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Der Schlackenberg aus der Luft

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Schlackenberg Maxhütte: Vom Gifthügel zum Naherholungsgebiet

Ein bedrohliches Reststoffgebirge war der Schlackenberg von Sulzbach-Rosenberg, bis 2005 damit begonnen wurde, die Altlasten aus der Stahlproduktion der Maxhütte zu beheben. Über 100 Jahre lang waren dort gefährliche Substanzen abgelagert worden.

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Von
  • Beatrix Ziegler

Heute ist sie Industriedenkmal in Sulzbach-Rosenberg im Landkreis Amberg-Sulzbach: die Maxhütte, 1863 gegründet und benannt nach dem bayerischen König Maximilian II. Joseph. Sie war einst die größte Hütte Süddeutschlands, ein traditionsreiches Stahlwerk mit über 9.000 Beschäftigten.

Vor allem Eisenbahnschienen wurden hier produziert, gingen in alle Welt, bis sich beginnend mit der Schwerindustriekrise der 1970er Jahre der Niedergang des Werkes anbahnte. Trotz wiederholter Umstrukturierungen rauchte im Jahre 2002 kein Schlot mehr, das Aus am Hochofen ein herber Schlag für die Region.

Der Schlackenberg als giftiges Erbe

Zugleich wurde ein Problem offensichtlich: Zehn Millionen Tonnen Abfall waren in über 100 Jahren Betrieb angefallen. Was heute als Wertstoff beim Straßen- und Wegebau oder als Treibstoff fast komplett wiederverarbeitet wird - nämlich die bei der Verhüttung anfallende Schlacke, die mit 1.400 Grad Celsius in Abkühlbeete fließt - landete auf einem Berg auf einem 32 Hektar großen Areal.

55 Meter hoch ist der Schlackenhügel, ein giftiges Erbe. Niemand weiß genau, was alles abgelagert wurde. Aber schnell stand fest, dass es unter anderem gefährliche Schwermetalle waren - insgesamt ein Mix aus Chrom, Blei, Öl, Teer, Schwefel, Soda und Arsen, was ein wirtschaftliches und ein politisches Problem darstellte. Die größte Altlast Bayerns.

Die Lösung: Eine millionenteure Entgiftung

Der Rückbau von einem Drittel bis zu drei Vierteln der Fläche, also bis zu 25 Hektar, wurde diskutiert, aber es stellte sich die Frage: Wohin mit 4,5 Millionen Kubikmetern Material? Und wer bezahlt? Und wem gehört der Berg? Dem Freistaat oder der neuen Maxhütte GmbH? Die Aufsichtsbehörde ist die Regierung der Oberpfalz.

Der Hügel musste entgiftet und saniert werden, um sein Abrutschen, um Staubentwicklung und durch Regen ausgelöste Auswaschungen von Problemstoffen ins Grundwasser zu verhindern. Gigantische Erdbewegungen waren dazu erforderlich, 57 Millionen Euro wurden über Jahre vom Freistaat dafür freigestellt.

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Die Sandheuschrecke hat auf dem Hügel ein Zuhause gefunden.

Heute ein Naturparadies

Die Arbeit hatte Erfolg: Seltene Tiere und Pflanzen haben inzwischen auf dem Trockenstandort ein Zuhause gefunden. Zum Beispiel Insekten wie die Sandheuschrecke, die blauflügelige Ödlandschrecke, der Schwalbenschwanz, der Schachbrettfalter und viele mehr. Unter den Vögeln sind es vor allem die Lerche, der Flussregenpfeifer oder das Braunkehlchen, die das Herz der Naturschützer höher schlagen lassen. Ein Naherholungsgebiet ist so entstanden, auf das die gesamte Region stolz sein kann.

Beendet sind die Arbeiten am Schlackenberg aber nicht. Die Sanierung und die Instandhaltung der Anlage verschlingen eine Million Euro pro Jahr.

Nebeneinander von Mensch und Natur

Die Artenvielfalt von Flora und Fauna hat Gründe: Auf "sanften Tourismus" setzen die Betreiber, das heißt, es gilt ein strenges Wegegebot auf den insgesamt vier Kilometern Wanderpfaden, das wird auch kontrolliert. Die Tiere haben sich an die Menschen gewöhnt und Pflanzen wie Wundklee, Mauerpfeffer, Salbei und Nelke werden nicht zertrampelt. Und auch die Menschen der Umgebung mögen den Berg, der früher eine Abfallhalde war - und auch die Aussicht, die man von dort hat.

Während der Corona-Pandemie war der grüne Hügel monatelang geschlossen. Im Juli wird der Schlackenberg aber voraussichtlich wieder für die Bevölkerung geöffnet.

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Der Schlackenberg von Sulzbach-Rosenberg war über 100 Jahre lang ein Mix aus gefährlichen Substanzen, aus Öl und Schwefel, Blei und Chrom, bis man begann, die Altlasten der Maxhütte zu beseitigen. Heute ist er ein Naherholungsgebiet mit Wanderwegen.

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