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Die Änderung der Bestattungsverordnung macht künftig auch ein Begräbnis ohne Sarg prinzipiell möglich. Ein SPD-Landtagsabgeordneter sieht sich am Ziel, den Grünen geht die Änderung nicht weit genug. Der Bestatterverband sagt, dass es um mehr gehe.

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Sargpflicht gelockert: Diskussion reißt dennoch nicht ab

Die Änderung der Bestattungsverordnung macht künftig auch ein Begräbnis ohne Sarg prinzipiell möglich. Ein SPD-Landtagsabgeordneter sieht sich am Ziel, den Grünen geht die Änderung nicht weit genug. Der Bestatterverband sagt, dass es um mehr gehe.

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Von
  • Oliver Tubenauer

Der Nürnberger SPD-Landtagsabgeordnete Arif Tasdelen sieht sich am Ziel: Seit 2009 hat sich der 46-Jährige für eine Änderung der Bayerischen Bestattungsverordnung und für ein Abrücken von der strengen Sargpflicht im Freistaat eingesetzt. Nun besteht grundsätzlich die Möglichkeit, dass Muslime auch in Bayern ihre Angehörigen, ihrem Glauben und ihrer Tradition entsprechend, nur im Leichentuch und ohne Sarg bestatten lassen können.

Kommunen bestimmen, ob Lockerung greift

Für Tasdelen ist das mehr als nur ein Zugeständnis: "Mit der Lockerung der Sargpflicht sendet der Bayerische Landtag ein ganz wichtiges Signal: Nämlich, dass Menschen, die seit vielen Jahren oder Jahrzehnten bei uns leben, zu Bayern gehören – mit ihrer Tradition und ihrer Religion", sagt der SPD-Mann. Nun hofft er darauf, dass die Friedhofsträger, in den meisten Fällen die Kommunen, von der Regelung auch Gebrauch machen. Denn ob die Sargpflicht aus religiösen Gründen entfällt, dürfen sie bestimmen.

Grünen geht die Änderung nicht weit genug

Gerade daran üben die Landtags-Grünen jedoch Kritik. Die Staatsregierung drücke sich vor der Verantwortung und schiebe sie lieber den Kommunen zu, meint die Abgeordnete Gabriele Triebel. Denn letztlich sind es die Gemeinden, die etwa aufgrund der Bodenbeschaffenheit auf dem jeweiligen Friedhof die sarglose Bestattung erlauben oder eben auch verbieten können.

Die Grünen fordern stattdessen einen verbindlichen Rechtsanspruch auf eine Bestattung im Leinentuch - die Staatsregierung sträube sich nach wie vor gegen eine freie Religionsausübung auf Bayerns Friedhöfen für alle.

Bestatterverband sieht Licht und Schatten

Der Bestatterverband Bayern hält die Diskussion um die Sargpflicht dagegen für übertrieben. Die Anfragen nach derartigen Begräbnissen bewegten sich bislang im Promillebereich, sagt der Verbandsvorsitzende Ralf Michal. Andere Themen seien im Zusammenhang mit der neuen Verordnung wesentlich wichtiger, zum Beispiel die zweite Leichenschau, die die Verordnung vorsieht.

Verband fordert Leichenschau mit Würde

Grundsätzlich befürworte der Bestatterverband die zweite Leichenschau durch einen Amtsarzt, die es so bisher nicht gab. Allerdings fordern Michal und seine Kollegen, dass sie auch im jeweiligen Bestattungsinstitut durchgeführt werden kann und nicht erst im Krematorium.

Hintergrund ist, dass die Leichenschau nicht stattfinden soll, nachdem der oder die Verstorbene bereits vom Bestatter für die Beerdigung behandelt wurde. Eine anschließende Leichenschau würde die Würde der Toten verletzen, sagt Michal und fordert daher Nachbesserungen. Zumal dieser Teil der Gesetzesänderung erst zum 1. Januar 2023 in Kraft treten soll.

Weniger Zeitdruck für Hinterbliebene

An anderer Stelle sieht der Bestatterverband aber durchaus Vorteile. So sieht die neue Verordnung eine Verlängerung der Frist für die Beerdigung vor. In der Praxis war eine Bestattung innerhalb von vier Werktagen beziehungsweise 96 Stunden nach Eintritt des Todes vorgeschrieben. Mit der Änderung wird diese Frist auf acht Tage verlängert. Das nehme den Zeitdruck von den Angehörigen, ist Michal überzeugt.

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