Das Rathaus in Seeg
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Rücktritt des inhaftierten Seeger Bürgermeisters gefordert

Der Gemeinderat von Seeg im Ostallgäu fordert den eigenen Bürgermeister zum Rücktritt auf. Gegen den CSU-Politiker Berktold laufen derzeit Ermittlungen wegen des Verdachts auf Pflegebetrug in Millionenhöhe, er sitzt deshalb in Untersuchungshaft.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Schwaben am .

Seit Januar sitzt der Bürgermeister von Seeg im Ostallgäu in Untersuchungshaft – gegen ihn wird wegen eines mutmaßlichen Pflegebetrugs ermittelt. Der Gemeinderat hat sich jetzt entschlossen, Markus Berktold (CSU) zum Rücktritt aufzufordern.

Aufforderung soll am Freitag verschickt werden

Der Gemeinderat habe am Montag im öffentlichen Teil über ein entsprechendes Schreiben diskutiert und den Brief dann auch einhellig angenommen, erklärte die Leiterin der Geschäftsstelle der Gemeinde, Carolin Chilian, auf BR-Anfrage. Noch fehle eine Unterschrift, vermutlich am Freitag werde das Schreiben an den derzeit inhaftierten Bürgermeister in die Post gehen.

Rücktritt "zum Wohle der Gemeinde"

Der Gemeinderat legt Berktold darin den Rücktritt nahe, zum Wohle der Gemeinde, um den Weg für Neuwahlen freizumachen. Die Situation sei insbesondere für Berktolds Stellvertreter, den zweiten Bürgermeister Lorenz Schnatterer, derzeit immens schwierig. Schnatterer arbeitet im Gegensatz zu Berktold ehrenamtlich und ist offiziell zwei Tage pro Woche dafür freigestellt, tatsächlich seien es aber viel mehr Stunden, heißt es im Rathaus von Seeg. Und weil keiner wisse, wie die Ermittlungen im Zuge der Pflegebetrugsvorwürfe weitergehen, wie lange sie andauern und ob und wann Berktold überhaupt wieder seine Amtsgeschäfte aufnehmen könne, wolle man durch Neuwahlen diesen Zustand der Unsicherheit beenden.

Vorwurf: Über Scheinrechnungen Coronahilfen falsch abgerechnet

Der Seeger Bürgermeister Berktold steht im Verdacht, gemeinsam mit dem früheren Leiter des Seeger Caritasheims und dem dazugehörigen Pflegedienst über Scheinrechnungen Coronahilfen falsch abgerechnet zu haben. Laut Staatsanwaltschaft geht es bei dem mutmaßlichen Pflegebetrug um 1,1 Millionen Euro. Gegen den hauptamtlichen Bürgermeister wurde neben den Betrugsermittlungen auch ein Disziplinarverfahren eröffnet, anhängig bei der Landesanwaltschaft. Dieses Verfahren ruhe aber, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind, teilte die Landesanwaltschaft mit.

In einer früheren Version des Artikels war zu lesen, dass die Entscheidung über den Brief im nichtöffentlichen Teil der Sitzung fiel. Sie fiel allerdings im öffentlichen Teil. Wir haben die Stelle entsprechend korrigiert.

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