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Paketboten in der Weihnachtszeit

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Lange Tage, viel Geschleppe, wenig Geld: Paketboten am Limit

Paketboten müssen viel leisten - und gerade an Weihnachten wächst der Stress. 1.600 Euro netto für überlange Tage und körperliche Schwerarbeit. Für viele eine Zumutung.

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Schnell die Unterschrift auf das kleine Gerät gekritzelt, und schon gehört mir das Paket. Alltag für Online-Shopper - und großer Stress für die Paketzulieferer. Gerade zu Weihnachten nimmt dieser durch die Geschenke ganz schön zu. Dazu wenig Gehalt, unbezahlte Überstunden, 30 Kilo-Pakete.

"Ich habe keine fünf Minuten, nicht mal eine", ruft ein Paketzusteller, während er seine bis oben beladene Sackkarre weiterschiebt. Paketzulieferer stehen offensichtlich unter Zeitdruck.

Paketboten-Alltag: Elf Stunden täglich für 1.600 Euro netto

Morgens gibt es die Daten, wie viele Pakete im Bezirk ausgeliefert werden müssen, dann wird der Wagen beladen und los geht es. Alleine. Am Ende eines langen Arbeitstags muss der Transporter mit den unzustellbaren Paketen wieder in das Lager. Pro Tag sind das etwa zehn bis elf Stunden Arbeit. Dabei läuft ein Zusteller etwa 20 Kilometer, natürlich mit schwerer Sackkarre, sagt ein Zusteller - mit Computern, Kaffeemaschinen oder Fitnessgeräten.

Der ehemalige Paketzusteller Thomas (Name von der Redaktion geändert) erklärt dazu: Die Pakete, im Schnitt etwa 160 Stück pro Tag, dürften bis zu einem Gewicht von 30 Kilogramm ausgeliefert werden. Ab Arbeitsstunde elf seien das Überstunden, aber die würden nicht bezahlt.

Eine typische Szene aus seinem früheren Alltag beschreibt er so: "Besonders in München gibt es viele Gebäude ohne Aufzüge. Du musst ein Paket mit 30 Kilo vom Erdgeschoss in den 4. Stock Dachgeschoss schleppen. Und wenn du oben bist, bist du tot. Und die Leute: Können Sie ein Paket für den Nachbarn nehmen? Nein, ciao, bumm, Türe zu. Du gehst die Treppe runter und denkst: Was mache ich hier für 1.600 netto, ohne Überstunden? Das ist einfach Wahnsinn."

Die Sicherheit der Pakete kann nicht immer gewährleistet werden

Während solcher Auslieferungen wird der Wagen vor der Haustüre nicht immer wie vorgeschrieben zugesperrt. Der Grund: Zeitersparnis. Ab und an läuft sogar der Motor mit Warnblinkanlage - ein potenzielles Sicherheitsrisiko.

Ein aktuelles Beispiel dazu aus München: Hier haben mehrere Männer systematisch Pakete aus geparkten Lieferfahrzeugen gestohlen. Passiert tatsächlich etwas, muss unter Umständen der Zusteller für den Schaden haften. Denn natürlich sei es nicht erlaubt, den Wagen offenzulassen, erklärt Thomas. Letztlich könne es aber ständig passieren, dass etwas gestohlen werde, sobald die Sackkarre einen Moment unbeobachtet im Treppenhaus stehe. Aus diesem Grund dürfen Pakete ohne Abstellgenehmigung auch nicht vor die Haustüre gelegt werden.

Der Bezirk bestimmt den Stress

Wie reibungslos die Arbeit als Zusteller abläuft, ist noch von einem anderen Faktor abhängig: dem zu beliefernden Bezirk. Wer nur an Firmen austragen muss, schafft 15 Pakete in fünf Minuten - eine Unterschrift am Empfang für alle. Wer nur private Haushalte oder noch eine Paketstelle beliefert, braucht deutlich länger.

Für Thomas ein Grund aufzuhören: "Das Problem war: Ich hatte im Durchschnitt 150 bis 160 Pakete, aber trotzdem musste ich jeden Tag noch mehr als 100 Pakete für eine Filiale mitbringen. Mein Auto war voll, und natürlich braucht man mehr Zeit. Man muss so mit einer Stunde mehr rechnen. Deswegen war es für mich zu stressig."

Deutschland, Land der Pakete

Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey fand dieses Jahr heraus, dass die Bundesbürger, nach den Chinesen, mit am meisten Pakete bekommen – im Schnitt etwa 24 pro Jahr. Bei etwa 83 Millionen Einwohnern kommt da Einiges zusammen.

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DHL-Paketzustellung in der Vorweihnachtszeit

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