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Eine junge Frau lässt sich von einer Heilpraktikerin Schlangengift gegen ihre Krebskrankheit geben. Die Patientin, Mutter eines kleinen Sohnes, stirbt wenig später. Wer hat Schuld? Jetzt hat das Oberlandesgericht München geurteilt.

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Schlangengift statt Chemotherapie: Heilpraktikerin muss zahlen

Eine junge Frau lässt sich von einer Heilpraktikerin Schlangengift gegen ihre Krebskrankheit geben. Die Patientin, Mutter eines kleinen Sohnes, stirbt wenig später. Wer hat Schuld? Jetzt hat das Oberlandesgericht München geurteilt.

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Von
  • Konstantin König
  • BR24 Redaktion

Eine Heilpraktikerin aus Passau muss einem fünf Jahre alten Jungen 30.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das hat das Oberlandesgericht München (OLG) heute entschieden.

Schlangengift statt Chemotherapie

Die Heilpraktikerin hatte die krebskranke Mutter des Jungen behandelt. Die Frau hatte daraufhin die konventionelle Chemotherapie abgesetzt und stattdessen Kapseln mit Schlangengift eingenommen. Kurz darauf starb die junge Mutter, der Vater klagte für seinen Sohn.

Richter sprechen von Behandlungsfehler

Die Richter am OLG beurteilten das Vorgehen der Heilpraktikerin als einen Behandlungsfehler. Sie hätte der Frau zwar nicht aktiv zum Abbruch der Strahlentherapie geraten, sie aber auch nicht entscheidend davon abgehalten, obwohl dies für die Erkrankte als "Todesurteil" gleichzusetzen war, so die Erklärung. Eine umfängliche medizinische Aufklärung hatte somit nicht stattgefunden, die Patientin wurde nicht genug auf die Risiken hingewiesen.

Strahlentherapie hätte gute Chancen gehabt

Ein Sachverständiger hatte ausgesagt, dass die Mutter bei einer fortgesetzten Strahlenbehandlung gute Überlebenschancen gehabt hätte. Neben den 30.000 Euro Schmerzensgeld plus Zinsen muss die verurteilte Heilpraktikerin rund 7.000 Euro für einen entstandenen Unterhaltsschaden an den Jungen zahlen. Eine Revision ließ das Oberlandesgericht nicht zu.

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