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"Schäbig": Söder zu AfD-Attacke auf Nürnberger Christkind | BR24

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Ein AfD-Kreisverband hat das neugewählte Nürnberger Christkind Benigna Munsi rassistisch beleidigt. Jurymitglied und BR-Redakterin Corinna Mielke im Interview.

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"Schäbig": Söder zu AfD-Attacke auf Nürnberger Christkind

Nach der rassistischen Facebook-Attacke eines AfD-Kreisverbands aufs Nürnberger Christkind nimmt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Benigna Munsi in Schutz. Und er teilt aus gegen die AfD. Auch Innenminister Joachim Herrmann reagiert entsetzt.

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Der rassistische Kommentar zum Nürnberger Christkind des AfD-Kreisverbands München-Land hat ein verbales Nachspiel - auch wenn der Post inzwischen gelöscht wurde. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder begrüßt die Wahl der 17-jährigen Benigna Munsi.

"Ich freue mich sehr für sie", schreibt Söder bei Twitter. Umso "schäbiger" findet er "das Verhalten einzelner AfD Funktionäre. Diese Hetze dürfen wir nicht zulassen".

Wurzeln in Indien

Munsi war am Mittwoch von einer Jury einstimmig zum neuen Christkind von Nürnberg für die nächsten zwei Jahre gewählt worden. Die 17-Jährige ist gebürtige Nürnbergerin, ihr Vater ist indischer Herkunft, ihre Mutter Deutsche.

Der AfD-Kreisverband München-Land hatte am Donnerstag bei Facebook ein Bild von Munsi mit einem Kommentar in Anspielung auf die Ausrottung der Ureinwohner Amerikas veröffentlicht: "Nürnberg hat ein neues Christkind. Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen."

Herrmann: Hämische Fratze des Rassismus

Hunderte Internetnutzer verteidigten die junge Frau daraufhin. Viele User zeigten sich empört, ein regelrechter "Shitstorm" brach über den Verband herein - oder besser, ein sogenannter "Candystorm" für Benigna Munsi. Der AfD-Kreisverband hat die umstrittene Mitteilung inzwischen gelöscht und sich entschuldigt. Die Kreisvorsitzende München-Land, Christina Specht, sagte auf Anfrage der Kommentar sei von einem Redakteur des Kreisverbands eigenmächtig gepostet worden. Dieser sei inzwischen zurückgetreten.

Aber die Kritik ebbt nicht ab. Auch Bayerns Innenminister Herrmann (CSU) reagiert entsetzt: "Hier begegnet uns die hämische Fratze des Rassismus, den die AfD als ihre Geisteshaltung immer gerne leugnen möchte."

"Selbst wenn die AfD-Kreisvorsitzende sich von dem Eintrag distanziert hat, macht es die Aussage nicht besser", sagt Herrmann. "Das Posting zeigt nämlich abermals den rechtsextremistischen Wind, der bei der AfD weht."

Söder attackierte zuletzt rechtsnationalen Flügel der AfD

Herrmann und Söder haben die AfD zuletzt immer wieder heftig angegriffen. Nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle bezeichnete Bayerns Innenminister im Bayerischen Rundfunk "einige Vertreter der AfD" als geistige Brandstifter. Ministerpräsident Söder verglich die AfD mit der NPD. Der rechtsnationale "Flügel" um Björn Höcke, das seien "Brandstifter", sagte Söder auf dem Parteitag Mitte Oktober. "Dieser Flügel ist eine verfassungsfeindliche Organisation." Erst ohne Höcke sei mit der AfD "ein normaler demokratischer Dialog wieder möglich".

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Benigna Munsi hat sich gegen die ursprünglich 25 Bewerberinnen bei der Wahl des Nürnberger Christkindes durchgesetzt. Die Jury im Nürnberger Rathaus wählte die 17- jährige Schülerin zum neuen Christkind.