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Run auf den Bayerwald: "Szenen wie an normalen Skiwochenenden" | BR24

© BR/Renate Roßberger

Obwohl die Skipisten im Bayerischen Wald Corona bedingt gesperrt sind, wird gerodelt und Ski gefahren. Das ist nicht ganz ungefährlich - und ein Skigebiet schiebt dem Ausflugstourismus nun den Riegel vor.

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Run auf den Bayerwald: "Szenen wie an normalen Skiwochenenden"

Obwohl die Skigebiete im Bayerischen Wald wegen Corona geschlossen sind, wird gerodelt und Ski gefahren. Ein Aufruf der Nationalparkverwaltung, andere Wanderziele anzufahren, stieß bei Besuchern auf taube Ohren. Ähnlich ist die Lage am Großen Arber.

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Von
  • Renate Roßberger
  • BR24 Redaktion

Im Nationalpark Bayerischer Wald sind trotz des Lockdowns seit den Weihnachtsfeiertagen jeden Tag zahlreiche Tagesausflügler unterwegs. Weil sich viele Menschen in ihrem Winterurlaub nach Schnee und Wintersport sehnen, sind die Parkplätze in den niederbayerischen Skigebieten voll - obwohl die Pisten gesperrt sind und trotz eines Aufrufs der Nationalparkverwaltung von Mittwoch Vormittag, andere Wanderziele anzufahren. Das ist nicht ganz ungefährlich . Ein Skigebiet schiebt dem Ausflugstourismus deshalb nun den Riegel vor.

Geißkopfbahn sperrt alle Parkplätze

Die Geißkopfbahn sperrt bis auf weiteres ihre gesamten Parkplätze und hofft, damit den Besucheransturm auf das geschlossene Skigebiet in den Griff zu bekommen. Die Parkplätze würden wegen des Lockdowns, durch den die Lifte und Pisten gesperrt bleiben müssen, weder geräumt noch gestreut, argumentieren die Betreiber. Es bestehe Verletzungsgefahr - auch auf den unpräparierten Pisten. Zum Beispiel seien ungesicherte Schneekanonen gefährlich.

Besucherlawinen an Geißkopf und Arber

In den letzten Tagen seien die Parkplätze "leider komplett gestürmt" worden, obwohl das Skigebiet geschlossen sei, so die Betreiber der Geißkopfbahn weiter. "Wir erleben Szenen wie an normalen Skiwochenenden." Auf den Pisten werde gerodelt und Ski gefahren.

Ähnlich ist die Lage am Großen Arber, wo die Bergbahn Hinweisschilder auf die Sperre aufgestellt und die Hauptparkplätze zugemacht hat. Aber die vielen Parkplätze entlang der Straße lassen sich nicht absperren und sind momentan oft gut gefüllt. Viele nutzen die unpräparierten Pisten mit Tourenskiern und Schlitten oder zum Winterwandern.

© BR/Renate Roßberger

Ein Schild am Arber weist auf die geschlossenen Pisten und das Betreten auf eigene Gefahr hin

Langlaufzentrum Bretterschachten mit anderer Strategie

Anders macht es der Urlaubsort Bodenmais im Kreis Regen mit seinem Langlaufzentrum Bretterschachten, wo die Parkplätze derzeit ebenfalls oft voll sind. Um den Ansturm zu entzerren, fährt halbstündlich vom Ort aus der Skibus Richtung Langlaufgebiet und Arber. Am Donnerstag werden auch die WC-Container am Bretterschachten aufgesperrt. Ebenso die Loipen - insgesamt 120 Kilometer - sollen komplett durchgespurt werden, sobald es die Schneelage erlaubt. Momentan sind erst ein paar Kilometer durchgewalzt.

Ohne solche Maßnahmen würde alles ungeordnet ablaufen, argumentiert Tourismuschef Marco Felgenhauer. Die Leute wären überall im Wald unterwegs. So könne man alles viel besser unter Kontrolle halten. Mit dem Skibus könne man die Parkplatzsituation entzerren.

Besucher kommen aus halb Bayern

Unterwegs sind momentan auf Wanderwegen und in Skigebieten viele Einheimische, aber auch viele Tagesausflügler aus ganz Ostbayern. Am letzten Wochenende waren auch Besucher aus München, Freising und Nürnberg im Bayerischen Wald. Im Nationalparkgebiet waren die Wanderparkplätze größtenteils überfüllt. Die Parkverwaltung will nun mehr Ranger einsetzen und appelliert an Ausflügler, zumindest auf den Wegen zu bleiben. Das größte Problem für Natur und Wildtiere sei es, wenn Menschen quer durch die Wälder laufen. Für Verstöße gegen das Wegegebot in Schutzgebieten würde man sich inzwischen auch höhere Bußgelder wünschen.

Wanderparkplätze sind komplett voll

Auch am Tag vor Silvester sind viele Wanderparkplätze im Nationalpark Bayerischer Wald seit dem Vormittag wieder komplett überfüllt. Es gebe keine freien Kapazitäten mehr, meldet die Nationalparkverwaltung, vor allem an den Ausgangspunkten für beliebte Berggipfel wie dem Lusen. Die Nationalparkverwaltung hatte in der Früh schon um 9 Uhr festgestellt, dass einige Wanderparkplätze voll waren und gebeten, beliebte Ziele wie den Berg Lusen oder den Rachel nicht mehr anzufahren. Viele Wanderer drehten aber offenbar doch nicht um.

Rettungswege zugeparkt

Teilweise wurden wieder Rettungswege zugeparkt, auch Busbuchten oder Wendeplatten. Am Mittwoch Nachmittag will zum Beispiel die Grafenauer Polizei Kontrollfahrten unternehmen und sich ein Bild von der Lage machen. Gegebenenfalls würden Verwarnungen ausgestellt oder notfalls Autos abgeschleppt, je nachdem, wie gravierend die Parkverstöße seien.

Keine Entspannung in Sicht

Die Nationalparkverwaltung stellt sich auf weitere schwierige Tage mit Besucheransturm ein, hofft aber auch auf die Vernunft der Menschen, wie es hieß. Man solle zumindest die Parkregeln einhalten und das Wegegebot in den Schutzgebieten. Man darf im Nationalpark grundsätzlich die Wanderwege nicht verlassen.

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