie sei mit hunderten Einsatzkräften und schwerem Räumgerät dabei, Bahnstrecken in bayerischen Hochlagen frei zu räumen. Die enormen Mengen an schwerem Neuschnee blockieren Schienen und Weichen. Deshalb sind derzeit Bagger und Radlader im Einsatz, um die Bahnhöfe in Miesbach, Schaftlach und Schliersee samt Gleis- und Bahnsteiganlagen zu räumen und die Schneemassen abzutransportieren. Ziel sei es, heute noch die Infrastruktur soweit vom Schnee zu befreien, dass in den heutigen Nachtstunden Räumfahrten durchgeführt werden können, um ab Donnerstag einen Zugbetrieb zu ermöglichen. Ob dort tatsächlich Bahnverkehr möglich sein wird, hängt von weiteren Schneefällen ab.

"Der ganze Wald auf den Schienen"

Das gab die Bahn am Abend in einer Pressemitteilung bekannt und wehrte sich zugleich gegen Vorwürfe der Bayerischen Regiobahn gegen DB Netz, nicht vorbereitet zu sein und zu wenig für die Räumung der Schienen zu tun. Solche Vorwürfe seien wenig hilfreich, denn es gehe darum, gemeinsam in enger Abstimmung den Bahnbetrieb zu ermöglichen. Ein Sprecher verwies im Gespräch mit dem BR auf gemeinsame Abnahmefahrten mit der Bayerischen Oberlandbahn. Der extrem schwere und "pappige" Schnee türmt sich Meter hoch neben den Gleisen und Weichen, herabfallende Brocken frieren im Nu fest.

Ein sogenannter Turmwagen - das ist ein Spezialwagen der Bahn mit Sägen, Greifern und technischer Ausstattung zur Räumung von Bahnstrecken - habe einen ganzen Tag gebraucht, um sieben Kilometer Strecke durchs Unterholz zwischen Holzkirchen und Miesbach frei zu räumen, weil buchstäblich "auf der ganzen Strecke der Wald auf den Schienen lag", so der Sprecher. Nicht umsonst gelte aufgrund der Schneemassen im Landkreis Miesbach der Katastrophenfall.

Bahn bittet um Verständnis

Nicht befahrbar seien derzeit ausschließlich Strecken in Hochlagen, ein Bruchteil des Bayerischen Netzes, wie die Bahn betont. Es gelte jetzt "gemeinsam mit allen Beteiligten die angespannte Situation partnerschaftlich und für den Fahrgast zu meistern" heißt es in der Mitteilung wörtlich. Die Bayerische Oberlandbahn habe in früheren Jahren selbst über Schneepflüge verfügt, so der Bahnsprecher.

Von den Sperrungen waren am Mittwochabend betroffen:

"Zwieseler Spinne" / Regionalstrecken im Bayerischen Wald: Derzeit ist kein Zugbetrieb auf den Strecken Zwiesel - Bayerisch Eisenstein sowie Zwiesel - Bodenmais möglich. Ziel ist, dass der Betrieb am Donnerstag zum Betriebsstart wieder aufgenommen wird.

Oberland: Die Bayerische Oberlandbahn hat den Zugbetrieb von Holzkirchen nach Schliersee-Bayrischzell sowie nach Lenggries-/ Tegernsee eingestellt.

Am Mittwochabend war die Deutsche abhn immer noch dabei, mit schwerem Gerät, darunter Baggern und Radladern, die Bahnhöfe in Miesbach, Schaftlach und Schliersee zu räumen und die Schneemassen abzutransportieren. Die Räumfahrten sollten auch noch in der Nacht durchgeführt werden, um ab morgen wieder einen Zugbetrieb zu ermöglichen.

Allgäu: Zwischen Oberstdorf und Immenstadt muss die Bergstrecke mit einem eigens hinzu gerufenen Schneepflug geräumt werden. Vermutlich den ganzen Tag über wird hier ein Busnotverkehr eingerichtet. Auch im Bereich Kempten - Pfronten - Reutte ist aktuell kein Zugverkehr möglich.

Berchtesgadener Land: Nach wie vor kann wegen Schneebruch an der Oberleitungsanlage zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden (BerchtesgadenerLandBahn) kein Zug fahren.

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Züge stehen im verschneiten Bahnhof

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