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Scharfe Kritik an vorgezogenen Weihnachtsferien in Bayern.

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Scharfe Kritik an vorgezogenen Weihnachtsferien in Bayern

"Planungschaos", "Symbolpolitik auf dem Rücken der Kinder": Der frühere Start der bayerischen Weihnachtsferien stößt bei Teilen der Elternschaft und der Lehrer auf Kritik. Kultusminister Piazolo verspricht eine Notbetreuung - Details nennt er nicht.

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Von
  • Petr Jerabek
  • Daniel Knopp

Mit einem früheren Start der bayerischen Weihnachtsferien will die Staatsregierung in der Corona-Krise zu einer Reduzierung der Kontakte und damit auch der Infektionsgefahr beitragen. Die Ankündigung des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) stößt aber bei Teilen der Eltern und Lehrer auf Kritik.

Söder hatte am Morgen dem BR gesagt, dass die Ferien statt am 23. schon am 21. Dezember starten sollen. Der letzte Schultag vor Weihnachten wird damit schon Freitag, der 18. Dezember, sein.

BLLV fordert Konzept für Notbetreuung

Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann, betonte im BR, man müsse gut überlegen, "was diese zwei Tage jetzt auslösen". Denn es gehe nun um die Frage, wer die Kinder an den beiden zusätzlichen Ferientagen betreuen werde. "Es wird um die Notbetreuung gehen, weil Eltern jetzt nicht mehr genug Urlaub haben." Jetzt müsse man erst einmal schauen, "wie das mit der Notbetreuung vor Ort funktionieren kann".

"Hektisches Herumdoktern an Ferienzeiten"

Zuvor hatte schon der Deutsche Philologenverband Überlegungen mehrerer Bundesländer, die Ferien vorzuziehen, kritisiert und ein "Planungschaos" beklagt. Lehrerinnen und Lehrer wollten ihren Unterricht vernünftig planen, sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Lin-Klitzing dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Unter kurzfristigen Ferienverlängerungen hätten im Zweifel insbesondere diejenigen zu leiden, die bald Abitur machen oder bei denen andere Prüfungen anstehen." Statt eines hektischen Herumdokterns an den Ferienzeiten brauche es vielmehr Reihentestungen zum Schulbeginn im neuen Jahr - also freiwillige Corona-Tests für alle Schüler und Lehrer.

Auch der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, Michael Schwägerl, äußerte sich kritisch. Die Betreuung der Schülerinnen und Schüler sei in manchen Familien nicht einfach. "Fraglich ist, ob die zwei Tage die Pandemie überhaupt eindämmen können." Entscheidend sei dabei die Frage, ob die Maßnahme nicht konterkariert werde "durch sorgloses Freizeitverhalten der Schülerinnen und Schüler". An manchen Schulen sei die Ferienverlängerung auch organisatorisch nicht gerade einfach, erläuterte Schwägerl. An vielen Gymnasien müssten beispielsweise auch Klausuren verschoben werden.

Söder hofft auf unbeschwerteres Weihnachtsfest

Sowohl Ministerpräsident Söder als auch Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) versprechen sich vom früheren Ferienbeginn, dass dadurch die Gefahr einer Ausbreitung von Corona bei Weihnachtsfeiern im erweiterten Familienkreis gesenkt wird. Söder sagte dem BR, durch den vergrößerten Abstand zwischen Unterricht und Weihnachten werde das Infektionsrisiko erheblich gesenkt. "Damit verbessern wir die Möglichkeiten, dass die Familien in Bayern das wichtigste Fest des Jahres gesund und unbeschwerter feiern können."

© Ministerpräsident Söder
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Ein Lob and die Schüler und die Erklärung, dass der Winterurlaub diesmal anders sein wird - das hat Ministerpräsident Söder zu den vorgezogenen Weihnachtsferien zu sagen.

Elterninitiative: "Worte klingen wie Hohn"

Die Initiative "Familien in der Krise" kritisierte Söders Aussage scharf: "Für viele Familien, die nach Schulschließungen, monatelangem Wechselunterricht und Sommerferien keine Resturlaubstage mehr haben, klingen diese Worte wie Hohn." Statt sich über Unbeschwertheit freuen zu können, stünden viele Familie erneut vor der Aufgabe, die Betreuung irgendwie zu organisieren, "im Notfall mit den Großeltern".

Die Initiative warf der Staatsregierung vor, "auf dem Rücken der Kinder Symbolpolitik ohne wissenschaftliche Grundlage" zu betreiben. Um das Infektionsrisiko erheblich zu reduzieren, müssten sich in erster Linie Erwachsene isolieren und Kontakte im privaten und beruflichen Umfeld reduzieren. Deutlich mehr als Schulschließungen vor Weihnachten könne eine verstärkte Nutzung von Homeoffice zur Eindämmung der Pandemie beitragen.

Elternverband: Kinderbetreuung kann zum Problem werden

Auch der Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbands, Martin Löwe, hält wenig von der Verlängerung der Weihnachtsferien. Denn für manche Eltern könne die Kinderbetreuung zu einem Problem werden. "Es ist doch klar: Bei vielen Eltern sind die Urlaubstage bereits verbraucht." Jetzt müssten die Eltern für ihre Kinder eine neue Betreuungsmöglichkeit organisieren.

Kein Verständnis hat er dafür, dass an den beiden Schultagen kein digitaler Unterricht angeboten wird. Das einzig Positive sei, dass die Staatsregierung die Eltern dieses Mal rechtzeitig informiert habe "und nicht wenige Tage vor Beginn der Maßnahme".

Piazolo verspricht Notbetreuung

Kultusminister Piazolo stellte indessen eine Notbetreuung für die beiden zusätzlichen Ferientage in Aussicht, konnte aber zunächst noch nicht sagen, für wen das Angebot gelten wird. Wie die Notbetreuung konkret aussehen werde, müsse in den nächsten Tagen noch geklärt werden, sagte er in München. Geplant sei unter anderem, dass die Lehrerinnen und Lehrer an den zusätzlichen Ferientagen im Dienst sein werden und damit dafür zur Verfügung stehen.

Minister warnt Schüler vor Einkaufsbummel

Piazolo betonte an die Adresse der Schüler, es gehe nicht darum, mehr Ferien zu haben, sondern um die Reduzierung von Kontakten. Daher mahnte er die Schüler, die beiden zusätzlichen freien Tage nicht dafür zu nutzen, "um jetzt in der Fußgängerzone irgendwie einkaufen zu gehen". Wenn sie Weihnachten beispielsweise mit ihrem Großeltern feiern wollten, sollten sie sich selbst "Kontaktbeschränkungen auferlegen".

Lob für früheren Ferienstart aus der Opposition

Der bayerische FDP-Fraktionschef Martin Hagen twitterte, er finde den früheren Ferienstart gut, "sofern es Notbetreuung für Berufstätige gibt". Allerdings dürfe "unser Horizont nicht an Weihnachten enden": Nötig sei eine Strategie, die bis zum Frühjahr trage. Die FDP-Bundestagsfraktion dagegen äußerte sich kritisch zum früheren Ferienstart: "Verlängerte Weihnachtsferien? Danach möglicherweise doch der Schul-Lockdown? Nicht mit uns!" Die FDP wolle die Schulen offen halten.

Die SPD-Landtagsabgeordneten Margit Wild sprach von einer guten Entscheidung. "Damit haben jetzt auch alle Planungssicherheit und können sich vorbereiten. Das ist wichtig!"

© Kultusminister Piazolo
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Zwei Tage früher in die Weihnachtsferien - das kann in vielen Familien auch die ausgeklügelte Betreuungsplanung durcheinander bringen. Kultusminister Piazolo verspricht eine Notbetreuung.

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