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Der Tourismusverband Franken hat seine neue Broschüre mit dem Titel "Schalom Franken" präsentiert. Anlässlich des Jubiläumsjahrs zu "1.700 Jahre jüdisches Leben in Franken" sollen Begegnungen mit der jüdischen Kultur in den Fokus rücken.

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Schalom Franken: Reise-Broschüre macht jüdische Kultur erlebbar

Der Fränkische Tourismusverband hat seine Broschüre mit dem Titel "Schalom Franken! Begegnungen mit der jüdischen Kultur" präsentiert. Sie soll das jüdische Leben in Franken erlebbar machen und als Wissensvermittlung gegen Judenhass dienen.

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Von
  • Nicolas Eberlein

Anlässlich des Jubiläumsjahrs zu 1.700 Jahren jüdisches Leben in Deutschland will die Broschüre des Fränkischen Tourismusverbands Begegnungen mit der jüdischen Kultur in den Fokus rücken, so der Verbandsvorsitze Gerhard Wägemann.

Antisemitische Vorurteile durch Begegnung abbauen

Dabei gehe es nicht nur um die Vorstellung kultureller Veranstaltungen und Orte, sondern die Geschichte des Judentums in Franken solle eingebunden werden in einen größeren Zusammenhang. Laut Wägemann wissen viele Menschen über die Schoa – die jüdische Bezeichnung für den Holocaust – und das Judentum im nationalsozialistischen Deutschland Bescheid. Wenige wüssten allerdings um jüdische Bräuche und den jüdischen Alltag. Dazu biete die 152-seitige Broschüre jeweils einen konkreten Tipp.

Laut Wägemann habe bisher eine gesamtfränkische Darstellung dazu gefehlt. Er verstehe die Broschüre als "leicht verständlichen Wegweiser", auch wenn sie keinen Anspruch auf Vollständigkeit liefern könne. Dafür gebe es in Franken zu viele Einflüsse jüdischen Lebens.

Für den Tourismusverbandsvorsitzenden setzt die Broschüre aber vor allem auch ein Zeichen gegen Antisemitismus und soll helfen, durch die Begegnung mit der jüdischen Kultur Vorurteile abzubauen.

Spaenle: Broschüre ist "Akt des politischen Bekenntnis"

Der bayerische Antisemitismus-Beauftragte Ludwig Spaenle nannte bei der Vorstellung die Broschüre einen "Akt politischen Bekenntnisses" und einen "strategischen Ansatz" Judenhass zu bekämpfen. Wissensvermittlung sei bei diesem Kampf ein wichtiges Instrument, so Spaenle. Gleichzeitig lobte er die Broschüre dabei "besser als viele Schulbücher" zu sein.

Schuster: "Judentum gehört zu Franken"

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, stimmte dem zu und hob den leichten Zugang der Broschüre hervor, der ansprechender sei als Geschichtsbücher. Sein Vorschlag: Lehrer könnten die Broschüre auch für schulische Ausflüge nutzen und bereits der Jugend das Judentum so näher bringen.

Gerade in der Breite sei laut Schuster das Wissen über das Judentum zu gering. Juden seien nichts Fremdes, lebten seit 1.000 Jahren in Franken und gehörten zu unserem Land dazu. "Eine Erkenntnis die naheliegt, aber noch nicht in allen Köpfen angekommen ist", so der Zentralrats-Präsident weiter.

Josef Schuster ist zudem Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg und damit selbst Franke. So freut er sich, dass der Fokus bewusst auf die Region gelegt wurde, da es in Franken die meisten jüdischen Gemeinden in Deutschland gab.

1.700 Jahre Juden in Deutschland: Edikt des Römischen Kaisers

Das Jubiläumsjahr feiert das Edikt des römischen Kaisers Konstantin aus dem Jahre 321. Dieses erlaubte Juden Aufgaben in der städtischen Verwaltung zu übernehmen und ist der älteste Beleg für jüdisches Leben nördlich der Alpen. Bundesweit sind in diesem Jahr Veranstaltungen dazu geplant. Die Broschüre soll auch auf Englisch und digital erscheinen, um den Zugang zu erleichtern.

Um die Broschüre auch nachhaltig über das Jubiläumsjahr 2021 hinaus für einen längeren Zeitraum aktuell zu halten, habe sich der Tourismusverband laut Gerhard Wägemann bewusst gegen die Aufnahme von konkreten Terminen entschieden.

© FrankenTourismus/HAS/Hub
Bildrechte: FrankenTourismus/HAS/Hub

Der Judenfriedhof im unterfränkischen Kleinbardorf ist eine von vielen Stationen in der Broschüre des Tourismusverbands.

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