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Der suspendierte Regensburger OB Joachim Wolbergs im Gerichtssaal
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Sebastian Grosser
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Der suspendierte Regensburger OB Joachim Wolbergs im Gerichtssaal

Der Ton im Wolbergs-Prozess am Regensburger Landgericht wird rauer: Nachdem sich Oberstaatsanwalt Markus Pfaller am Montag energisch gegen den "inakzeptablen und unwürdigen" Umgang mit den zuständigen Staatsanwältinnen gewehrt hatte, legten die Verteidiger jetzt mit erneuter Kritik an der Arbeit der Staatsanwaltschaft nach. Und das deutlich: "Es muss mit dem Sauhaufen aufgeräumt werden", meinte Wolbergs-Verteidiger Peter Witting.

Verteidiger zweifeln Grundlage für Untersuchungshaft an

Pfaller war am Montag erstmals seit Prozessbeginn dabei. Bis dahin saßen den Angeklagten um den vorläufig suspendierten Oberbürgermeister Joachim Wolbergs und den Bauträger Volker Tretzel die beiden zuständigen Staatsanwältinnen gegenüber. Der Oberstaatsanwalt hatte dabei die Verschriftlichung der abgehörten Telefongespräche und die Gründe für die Untersuchungshaft nochmals verteidigt.

Die Verteidiger stellten dem heute entgegen: Auch wenn mehrere Gerichte die Haftgründe bestätigt hätten, seien die nun erkennbar unzureichend verschriftlichten Protokolle die Basis für die Entscheidung des Ermittlungsrichters gewesen, die Angeklagten in Haft zu nehmen. Er habe sich auf die Angaben der Staatsanwaltschaft verlassen. Die Verteidiger des mitangeklagten Tretzel-Mitarbeiters beantragten daher die Vernehmung des Ermittlungsrichters.

Staatsanwaltschaft will mehr Präsenz zeigen

Wolbergs-Verteidiger Peter Witting bezeichnete den Auftritt von Oberstaatsanwalt Pfaller vom Montag als Show: "Es wäre mir peinlich, am 30. Verhandlungstag zu erscheinen, und über Dinge zu reden, die ich gar nicht mitbekommen habe und beurteilen kann." Pfaller baue einen medialen Pranger auf, so Witting.

Dagegen wehrte sich Oberstaatsanwältin Christine Müller, die heute zusätzlich zu den beiden zuständigen Staatsanwältinnen erschienen war. Sie verlangte die Aufnahme der Verteidiger-Aussagen in das Protokoll und kündigte an, dass die Staatsanwaltschaft nun mit mehr Personen vertreten sein werde, um "das Verfahren zu ordnen." Wolbergs warf an dieser Stelle ein: "Jetzt sitzt also ein Anstandswauwau dabei." Die Vorsitzende Richterin Elke Escher versuchte daraufhin, die Gemüter zu beruhigen, stellte aber fest, dass das Gericht das Verfahren durchaus im Griff habe.

Im Verlauf des Tages wurden der Hausmeister eines Kulturzentrums und zwei Handwerker vernommen. Sie waren an Renovierungsarbeiten in Privaträumen von OB Wolbergs beteiligt. Die Rechnungen dazu wurden offenbar aufgeteilt und zum Teil vom angeklagten Bauträger Volker Tretzel bezahlt.