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Samerberg-Prozess: Zeuge vor Gerichtssaal festgenommen | BR24

© BR/Martin Binder

Blick in den Traunsteiner Landgerichtssaal während einer Sitzungspause im Samerbergprozess

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    Samerberg-Prozess: Zeuge vor Gerichtssaal festgenommen

    Im Berufungsprozess um den Unfalltod zweier Frauen vom Samerberg ist ein Zeuge vor dem Traunsteiner Gerichtssaal wegen Falschaussage festgenommen worden. Ein Gutachter konnte zudem nicht genau sagen, ob der Unfallfahrer noch hätte einscheren können.

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    Spektakulärer Verhandlungstag im Berufungsprozess um den Unfalltod zweier junger Frauen vom Samerberg (Lkr. Rosenheim): Am Donnerstag ist ein Belastungszeuge vor dem Gerichtssaal in Traunstein vorläufig festgenommen worden. Der Vorwurf des Staatsanwalts Jan Salomon an den Belastungszeugen: eine offensichtliche Falschaussage.

    Verteidiger fordern erfolglos Absetzung des Staatsanwalts

    Der 51-Jährige wurde in die Justizvollzugsanstalt Traunstein gleich neben dem Gerichtsgebäude gebracht. Daraufhin forderten die Verteidiger die Absetzung des Staatsanwalts, weil er keine Gewähr mehr für objektives Handeln biete. Die Staatsanwaltschaft solle einen neuen Prozessvertreter schicken. Das hat die Traunsteiner Staatsanwaltschaft nach einer Sitzungsunterbrechung am Nachmittag abgelehnt.

    Haben Angeklagte den Belastungszeugen beeinflusst?

    Staatsanwalt Jan Salomon hat gleich nach Wiederbeginn der Verhandlung gefordert, die Handys der beiden Angeklagten einzuziehen. Es bestehe der Verdacht, dass sie den am Vormittag festgenommenen Belastungszeugen beeinflusst hätten. Dieser war früher Mitarbeiter im Betrieb des Vaters eines der Angeklagten, und zwar in einer Waschanlage.

    Zeuge hatte von mitgehörtem Gespräch berichtet

    Der Belastungszeuge aus Bad Aibling soll Absprachen zwischen dem Angeklagten und anderen Unfallbeteiligten mitbekommen haben. Das hatte er einem Gast eines privaten Festes Ende Oktober 2019 erzählt, der dies auch bei der Polizei zu Protokoll gegeben hat.

    Festgenommener dementiert eigene Aussagen

    Bei der Vernehmung am Donnerstag wollte der Zeuge davon aber nicht mehr viel wissen, er habe damals nur das gesagt, was er aus den Medien erfahren habe. Vieles sei nur seine Meinung, er habe Quatsch erzählt. Damit stehen seine Aussagen im krassen Widerspruch zu den Aussagen des anderen Gastes auf dem Fest, dem er damals detaillierte Angaben gemacht hatte und die dieser Zeuge erneut ganz klar bestätigt hat. Der Staatsanwalt bewertete dies als Falschaussage.

    Verteidiger: Staatsanwalt nicht mehr objektiv

    Die Forderung nach Absetzung des Staatsanwalts begründeten die Strafverteidiger Andreas Michel und Harald Baron von Koskull damit, dass Salomon zwar den Belastungszeugen festnehmen ließ, nicht aber den aus ihrer Sicht ebenfalls falsch aussagenden Polizeibeamten vom letzten Verhandlungstag. Der Staatsanwalt biete keine Gewähr mehr für objektives Handeln, deshalb müsse er ausgewechselt werden.

    Gutachter: Maximal 25 Meter Lücke zwischen BMWs

    Am späten Donnerstagnachmittag stellte der Unfall-Sachverständige sein Gutachten vor. Die entscheidende Frage konnte er aber nicht beantworten: Wie groß war der Abstand der beiden überholten BMWs zum Zeitpunkt des Unfalls mit dem entgegenkommenden Pkw? Hätte der überholende Golf noch einscheren können? Ein Abstand von 6 bis 25 Meter sei möglich gewesen, sagte der Gutachter, genauer sei das aber mangels verfügbarer Daten nicht zu bestimmen.

    Dramatischer Unfall auf der Rosenheimer Südumgehung

    Bei dem Berufungsprozess geht es um einen schweren Unfall im November 2016 auf der Rosenheimer Südumgehung. Der inzwischen schon rechtskräftig verurteilte Fahrer eines Golf GTI aus Ulm war beim Überholen der beiden BMW auf der Gegenfahrbahn frontal mit dem Kleinwagen drei junger Frauen vom Samerberg zusammengestoßen. Dabei starben zwei der Frauen, eine dritte – Schwester eines der Opfer – wurde schwerstverletzt. Auch der Unfallverursacher und seine Beifahrerin erlitten schwere Verletzungen.

    Vorwurf: Überholenden Golf am Einscheren gehindert

    Die beiden BMW-Fahrer sind beschuldigt, die Lücke zwischen ihren Fahrzeugen so dicht gemacht zu haben, dass der überholende Golf nicht mehr rechtzeitig vor dem Zusammenstoß auf der Gegenfahrbahn einscheren konnte. Sie wurden dafür in erster Instanz vom Amtsgericht Rosenheim zu Gefängnisstrafen ohne Bewährung verurteilt, dagegen hatten sie Berufung eingelegt.

    Urteil vielleicht am 20. November

    Der Prozess wird am 12. November fortgesetzt. Eigentlich sollte es an diesem Tag schon ein Urteil geben. Jetzt werden zunächst weitere Zeugen gehört, auf Antrag der Verteidigung. Dann werden noch diverse Urkunden und Berichte verlesen, so Richter Jürgen Zenkel. Danach dürfte es die Plädoyers des Staatsanwalts, der beiden Nebenklage-Vertreter und der Verteidiger der beiden Angeklagten geben. Das Urteil wird dann möglicherweise am 20. November verkündet.