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Schafe und Strom: Wie die Energiewende im Hofer Land gelingt | BR24

© BR/Frankenschau

Das Hofer Land ist Spitze bei der Energiewende in Bayern. Allerdings hat sich dort auch der Kampf um die Flächen verschärft.

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Schafe und Strom: Wie die Energiewende im Hofer Land gelingt

Der Landkreis Hof liegt in Bayern bei der Energiewende ganz vorn. Für grünen Strom braucht man aber Äcker und Wiesen und die brauchen Bauern auch . Ein Schäfer-Paar, zeigt, wie die unterschiedlichen Interessen vereint werden könnten.

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Nirgendwo in Bayern drehen sich mehr Windräder als im Hofer Land. Auch Biogasanlagen produzieren hier viel grünen Strom. Am effizientesten allerdings sind Photovoltaikanlagen. Mit ihnen lässt sich gut 20 mal mehr Strom auf einem Hektar produzieren als mit Biogasmais. So werden immer mehr Metallgerüste mit Solarzellen auf Äcker gebaut und die Konkurrenz um Flächen verschärft sich.

116 Windräder drehen sich rund um Hof

116 Windräder, 40 Biogasanlagen und mehr als 3.000 Photovoltaikanlagen auf Äckern, Wiesen, Ställen, Scheunen: Die Energiewende kommt im Landkreis Hof vor allem auf landwirtschaftlichen Flächen schneller voran als andernorts.

Erträge sinken, Milchbauer braucht mehr Futterfläche

Markus Ernst, Milchbauer in der Gemeinde Berg (Lkr. Hof), befürwortet das. Aber: Er braucht, wie andere Rinderhalter auch, bei sinkenden Erträgen gleichzeitig immer mehr Futterfläche. Und der Wettbewerb um Flächen nimmt zu: Für neuen Wohnraum, Gewerbeansiedlungen und den Straßenbau werden Flächen gesucht. Dazu für den Mais, der die Biogasanlagen befeuern soll. Immerhin liefert der auch nachts und bei jedem Wetter grüne Energie.

Photovoltaik: 20 mal mehr grüne Energie als Mais für Biogas

Aber damit nicht genug der Konkurrenz. Im Hofer Land entstehen auch immer mehr Freiland-Photovoltaik-Anlagen. Jeder Hektar bringt mindestens 20 mal soviel grüne Energie, wie ein Hektar Biogasmais.

"Die Solaranlagen, die ja wie Pilze aus dem Boden sprießen, sind für uns Milchbauern bedrohlich. Die Preise können wir nicht zahlen und nicht erwirtschaften mit unserem Milchvieh." Markus Ernst, Milchbauer

In der Flur von Berg wird bereits sechsmal mehr erneuerbare Energie erzeugt als die Gemeinde selbst verbraucht. Bürgermeisterin Patricia Rubner (CSU) weist inzwischen Investoren ab. Der Gemeinderat will keine weiteren Solarzellen in der Flur.

"Wir nehmen Rücksicht aufeinander und wir wissen, dass die Attraktivität unseres Ortes auch maßgeblich von unserer Landwirtschaft abhängt." Patricia Rubner, Bürgermeisterin Berg

In anderen Teilen des Hofer Landes schreitet die Energiewende auf den Äckern und Wiesen aber weiter rasant voran. Solarzellen werden immer billiger und effizienter. Auch ohne staatliche Förderung sind sie mittlerweile oft noch gewinnbringend. In der Gemeinde Köditz profitiert davon sogar die Landwirtschaft.

Schäfer-Paar lässt Tiere unter Photovoltaikanlagen grasen

Das Schäfer-Paar Sonja Schneider und Florian Hechtfischer lässt auf den umzäunten Flächen die Schafe rund um und unter den PV-Anlagen grasen. Ohne Solarstrom könnten sie die Schäferei schon gar nicht mehr ausüben. Um ihre Tiere auf offenen Wiesen rund um die Uhr zu bewachen, dafür fehlt ihnen nämlich schlicht die Zeit.

Schafe lassen bis zu 40 Pflanzenarten wachsen

Und die unter den Anlagen grasenden Schafe helfen der Umwelt sichtbar. 30 bis 40 verschiedene Pflanzenarten haben sich auf dem Gelände bereits angesiedelt. Die Schäfer sind sich sicher, dass sich noch viele Photovoltaik-Anlagen durch Weidetiere ökologisch aufwerten lassen.

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