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Schausteller kämpfen mit "Mini-Kerwa" um ihre Existenz | BR24

© BR/Tobias Burkert

Schausteller Raimund Krug steht mit seinem Wagen vor der St. Johannis-Apotheke statt auf dem Bayreuther Volksfest

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    Schausteller kämpfen mit "Mini-Kerwa" um ihre Existenz

    Die Kirchweihen im Frühling und Sommer sind alle wegen Corona abgesagt. Für die Schausteller ist das ein Desaster. Durch „Mini-Kerwas“ können zumindest einige von ihnen ihre Verluste etwas kompensieren.

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    Raimund Krug ist Schausteller aus Leidenschaft, und das schon in sechster Generation. Derzeit steht er mit seinem Mandelwagen im Nürnberger Stadtteil St. Johannis direkt vor einer Apotheke und einem Supermarkt. Dort kommt viel Laufkundschaft vorbei. Der Standort ist super, so Krug, aber mit einer traditionellen Kirchweih sei diese Überbrückungsmöglichkeit natürlich nicht zu vergleichen. Es reiche gerade dafür, einen Teil der Lebenshaltungskosten zu decken.

    Vor der St. Johannis-Apotheke statt auf dem Pfingstvolksfest in Bayreuth

    Normalweise steht die Süßwaren-Bude von Raimund Krug Anfang Juni auf dem Pfingstvolksfest in Bayreuth. Das findet natürlich wegen Corona nicht statt. Krug ist deshalb froh, in St. Johannis wenigstens ein bisschen Kirchweihflair in den Stadtteil bringen zu können.

    Vesper-Carré auf der "Fürther Freiheit"

    Auch auf der Kleinen Fürther Freiheit liegt zumindest ein wenig Kirchweihduft in der Luft. Im 14-tägigen Wechsel dürfen sich Schausteller hier kulinarisch ein Zubrot verdienen. Den Stellplatz gibt es quasi umsonst von der Stadt, nur die Betriebskosten müssen die Betreiber selbst tragen. Das ist eine ganz gute Möglichkeit, findet Crepes-Verkäufer Michael Drliczek. Er hat seinen Wagen erst im Dezember teuer renoviert und ist froh, dass er wenigstens hier jetzt zum Einsatz kommt.

    Schausteller brauchen Rettungsschirm

    Ohne weitere, staatliche Unterstützung werden viele Schausteller-Betriebe nicht überleben können, befürchtet Barbara Lauterbach vom Süddeutschen Schaustellerverband. Sie ist im beständigen Austausch mit vielen Schaustellern und kennt deren Existenzängste. Es brauche einen Rettungsschirm für die ganze Branche, und den möglichst bald. Schließlich fielen für die Schausteller neben den vielen kleinen Kirchweihen auch große, umsatzstarke Veranstaltungen weg, wie etwa die Erlanger Bergkirchweih.

    Schausteller hoffen auf Kirchweihen im Herbst

    Ob diese Hilfe je kommt, steht allerdings derzeit noch in den Sternen. Soforthilfen sind zwar teilweise geflossen, davon konnten sich Schausteller aber nicht lang über Wasser halten. Vielleicht klappt es ja im Herbst wieder mit Volksfesten und Kirchweihen, das zumindest ist die Hoffnung von Schaustellern wie Raimund Krug und Michael Drliczek. Sonst steht es um das Kulturgut Kirchweih in Franken mit seinen vielfältigen Traditionen schlecht. Die Fürther Michaelis-Kirchweih etwa, die am 29. September beginnen soll, ist noch nicht abgesagt.

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