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Scharfe Kritik am Lebensmitteleinzelhandel | BR24

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Die Lage in der Landwirtschaft spitzt sich weiter zu. Viele Preise sind im Keller - auch in Folge der Corona-Krise. Die Supermarktketten liefern sich einen knallharten Preiskampf. Wie stoppen wir das Sterben der Bauernhöfe in Bayern?

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Scharfe Kritik am Lebensmitteleinzelhandel

Drohungen, Preisdumping, unfaire Bedingungen - die Liste der Vorwürfe gegenüber den Supermarktketten ist lang. In der Münchner Runde kritisierten Politiker und Landwirte die Methoden der Handelskonzerne. Wer stoppt den Preiskampf zulasten der Bauern?

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Von
  • Cosima Weiske

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Max Straubinger übt scharfe Kritik am Lebensmittelhandel. Der Preisdruck auf die Erzeuger, habe nichts mehr mit Fairness zu tun, sagte er am Mittwochabend in der Münchner Runde im BR Fernsehen. Der Markt arbeite Straubinger zufolge mit Drohungen.

Handel droht den Landwirten

Wenn die Erzeuger die Preisbedingungen der Supermarktketten nicht annehmen, so Straubinger, dann drohe der Handel damit, dass die Erzeuger mit ihren Waren ausgelistet werden. Straubinger: "Dann bist du halt nicht mehr am Markt." Dies habe mit Fairness nichts mehr zu tun, so der CSU-Politiker, der Mitglied des Bundestagsauschusses für Ernährung und Landwirtschaft ist.

Lebensmittelverband weist Kritik zurück

Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbands Deutschland, weist Kritik an den Handelspraktiken der Unternehmen zurück. Die Preisgestaltung sei sehr wichtig, denn schon bei drei Cent Preisunterschied zur Konkurrenz verliere der Kunde die Treue zu seinem Supermarkt, so Minhoff.

Die stellvertretende Landesvorsitzende der ÖDP, Agnes Becker, sieht die Regierung in der Pflicht. Die Große Koalition müsse endlich regulierend eingreifen und die Handelsunternehmen notfalls zu einem fairen Verhalten zwingen, beispielweise mit Mindestpreisen für Fleischwaren. Becker fordert darüber hinaus eine andere Subventionspolitik. Fördergelder müssten künftig nach Tierschutz- und Umweltstandards verteilt werden.

Verbraucher verlieren den Überblick

Der CSU-Politiker Max Straubinger schlug in der Sendung zudem einheitliche Standards für den Lebensmittelhandel in der EU vor. Denn derzeit verliere der Verbraucher im Supermarkt schnell den Überblick, was die Kennzeichnung von Lebensmitteln hinsichtlich Herkunft und Tierhaltung angehe. Oft haben Kunden im Laden kaum eine Chance, anhand der Herstellerangaben zu erfahren, ob die Ware in Bayern oder Deutschland hergestellt wurde.

Nicht nur Ware aus der Region ist gut

"Ich warne davor, in Essensnationalismus zu verfallen", sagte der Vertreter des Handels Christoph Minhoff. Denn nicht nur das, was hierzulande produziert werde, sei gute Ware. Anderen EU-Ländern zu unterstellen, sie würden schlechter produzieren als die Firmen in Deutschland, sei eine sehr gewagte These, so Minhoff.

Landwirt fordert höhere Preise

Der oberfränkische Landwirt Andreas Wolfrum betonte in der Münchner Runde, dass sich die Auflagen für die Bauern europaweit durchaus unterscheiden würden. Wenn er in Bayern mehr leiste, so der Landwirt, dann müsse er auch dementsprechend höher bezahlt werden.

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