Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Sachverständige gegen 365-Euro-Ticket für Bayern | BR24

© dpa-Bildfunk/Armin Weigel

Schüler und Azubis sollen laut Söder und Reichart noch dieses Jahr öffentliche Verkehrsmittel mit dem 365-Euro-Jahresticket nutzen können.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Sachverständige gegen 365-Euro-Ticket für Bayern

Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) sieht das für Schüler und Auszubildende versprochene 365-Euro-Jahresticket als Chance für den Nahverkehr. Im Landtags-Verkehrsausschuss haben sich heute jedoch sämtliche Experten gegen das Ticket ausgesprochen.

Per Mail sharen

Der Bayerische Bau- und Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) hat heute in einer schriftlichen Erklärung die Idee eines 365-Euro-Jahrestickets für Schüler und Auszubildende verteidigt.

"Wir verbessern Infrastruktur und Tarif. Beides ist für ein attraktives Angebot im ÖPNV wichtig. Gerade dort, wo wir bereits ein gut ausgebautes Verkehrsangebot im ÖPNV haben, wollen wir auch neue, tarifliche Anreize setzen. Es ist doch unbestritten wichtig, junge Menschen frühzeitig an den ÖPNV heranzuführen." Verkehrsminister Hans Reichhart

Markus Söder fordert 365-Euro-Ticket

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte das Projekt in seiner ersten Regierungserklärung vorgeschlagen. Er fordert Jahreskarten für Straßenbahnen, Busse, S- und U-Bahnen, die 365 Euro kosten sollen, egal wie lange und oft man fährt. Damit will er etwas für die Luftreinhaltung tun und den ÖPNV stärken. Im ersten Schritt soll das Angebot zunächst für Schüler und Auszubildende noch 2019 Wirklichkeit werden.

365-Euro-Ticket: Experten kritisieren Söders Idee

Bei dem Verkehrsausschuss haben sich jedoch viele Experten zu Wort gemeldet und die Ticket-Idee kritisiert. Auch Robert Frank vom Verband der Verkehrsunternehmen ist klar dagegen. Laut ihm greife Wien, das stets mit seinem 365-Euro-Ticket als Vorbild für Bayern genannt wird, viel zu kurz:

„Die entscheidenden Maßnahmen, um in Wien eine sehr attraktive ÖPNV-Politik zu machen, war die Angebotsverstärkung, der Ausbau des Tramsystems, die Verbesserung der Bussysteme. Und dann natürlich eine höhere Gesamtfinanzierung. Und parallel dazu natürlich eine harte Parkraumbewirtschaftung, um die Nutzung des PKWs in der Stadt zu erschweren.“ Robert Frank, Verband der Verkehrsunternehmen

365-Euro-Tickets entziehen dem Nahverkehr Erlöse

Laut Frank entziehe das von der Staatsregierung versprochene billige Jahresticket dem öffentlichen Nahverkehr Erlöse, die dann fehlen, wenn nicht auf Dauer hohe Staatszuschüsse fließen. Es drohe, dass dann beim Ausbau der Infrastruktur, also etwa Schienen, gespart wird, ergänzte der Vertreter der Deutschen Bahn.

Negative Bilanz ähnlicher Projekte

Der Verband der Omnibusunternehmen berichtete, dass in Pfaffenhofen zwar durchaus einige Menschen mehr in die seit neuestem kostenlosen Busse stiegen, aber der Autoverkehr trotzdem blieb. Die Münchner Verkehrsgesellschaft ergänzte, auch im estnischen Tallin habe sich gezeigt, dass kaum Autofahrer den kostenlosen Nahverkehr nutzen. Dafür aber lassen sich ehemalige Fußgänger jetzt fahren.