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So sehen die Planungen für die Schaubackstube aus, über die die Bürger abstimmen dürfen.

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    Schaubackstube und Regionalmarkt? Bürgerentscheid in Frasdorf

    In Frasdorf im Chiemgau sollen am Ortsrand eine Bäckerei mit Café und ein Regionalmarkt entstehen. Eine Bürgerinitiative will das Bauvorhaben am Anger verhindern. Die Corona-Pandemie erschwert dabei den Informationsaustausch.

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    • Dagmar Bohrer-Glas

    Christina Fricke und Dirk Köberle stehen am Ortsrand von Frasdorf an einem Hang gleich gegenüber der Autobahnausfahrt. Sie schauen hinauf auf die Wiese, dahinter thront die Kampenwand. Die beiden sind von der Bürgerinitiative "Frasdorfer Anger" und wollen eine Bebauung dieses Hanges verhindern.

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    Die Vertreter der Frasdorfer Bürgerinitiative - Christina Fricke und Dirk Köberle.

    Landschaftsprägender Höhenrücken

    Der Bürgerinitiative "Frasdorfer Anger" geht es zum einen um das Landschaftsbild. Der Höhenrücken des Moränenhügels am Ortsrand sei landschaftsprägend und charakteristisch für Frasdorf. Eine Bebauung hier halten sie für fatal, auch wenn die Gemeinde eine landschaftsschonende Bebauung verlange. Die Bürgerinitiative sieht in dem Bauvorhaben einen Flächenfraß und hält die bislang vorgelegte Planung für nicht ausreichend, um sich vollends einen Eindruck verschaffen zu können.

    Mehr Verkehr wird befürchtet

    Die neue Bäckerei mit Schaubackstube werde wohl viele Besucher anlocken - nicht nur Frasdorfer, sondern auch Reisende von der Autobahn und Tagestouristen, befürchtet die Bürgerinitiative. Es sei nicht diese Art von Dorfcafé, die man sich für die Entwicklung des Ortes wünschen würde, meint Sprecherin Christina Fricke. Sie befürchtet vielmehr eine Art Raststätte aufgrund der Autobahnnähe. Und seien einmal Betriebe angesiedelt, würden wohl weitere nachkommen. Man sehe also die potentielle Gefahr einer Schlüsselerschließung, führt die Gegnerin des Projekts aus.

    Streitpunkt Dimension

    Von einer Art Raststätte könne überhaupt keine Rede sein, betont dagegen Bäcker Manfred Miedl. Der Supermarkt im Ort habe mehr Parkplätze als die geplante Bäckerei. Man sei keine Raststätte, sondern eine Konditorei und Bäckerei in vierter Generation und seit Jahrhunderten und das wolle man auch bleiben. Die Bürgerinitiative bemängelt, das auf den Plänen die Parkplatzsituation stets außen vor gelassen werde, man bekomme immer nur die "Sahneseite" der Planung zu sehen. Das Ehepaar Miedl kann die Argumente der Gegner nicht nachvollziehen. Man wolle ein Café für die Frasdorfer errichten, ein Schmuckstück. In einer gläsernen Backstube sollen die Besucher den Bäckern und Konditoren über die Schulter schauen können. Draußen im Außenbereich ist ein Brot-Lehrpfad geplant. Bei der Größe des Cafés mit 200 Sitzplätzen orientiere man sich an den Erfahrungen der anderen Miedl-Standorte im Chiemgau.

    Gegenargumente seien zermürbend

    Bereits seit sieben Jahren laufen die Bemühungen der Bäckerei Miedl in Sachen Ansiedlung am Frasdorfer Anger. Das Projekt sei gemeinsam mit der Verwaltung und dem Gemeinderat geplant worden, zermürbend seien die Gegenargumente jetzt zum Schluss, findet Manfred Miedl. Das Bauleitverfahren und Gutachten zu den Themen Boden, Wasser und Lärmschutz hätten ergeben, dass dieser Standort für das Bauvorhaben ideal sei, so Angelika Miedl.

    Regionalmarkt geplant

    Unterhalb des Cafés der Bäckerei Miedl will die Frasdorfer Käserei Anderlbauer einen Regionalmarkt errichten. Dort soll unter anderem der jetzige Hofladen unterkommen. Die Söhne seien in den Betrieb eingestiegen, es gehe also weiter, sagt Chef Johann Huber. Die anstehende Erweiterung der A8, die direkt an den Betrieb des Anderlbauern grenzt, wolle man ins Positive verkehren und sich eine Scheibe abschneiden von dem täglichen Verkehr, der an Frasdorf vorbeirausche. Bauen will Johann Huber den Regionalmarkt allerdings erst, wenn der geplante große Frasdorfer Kreisel im Zuge der A 8-Erweiterung kommt.

    Corona erschwert den Informationsaustausch

    Ein Gespräch zwischen den Bauwerbern und der Bürgerinitiative hat es scheinbar nicht gegeben. Zudem erschwere Corona den Informationsaustausch, bestätigt Frasdorfs Bürgermeister Daniel Mair. Weder eine Bürgerversammlung noch Infostände seien erlaubt und das sei für beide Seiten von Nachteil, findet der Bürgermeister. Er begrüßt es allerdings, dass die Frasdorfer selbst über die Entwicklung ihres Ortes entscheiden können. Der Bürgerentscheid findet am Sonntag, den 16. Mai statt. Die Briefwahlunterlagen werden demnächst verschickt.

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