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Schlachthöfe: Schwäbische Abgeordnete zu Werkverträgen | BR24

© Bayerischer Rundfunk 2020

Arbeiter in einem Schlachthof

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    Schlachthöfe: Schwäbische Abgeordnete zu Werkverträgen

    Volker Ullrich, Vorsitzender der Christlich-Sozialen Arbeitnehmerunion (CSA), fordert jetzt ein Zurückdrängen der Werkverträge in der Fleischindustrie. Susanne Ferschl von "Die Linke" will sogar ein komplettes Verbot von Werkverträgen.

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    Die Infektionsherde an einigen Betrieben hätten gezeigt, dass Handlungsbedarf bestehe, so Ullrich im Gespräch mit dem BR-Studio Schwaben. "Wir müssen die Landwirte besser bezahlen. Wir brauchen bessere und fairere Bedingungen für die Erzeuger. Wir brauchen Verbesserungen beim Tierwohl und natürlich auch Verbesserungen bei der Situation für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer", sagte Ullrich.

    Viele hundert Euro für ein Acht-Bettzimmer

    Nun brauche es eine gesetzliche Handhabe, um die Situation zu verbessern. Dazu gehöre eine bessere Kontrolle der Arbeitszeit. "Wir brauchen ein Zurückdrängen der Werkverträge. Wir müssen uns auch ein Stück weit kümmern um die Unterkunftssituation der Arbeitnehmer", sagte Ullrich. Es könne nicht sein, dass hier für viele hundert Euro auch noch Acht-Bettzimmer vermietet werden mit schlechten hygienischen Zuständen.

    Werkverträge an Bedingungen knüpfen

    Der Bundestagsabgeordnete setzt darauf, dass es in Berlin zu einer einvernehmlichen Lösung kommen werde. "Klar ist, dass wohl ein komplettes Verbot von Werkverträgen gegen die grundgesetzliche Berufsfreiheit verstoßen würde. Aber wir können Werkverträge noch viel stärker an Bedingungen knüpfen. An Kontingente, auch an die Frage des Nachweises der Notwendigkeit von Werkverträgen. Es kann nicht sein, dass in den Schlachthöfen die grundlegenden zentralen Elemente der Tätigkeit - nämlich das Schlachten und Zerlegen - von Werkunternehmern unternommen wird, während die eigentliche Stammbelegschaft irgendwo außen sitzt." Es müsse das Regel-Ausnahme-Verhältnis umgekehrt werden, so Ullrich.

    Linke für Verbot von Werkverträgen

    Die schwäbische Bundestagsabgeordnete Susanne Ferschl (Die Linke) fordert angesichts der mit Corona infizierten Schlachthofmitarbeiter ein Verbot von Werkverträgen. Die "verheerenden Zustände" in den Schlachthöfen seien seit langem bekannt. Die osteuropäischen Mitarbeiter würden schon seit langem "extrem" ausgebeutet, sagte Ferschl dem BR.

    Arbeit an undurchsichtige "Sub-Sub-Unternehmer" ausgelagert

    Ferschl, die selbst lange in der Lebensmittelindustrie gearbeitet hat, sagte auf Anfrage des BR, dass jetzt aufgrund der hohen Infektionszahlen in den Fleischbetrieben ganze Lockerungsmaßnahmen in den Landkreisen nicht möglich seien oder neue Auflagen verhängt werden müssten. "Wir brauchen schnellstmöglich ein Verbot von Werkverträgen", weil sonst Arbeit an "undurchsichtige Sub-Sub-Unternehmer" ausgelagert werde, sagte die Ostallgäuerin dem BR.

    Mehr Kontrollen durch die Behörden

    Die Regierung müsse auch dafür sorgen, dass die Behörden für den Arbeitsschutz finanziell und personell gestärkt werden. Nur dann könnten mehr Kontrollen stattfinden, was zwingend notwendig sei. Diese seien in den vergangenen Jahren stark zurückgefahren worden, so die schwäbische Abgeordnete. "Arbeitsschutzmaßnahmen ohne Kontrollen aber laufen ins Leere", so Ferschl.