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s.Oliver Würzburg: Weitere 200 Mitarbeiter verlieren ihren Job | BR24

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s.Oliver in Rottendorf bei Würzburg

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    s.Oliver Würzburg: Weitere 200 Mitarbeiter verlieren ihren Job

    Bereits im März haben beim unterfränkischen Modekonzern s.Oliver 170 Mitarbeiter ihre Jobs verloren, nun startet das Unternehmen mit Sitz in Rottendorf eine zweite Entlassungswelle mit 200 Kündigungen.

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    Der unterfränkische Modekonzern s.Oliver baut weitere 200 Arbeitsplätze ab. Das teilte das Unternehmen auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks mit. Von dieser zweiten Kündigungswelle seien fast alle Fachbereiche betroffen, der Großteil in der Zentrale in Rottendorf im Landkreis Würzburg. Dort hat s.Oliver 1.400 Mitarbeiter. Schon im März war bekannt geworden, dass 170 Beschäftigte ihre Jobs verlieren. Zu dem Zeitpunkt wurde der Umbau des Konzerns als Grund genannt. Nun sei die Coronakrise der Auslöser, so s.Oliver-Sprecherin Verena Väth: "Dies ist notwendig, um die Kostenstruktur an die stark gesunkene Umsatzprognose im Zusammenhang mit der Coronakrise sowie an strukturelle Veränderungen in der Branche anzupassen, um auch weiterhin am hoch kompetitiven Markt zu bestehen." Ziel sei es, die 6.100 Arbeitsplätze weltweit zu sichern. Die Geschäftsführung habe sich die Entscheidung nicht leichtgemacht.

    Kündigung trifft vor allem langjährige Mitarbeiter

    Am Montag (15.06.20) wurden die Mitarbeiter über den Stellenabbau informiert. S.Oliver will die Betroffenen nach eigenen Angaben bei der Suche nach neuen Stellen unterstützen und arbeitet dabei mit einer Düsseldorfer Agentur für Karriereberatung zusammen. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert das Vorgehen von s.Oliver. Vor allem langjährige Mitarbeiter hätte die Kündigungswelle getroffen, so Verdi-Sprecher Peter König zum BR. Diese hätten zum Erfolg des unterfränkischen Modeunternehmens beigetragen. Außerdem hätte es andere Möglichkeiten als die Kündigungen gegeben, zum Beispiel eine Transfergesellschaft oder flexible Arbeitszeiten. König selbst habe von Mitarbeitern und aus den Medien vom Stellenabbau bei s.Oliver in Rottendorf erfahren.

    Großes Modeunternehmen ohne Betriebsrat

    Der Gewerkschaftssprecher kritisiert außerdem, dass ein Unternehmen in der Größenordnung von s.Oliver keinen Betriebsrat habe. Er rät den verbliebenen Mitarbeitern, sich nun selbst zu organisieren. "Ich verstehe, dass die Leute Angst haben, sich gegen die Geschäftsleitung zu stellen. Aber ein Betriebsrat kann auch in einem geschützten Raum gegründet werden. Die Namen müssen nicht genannt werden. Jeder Mitarbeiter, der in der Gewerkschaft ist, kann einen Betriebsrat gründen. Und mit einem Betriebsrat könnte man die Mitarbeiter in Zukunft vor willkürlichen Entscheidungen schützen", so König. Die Gewerkschaft könne außerdem Druck auf Unternehmen ausüben, zum Beispiel mit Streiks oder Flugblättern. König stellt auch in Frage, dass die Coronakrise wirklich der Grund für die neuen Entlassungen sei. Diese seien ein Widerspruch zur angemeldeten Kurzarbeit bei s.Oliver. Mit Kurzarbeit solle eigentlich verhindert werden, dass Stellen abgebaut werden, so König.

    Bürgermeister bedauert Entlassungen

    Die Gemeinde Rottendorf bedauert die Entlassungen am Stammsitz von s.Oliver. "Von den Entlassungen der Beschäftigten sind auch deren Familien und das Umfeld betroffen und stellt hier sicherlich bei vielen große Herausforderungen und Entbehrungen dar", sagte Bürgermeister Roland Schmitt (CSU) zum BR. Er mache sich Sorgen um die Situation in der Textilbranche: "Gerade auch für uns als Gemeinde, da hier der Hauptsitz des weltweit agierenden Modekonzern s.Oliver mit zahlreichen Arbeitnehmerinnen und Arbeitsnehmern ist. Wir hoffen, dass sich die Branche wieder schnell erholt und es für die Zukunft stabile und gute Bedingungen gibt."

    Weltweit 6.100 Mitarbeiter

    Bei s.Oliver hatte es Ende vergangenen Jahres einen Wechsel in der Geschäftsleitung gegeben. Unternehmensgründer Bernd Freier war im Alter von 73 Jahren in den Ruhestand gegangen. Er war von Claus-Dietrich Lahrs als Geschäftsführer abgelöst worden. Der 57-jährige Bielefelder hatte zuvor bei Louis Vuitton, Dior und Boss gearbeitet. s.Oliver hat nach eigenen Angaben weltweit 6.100 Beschäftigte im Konzern. Dazu kommen 7.850 Modehäuser. 2018 hatte das Unternehmen 1,3 Milliarden Euro Umsatz weltweit gemacht. Neben den Marken s.Oliver und ihren Schwestermarken gehören unter anderem auch die Marken comma und Liebeskind zu dem Mode-Unternehmen.

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