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Samerberg-Prozess: Staatsanwalt droht Zeugen mit Festnahme | BR24

© BR/Martin Binder

Der Berufungsprozess um tödlichen Samerberg-Unfall dauert an. Im Bild: Die beiden Angeklagten mit ihren Anwälten.

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    Samerberg-Prozess: Staatsanwalt droht Zeugen mit Festnahme

    Im Berufungsprozess um den Unfalltod zweier junger Frauen vom Samerberg hat der Staatsanwalt einem Zeugen mit der Festnahme wegen Falschaussage gedroht. Der Zeuge wollte von früheren Aussagen nichts mehr wissen, er habe nur Quatsch erzählt.

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    Zwei junge Frauen vom Samerberg (Landkreis Rosenheim) starben, drei Menschen wurden schwer verletzt: Im Prozess um einen Frontalzusammenstoß auf der Rosenheimer Südumgehung vor drei Jahren wandte sich heute der Staatsanwalt an einen bisher unbekannten Zeugen. Staatsanwalt Jan Salomon drohte dem 51-Jährigen mit der Festnahme im Gerichtssaal wegen Falschaussage.

    Zeuge: "Ich habe Quatsch erzählt"

    Der Zeuge, ehemaliger Mitarbeiter in der Waschanlage des Vaters eines der Angeklagten, soll bei einem Fest Absprachen zwischen dem Angeklagten und anderen Unfallbeteiligten mitbekommen haben. Das erzählte er einem Gast des Festes, der dies auch bei der Polizei zu Protokoll gegeben hat. Bei der Vernehmung heute wollte er davon nicht mehr viel wissen, er habe damals nur das gesagt, was er aus den Medien erfahren habe. Vieles sei nur seine Meinung, er habe Quatsch erzählt. Die Vernehmung wird noch fortgesetzt, die Anwälte der beiden Angeklagten befragen den Zeugen derzeit. Dabei berichtete der Zeuge auch, dass ihn ein Anwalt der Nebenkläger aufgefordert habe, eine Aussage zu machen. Der Anwalt habe ihn dabei angebrüllt, als er gesagt habe, er wisse ja nichts.

    Aussage war verschoben worden

    Der Mann aus Bad Aibling sollte eigentlich schon am Dienstag vor Gericht erscheinen. Seine Aussage wurde aber wegen Terminschwierigkeiten auf heute verschoben. Bereits am Dienstag und damit noch vor der Vernehmung des Mannes heute vor Gericht hatte schon einer der Angeklagten dessen Aussagen dementiert. Man habe sich an dem Tag gar nicht im Betrieb des Vaters getroffen, Absprachen habe es nicht gegeben, so der 25 Jahre alte BMW-Fahrer aus Kolbermoor.

    Gutachten zum Unfallhergang wird erwartet

    Besonders spannend heute: Das Gutachten des Sachverständigen Andreas Thalhammer. Er war im November 2016 am Unfallort in Rosenheim und hatte dort alles ausgemessen, Fotos und Videos gemacht. Thalhammer soll die entscheidende Frage beantworten, wie groß der Abstand der beiden überholten BMW zum Zeitpunkt des Unfalls war. Denn laut Anklage hatten die BMW-Fahrer die Lücke zwischen ihren Fahrzeugen so dicht gemacht, dass ein überholender Golf GTI aus Ulm nicht mehr rechtzeitig einscheren konnte, als Gegenverkehr kam. Eine exakte Angabe zum Abstand der BMW konnte der Sachverständige bei den Prozessen in erster Instanz mangels geeigneter Daten nicht machen.

    Berufung wegen Haftstrafen ohne Bewährung

    In dem Berufungsprozess vor dem Landgericht Traunstein geht es um einen schweren Unfall im November 2016 auf der Rosenheimer Südumgehung. Der inzwischen schon rechtskräftig verurteilte Fahrer eines Golf GTI aus Ulm war beim Überholen zweier BMW auf der Gegenfahrbahn frontal mit dem Kleinwagen von drei jungen Frauen vom Samerberg zusammengestoßen. Dabei starben zwei der Frauen (21 und 15 Jahre alt), eine dritte (19 Jahre), Schwester eines der Opfer, wurde schwerstverletzt. Auch der Unfallverursacher und seine Beifahrerin erlitten schwere Verletzungen. Die beiden BMW-Fahrer sind beschuldigt, die Lücke zwischen ihren Fahrzeugen so dicht gemacht zu haben, dass der überholende Golf nicht mehr rechtzeitig vor dem Zusammenstoß auf der Gegenfahrbahn einscheren konnte. Sie wurden dafür in erster Instanz vom Amtsgericht Rosenheim zu Gefängnisstrafen ohne Bewährung verurteilt, dagegen hatten sie Berufung eingelegt.