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Bildrechte: picture alliance / dpa Foto;Tobias Hase

Abgesagte Volksfeste: Magere Geschäfte mit der Tracht

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Abgesagte Volksfeste: Magere Geschäfte mit der Tracht

Keine Wiesn ohne Tracht, daher ohne Volksfeste auch kein Geschäft mit der Tracht? Die Modebranche ist gebeutelt von der Corona-Krise, und die Industrie für Dirndl, Lederhose und Co. trifft es hart. Dennoch schafft die Krise auch Raum für Ideen.

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Von
  • Tanja Gronde

In den Trachtengeschäften wäre längst Hochsaison - Trachtenhochzeiten, Frühlingsfeste, dann die großen Volksfeste im Sommer. Aber Gäubodenfest und Oktoberfest sind abgesagt, und auch die kleinen regionalen Volksfeste werden wohl nicht stattfinden. Zwar sind diese Festivitäten Anlass, sich einen neuen Hut, eine neue Schürze zu leisten, oder sich komplett einzukleiden. Doch durch die Absage der Volksfeste sinken die Absätze dramatisch. Manche melden ein Umsatzminus von bis zu 90 Prozent verglichen mit dem Vorjahr.

#zamhalten: Kreativ in der Krise

Unterkriegen lassen sich die Münchner Trachtenläden trotzdem nicht. Bei Trachten Angermaier setzt man auf Social Media und ein größeres Angebot im Online-Shop. Nina Munz von Trachten Angermaier ist zuversichtlich, dass die Saison, wenn auch langsam, anlaufen wird.

Corona-Dirndl mit Hashtags

Während des Lockdowns haben die Schneiderinnen Masken genäht, passend zu den Dirndln. Überhaupt kamen die ersten Tage die Kunden wegen Masken, erzählt die Besitzerin. So hat sie nun das Angebot ausgebaut.

Und: Bei der eigenen Kollektion gibt es nun sogar ein Corona-Dirndl in Hellblau und Rosa mit eingewebten Hashtags wie #stayhealthy ‚#buylocal ‚ #haltmazam.

Zusammenhalten ist auch das Credo für Angermaier-Chef Axel Munz. Er hat Solidaritätsarmbänder für die Schausteller hergestellt mit aufgedruckten Trachten: "Vom Verkaufserlös werden wir den Schaustellern einen Euro dazugeben. Das ist unser Versuch, den Schaustellern zu helfen. Obwohl es uns auch nicht gut geht, aber wir müssen zusammenhalten!"

Vorausgeschaut und abgesagt

Das Münchner Erfolgslabel "Gottseidank" hat schon früh die Reißleine gezogen. Designer Jörg Hittenkofer hatte seinen Kunden bereits Anfang März die Kollektion abgesagt, bevor in Bayern die Läden für Wochen dicht gemacht haben. So fällt die Kollektion dieses Jahr klein aus. Dafür bleibt mehr Zeit für die nächste, so der Modedesigner. Er genieße nun die Entschleunigung, so könnten mit mehr Zeit und Sorgfalt Stoffe ausgesucht und Knöpfe entworfen werden. Sonst ist um die Zeit der Showroom voll mit Kunden, die für ihre Geschäfte ordern. Dieses Jahr: Beschaulichkeit und meterweise Stoff für Schürzen, Mieder, Hemden.

"Es braucht Ruhe und Sorgfalt, und das ist eine Lehre, sich diese in Zukunft zu nehmen." Designer Jörg Hittenkofer

Trachten tragen? Anlässe selber schaffen!

Seitdem die Biergärten wieder offen sind, ist der Lederhosenträger in Knielang wieder unterwegs, auf eine Mass mit Abstand. Die Trachtträgerinnen und Träger selbst, die Wiesnfans, die Volksfestfreunde haben schon auf Twitter, Facebook und Instagram geteilt, dass sie ihre Volksfeste unterstützen werden, das Gillamoos bietet ja einen Sonntag "to-go" an. Da wird sich dann eben auch aufgebrezelt.

So geschehen schon in Landshut, beim To-Go-Festzelt im Mai. Da kamen Gäste im Auto, holten sich Hendl und Bier ab, und zwar nicht im Homeoffice-Outfit , sondern im Trachtengwand. Und dann kommt im August noch "Sommer in der Stadt" - das Trostpflaster der Stadt München für Schausteller und Gäste, die auf die Wiesn 2020 verzichten müssen. Auf vielen kleinen "Festen" soll dezentral gefeiert werden können, Corona-konform - auch ein Anlass, sich ein neues Dirndl zu kaufen, oder zumindest eine neue Bluse.

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Sendung

Bayern 2 am Samstagvormittag

Von
  • Tanja Gronde
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