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Rückblick: Das war das Jahr 2020 in Oberfranken | BR24

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Ein Feuerwerk erleuchtet Kloster Michaelsberg in Bamberg. BR24 blickt zurück auf ein bewegtes Jahr in Oberfranken.

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Rückblick: Das war das Jahr 2020 in Oberfranken

Überraschungen bei der Kommunalwahl und eine Region, die nach Wegen aus der Auto-Krise sucht. Die erste Absage der Bayreuther Festspiele seit dem Zweiten Weltkrieg und sportliche Sensationen. Das und mehr hielt das Jahr 2020 in Oberfranken bereit.

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Von
  • Thorsten Gütling

JANUAR - Die Krise der Autobauer schlägt durch

Das Jahr startet in Bamberg und Umgebung mit einer Krise, da ist die Corona-Pandemie für viele noch gar nicht in Sicht. Die weltweit sinkende Nachfrage nach Autos mit Verbrennungsmotoren hat die Region stärker getroffen als andere. Große Zulieferbetriebe wie Bosch, Brose und Michelin stecken in der Krise. In und um Bamberg sind rund 20.000 Menschen bei diesen Betrieben beschäftigt. Etliche große und kleine Betriebe haben angekündigt, Mitarbeiter zu entlassen oder den Standort ganz aufzugeben. Um in Berlin auf den Ernst der Lage aufmerksam zu machen, und um Geld für die Entwicklung neuer Geschäftsfelder zu werben, statten Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Landrat Johann Kalb (CSU) Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) im Januar einen Besuch ab. Kurze Zeit später wird die regionale Entwicklungsgesellschaft für "Regionale Initiative Transformation Automobil" (RITA) gegründet. Einen ersten Lichtblick gibt es schließlich Ende des Jahres: Nachdem Bosch im April noch 1.400 Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt hat, erklärt das Unternehmen im Dezember, wieder Mitarbeiter einzustellen und ab dem Jahr 2024 serienmäßig Brennstoffzellen in Bamberg fertigen zu wollen.

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Bildrechte: Bayerischer Rundfunk 2019

Der Oberbürgermeister von Bamberg, Andreas Starke, fordert angesichts der Krise der Autozulieferer in Franken Hilfe von der Bundesregierung.

FEBRUAR - Streit um Touristen am Kornberg

Im Februar genehmigt das Landratsamt Wunsiedel den Bau des sogenannten Kornberghauses auf dem Großen Kornberg im Fichtelgebirge. Das Haus ist Teil eines großen Projektes, das dafür sorgen soll, dass der Kornberg ganzjährig touristisch genutzt werden kann. Bereits im Juni wird Richtfest gefeiert. Insgesamt werden fast sechs Millionen Euro investiert. Unter anderem ist auch der Bau einen Mountainbike-Parks geplant, der jährlich bis zu 10.000 Besucher auf den Kornberg locken soll. Während der Landkreis in der Verwirklichung des Projektes keine Beeinträchtigung der Natur sieht, solange umweltschonend gebaut wird, kritisieren Naturschützer das Projekt. Sie fürchten, dass durch den Bau des Mountainbike-Parks eines der bislang größten zusammenhängenden Reviere für scheue Wildtiere verloren geht. Im Oktober wird eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgelegt aus der hervorgeht, dass von dem Projekt keine Gefahr für die biologische Vielfalt am Kornberg ausgeht. Daraufhin versuchen die Gegner das Projekt zu stoppen, weil es die Öffentlichkeit an den Plänen nicht ausreichend beteiligt worden sei.

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Bildrechte: Kuchenreuther Architekten, Marktredwitz

So soll es aussehen, wenn es im Winter endlich fertiggestellt ist: Das sogenannte Kornberghaus auf dem Großen Kornberg.

Außerdem ereignet sich bereits im Februar einer der schwersten Verkehrsunfälle des Jahres in der Region. In Selb wird ein 19 Jahre alter Berufsschüler aus Kulmbach von einem Auto überfahren. Er stirbt trotz sofortiger Wiederbelebungsversuche noch an der Unfallstelle. Der junge Mann war mit einer Gruppe Mitschüler unterwegs, als das Unglück geschah. Über 20 Zeugen müssen noch vor Ort seelsorgerisch betreut werden. Eine Woche später wird Haftbefehl gegen den 20 Jahre alten Fahrer des Unfallwagens erlassen. Ihm wird vorgeworfen, ein illegales Straßenrennen durch Selb gefahren zu sein. Im September wird der Fahrer vor der Jugendkammer des Landgerichts Hof zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Staatsanwaltschaft und Familie des Opfers gehen in Revision. Nun beschäftigt sich der Bundesgerichtshof mit dem Fall.

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Bildrechte: picture alliance/Uli Deck

In Selb wird ein 19 Jahre alter Berufsschüler aus Kulmbach von einem Auto überfahren.

Social-Media-Highlight im Februar: Der Bauernhof-Kindergarten in Bamberg-Wildensorg. Hier erleben Kinder die Natur bei jedem Wetter. Sie dürfen Tiere versorgen und sollen so lernen und wertschätzen, wo Milch, Eier und Essen herkommen.

MÄRZ - Überraschungen bei der Kommunalwahl

Die Kommunalwahl 2020 hält in Oberfranken einige Überraschungen bereit. So werden in Bayreuth, Hof und Kulmbach die amtierenden Oberbürgermeister abgewählt. Die Entscheidung fällt vielerorts in der Stichwahl. Abgewählt werden unter anderem Henry Schramm (CSU) in Kulmbach, Brigitte Merk-Erbe (BG) in Bayreuth und Harald Fichtner (CSU) in Hof. Den wohl deutlichsten Sieg holt der Bürgermeister von Rödental im Landkreis Coburg: Marco Steiner (FW) kommt trotz Gegenkandidat auf rund 88 Prozent der Stimmen. Als erste Frau gelingt es Angela Hofmann (CSU) den Chef-Sessel im Kronacher Rathaus zu erklimmen. In Neustadt bei Coburg kommt es zum Duell zweier Rebhans, die weder verwandt noch verschwägert sind. Amtsinhaber Frank Rebhan (SPD) holt fast 73 Prozent der Stimmen, Wolfgang Rebhan (CSU) kommt auf rund 27 Prozent. Mit Hermann Anselstetter (SPD) aus Wirsberg im Landkreis Kulmbach wird außerdem der dienstälteste Bürgermeister Bayerns abgewählt. 1978 trat Anselstetter das Amt an. Mit 74 Jahren scheitert er aber bei dem Versuch, zum siebten Mal wiedergewählt zu werden an Gegenkandidat Jochen Trier. In Lichtenberg im Landkreis Hof hingegen wird mit dem erst 19 Jahre alten Kristan von Waldenfels (CSU) der jüngste Bürgermeister Bayerns gewählt. In Kulmbach und Bad Steben machen unterdessen Gerüchte um einen Wahlbetrug die Runde. In beiden Fällen werden die Ermittlungen später eingestellt.

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In der Stichwahl hatte sich in Bayreuth Thomas Ebersberger (CSU) gegen Amtsinhaberin Brigitte Merk-Erbe (BG) durchgesetzt.

Außerdem ein Thema im März: Eine Absage der Bayreuther Festspiele hat es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben – seit 1951 fand das Festival auf dem Grünen Hügel ohne Unterbrechung jährlich statt. Am 31. März bestätigt Festspielleiterin Katharina Wagner dem BR, dass die Bayreuther Festspiele in diesem Sommer wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden werden. Noch zwei Wochen zuvor war man optimistisch, die Festspiele trotz der Pandemie aufführen zu können. Die Stadt Bayreuth reagiert erst geschockt und dann mit einem alternativen Kulturprogramm namens Bayreuth Summertime, dass es auch nach Corona noch geben soll. Immerhin: 2021 sollen die Festspiele wieder stattfinden. Auf dem Spielplan steht dann eine Neuproduktion des "Fliegenden Holländer". Aufgeführt werden sollen auch der "Lohengrin", die "Meistersinger von Nürnberg" sowie der "Tannhäuser".

Social-Media-Highlight im März: Die ersten Menschen im Freistaat beginnen mit der Produktion von Mund-Nase-Masken. Eine der ersten ist Aleksandra Weigel, die einen Stoffladen in Marktredwitz im Landkreis Wunsiedel betreibt.

APRIL - Grünes Licht für Amazon in Hof

Bereits seit Februar wurde gemunkelt, im März gibt der Gemeinderat von Gattendorf im Landkreis Hof schließlich grünes Licht für eine Unternehmensansiedlung der besonderen Art. Direkt vor den Toren der Stadt Hof soll ein Logistikzentrum des Internet-Versandhändlers Amazon entstehen. Es soll eine der größten Niederlassungen von Amazon in Deutschland werden, rund 1.000 Arbeitsplätze sollen entstehen. Nur 13 vergleichbare Zentren gibt es zu dieser Zeit im Bundesgebiet. Zwischen Leipzig im Norden, Graben bei Augsburg im Süden und Bad Hersfeld im Westen, herrscht ein großer weißer Fleck auf Amazons Deutschlandkarte, den das Unternehmen mit der Ansiedlung bei Hof beseitigen will. Im Juli beginnt bereits die Erschließung des rund 22 Hektar großen Grundstücks an der A93, nahe der Ausfahrt Hof-Ost.

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Im März gibt der Gemeinderat von Gattendorf im Landkreis Hof grünes Licht für eine Ansiedlung von Amazon.

Im April außerdem noch Thema: Wegen der Corona-Pandemie wird die Saison auch in den Handball-Bundesligen abgebrochen. Aufgrund einer Quotientenregel, bei der die Punkte der Mannschaften durch die Anzahl der Spiele geteilt werden, steigt der Zweitligist HSC 2000 Coburg in die Erste Handballbundesliga auf. Weil der HC Erlangen zu diesem Zeitpunkt den 13. Platz in der Bundesliga belegt und damit in der Liga bleibt, spielen fortan zwei fränkische Vereine in der höchsten deutschen Spielklasse. Sie sind gleichzeitig die einzigen bayerischen Vertreter in Liga eins. Allerdings: Es läuft nicht gut für Coburg in der 1. Liga. Ende Dezember belegten die Coburg abgeschlagen den letzten Tabellenplatz. Selbst der Vergleich mit Mitaufsteiger Essen geht verloren.

MAI - Verwirrspiel um ein Schwimmbad in Forchheim

Verwirrung im Mai um das Königsbad in Forchheim. Obwohl nach der vierten Infektionsschutzverordnung bayernweit der Betrieb von Badeanstalten verboten ist, ruft Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) zum "Anschwimmen". Weil zuvor ein Hygieneplan erarbeitet worden sei, sieht man sich in Forchheim als ein Schwimmbad, sondern vielmehr als eine Sportstätte. Bis zu 800 Badegäste täglich sollen so trotz Pandemie die Freiflächen des Schwimmbades nutzen können. Das Landratsamt muss einschreiten und die Öffnung des Bades verhindern. Dagegen klagt Oberbürgermeister Kirschstein vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth. Das Gericht lehnt einen entsprechenden Eilantrag aber ab. Die Öffnung von Freibädern wird in Bayern schließlich zum 8. Juni wieder erlaubt.

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Das Königsbad in Forchheim wollte seinen Außenbereich unter strengen Hygiene-Auflagen öffnen. Das Landratsamt hat das untersagt.

JUNI - Streit um das Coburger Stadtwappen

Im Juni rückt die Stadt Coburg in die Schlagzeilen. Eine Petition will das Stadtwappen ändern. Das zeigt einen schwarzen Kopf mit dicken Lippen und großem Ohrring, den Coburger Mohren. Die Initiatoren der Petition kritisieren die Darstellung als ein rassistisches Überbleibsel der Kolonialzeit. Die Stadt reagiert überrascht. Bei dem dargestellten Mann handle es sich um den Heiligen Mauritius, einem Führer einer römischen Legion aus Ägypten christlichen Glaubens, heißt es. Er sei zwar nicht schwarz gewesen, allerdings habe man ihm schon im Spätmittelalter als stereotypen Afrikaner als Schwarzen dargestellt. Bei einem Kriegseinsatz in der Schweiz sei der Mann wegen seines Glaubens hingerichtet und als Märtyrer und später als Heiliger angerufen worden. Die Abbildung des Mannes sei insofern ein Zeichen immenser Hochachtung und keine Abwertung. Bereits kurze Zeit später fordert eine zweite Petition daher, das Stadtwappen Coburgs auf gar keinen Fall zu verändern. Der Fall landet schließlich vor dem Innenausschuss des Bayerischen Landtags. Dort heißt es, eine Entscheidung über die Änderung des Stadtwappens könne nur die Stadt selbst treffen. Die Stadt Coburg wird aber gebeten, wie die Landkreise Freising und Garmisch-Partenkirchen übrigens auch, die Diskussion darüber ergebnisoffen zu führen.

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Eine Petition will das Coburger Stadtwappen verändern. Es zeigt einen schwarzen Kopf mit dicken Lippen und großem Ohrring, den Coburger Mohren. Die Initiatoren der Petition halten das für rassistisch.

JULI - Ordensfrau soll wegen Kirchenasyl vor Gericht

Ebenfalls im Juli soll die Äbtissin von Kirchschletten bei Zapfendorf vor Gericht stehen. Der Ordensfrau Mechthild Thürmer wird vorgeworfen, mehr als 30 Menschen Kirchenasyl im Landkreis Bamberg geboten zu haben. Sie habe damit Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt geleistet, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Bamberg. Eine daraufhin verhängte Geldstrafe in Höhe von 2.500 Euro hatte die Äbtissin des Benediktinerinnenklosters nicht bezahlt. Der anberaumte Prozess wird allerdings verschoben, weil die Staatsanwaltschaft noch zu weiteren Vorwürfen gegen die Äbtissin ermittelt. Erst ein Jahr zuvor stand mit dem Immenstädter Pfarrer Ulrich Gampert zum ersten Mal in Bayern ein Pfarrer wegen Kirchenasyls vor Gericht. Das Verfahren wurde wegen geringer Schuld gegen eine Geldstrafe von 3.000 Euro eingestellt. Es gäbe keine grundsätzliche Entscheidung darüber, ob das Kirchenasyl rechtens sei oder nicht, sagte eine Richterin des Amtsgerichts Sonthofen im Landkreis Oberallgäu damals zur Begründung. Jeder Fall sei einzeln zu betrachten. Im November erhält Mechthild Thürmer für ihre Flüchtlingsarbeit den Göttinger Friedenspreis.

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Im Benediktinerkloster Kirchschletten im Landkreis Bamberg wurden immer wieder Flüchtlinge aufgenommen, denen die Abschiebung drohte. Jetzt muss sich die Ordensfrau Mechthild Thürmer deswegen strafrechtlich verantworten.

Außerdem gibt es am 1. Juli einen Grund zu feiern. Auf den Tag genau 100 Jahre gehört Coburg nun zum Freistaat Bayern. Coburg ist damit der jüngste Gebietszuwachs Bayerns. Eigentlich sollte das Jubiläum mit einem Staatsempfang gefeiert werden, der wegen der Corona-Pandemie aber nicht stattfinden kann. Wie es zum Anschluss Coburgs kam? Zunächst dankte nach dem Ersten Weltkrieg der Coburger Herzog ab und das Herzogtum wurde eine eigene Republik, der Freistaat Coburg. Schnell suchte man aber Abschluss. Thüringen fühlte man sich zwar über die Herzogtümer eng verbunden, weil sich die Bevölkerung in Kriegszeiten aber bei der Lebensmittelzuteilung benachteiligt fühlte, stimmten die Coburger mit großer Mehrheit gegen einen Anschluss an Thüringen. Bayern hingegen bat Sicherheit und Stabilität. In den Verhandlungen konnte Coburg schließlich gewisse Sonderrechte durchsetzen, die teilweise heute noch bestehen. So gibt es in Coburg zum Beispiel noch heute eine eigenständige Industrie- und Handelskammer und ein Landestheater. Außerdem wurde die Coburger Landesstiftung im Vertrag verankert, die noch heute im Besitz beeindruckender Kulturschätze ist. Bayern wiederum nahm das vor Kultur und Historie strotzende Coburg gerne auf.

Social-Media-Highlight im Juli: Die Bayreuther Feuerwehr und der Katastrophenschutz haben ein neues Feuerwehrauto bekommen. Ein Einsatzwagen der Superlative, so die Feuerwehr.

AUGUST - Frankenwaldbrücken dürfen gebaut werden

Im August steht fest: Die zwei umstrittenen Frankenwaldbrücken im Landkreis Hof dürfen gebaut werden. Nach monatelangem Streit erteilt Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (FW) die dafür nötige Ausnahmegenehmigung. Damit setzte sich das Umweltministerium über die Bedenken der Experten des Naturschutzbeirates der Regierung von Oberfranken hinweg. Der Beirat fürchtete, dass es allenvoran durch den Bau der längeren der beiden Brücken - der sogenannten Höllentalbrücke - zu Verstößen gegen die Naturschutzziele im Naturschutzgebiet Höllental kommt. Hofs Landrat Oliver Bär (CSU) hielt dennoch an den Bauplänen fest und schaltete das Umweltministerium ein. Die Brücken sollen nun so umweltverträglich wie möglich gebaut werden und jedes Jahr rund 100.000 Besucher in die Region locken. Mit einer Länge von mehr als 1.000 Metern soll die Höllentalbrücke die weltweit längste Hängebrücke für Fußgänger werden. Zwei Bürgerbegehren waren zuvor zugunsten des Brückenbaus ausgegangen. 2023 sollen die ersten Besucher über die Höllentalbrücke gehen.

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Umweltminister Thorsten Glauber (FW) spricht sich für den Bau der umstrittenen Hängebrücke über das Naturschutzgebiet Höllental aus.

SEPTEMBER - Milliardenschwerer Anlagebetrug erschüttert auch Bamberg

Im September wird bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Hannover gegen eine Investorengruppe aus Niedersachsen ermittelt. Das lässt auch die Bamberger aufhorchen. Schließlich handelt es sich bei dem Unternehmen um den Eigentümer eines Denkmals in der Unteren Königsstraße, das seit Jahren verfällt. In vielen anderen deutschen Städten verfallen die Gebäude der Gruppe ebenfalls. Die Rede ist von der seit Juli insolventen Investorengruppe German Property Group, vormals Dolphin Trust. Gegen die Gruppe ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Anlagebetrug. Bereits im Jahr 2019 hatte der BR über die rätselhaften Geschäfte der Gruppe berichtet. Gegen Geld der Anleger versprach die Immobilienfirma, sanierungsbedürftige, denkmalgeschützte Häuser in ganz Deutschland aufzukaufen, darin Wohnungen zu schaffen und diese weiter zu verkaufen. Den vor allem ausländischen Anlegern wurden dabei Renditen von über zehn Prozent versprochen. Allerdings: Mit der Sanierung wurde meist gar nicht erst begonnen. Weltweit sollen Anleger so Milliarden von Euro verloren haben. Experten vermuten einen der größten Anlegerskandale der vergangenen Jahre in Deutschland.

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Ein Immobilienentwickler in Hannover sammelt weltweit Millionen bei Anlegern ein. Das Geschäftsmodell: Kauf und Sanierung denkmalgeschützter Gebäude in Deutschland - auch in Bayern.

OKTOBER - Ermittlungen im Fall Peggy eingestellt

Fast 20 Jahre lang wurde ermittelt. Wer die damals neun Jahre alte Peggy Knobloch aus Lichtenberg im Landkreis Hof ermordet hat, konnten die zeitweise 40 mit dem Fall beschäftigten Ermittler aber nicht klären. Am 22. Oktober verkünden Polizei und Staatsanwaltschaft, dass die Ermittlungen im Mordfall Peggy eingestellt werden. Auch gegen Manuel S., den letzten Verdächtigen, liegen demnach nicht genügend Beweise vor, die eine Anklage wegen Mordes rechtfertigen würden. Strafvereitelung oder unterlassene Hilfeleistung mit Todesfolge sind längst verjährt und können nicht mehr angeklagt werden. Die Reaktionen darauf reichen von Erleichterung bis Verwunderung.

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Fast 20 Jahre lang ist im Fall der ermordeten Peggy Knobloch aus Lichtenberg ermittelt worden. Nun hat die Staatsanwaltschaft Bayreuth die Ermittlungen eingestellt.

Ebenfalls im Oktober gewinnt der Coburger Kevin Krawietz zusammen mit seinem Kölner Doppel-Partner Andreas Mies mit den French Open eines der wichtigsten Tennisturniere der Welt. Als wäre das nicht besonders genug, handelt es sich bei dem Triumph der beiden gleich noch um eine Titelverteidigung. In der gesamten Tennis-Geschichte gelang das ei den French Open nur vier Herren-Doppeln. Schon der Husarenstreich im Vorjahr war ein Sport-Märchen. Zum ersten Mal seit 82 Jahren triumphierte ein deutsches Tandem in Roland Garros.

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Der Coburger Kevin Krawietz und sein Kölner Doppelpartner Andreas Mies haben ihren Titel bei den French Open erfolgreich verteidigt.

NOVEMBER - Einkaufszentrum "Hof-Galerie" scheitert

Die Corona-Pandemie lässt in Hof auch die Pläne für den Bau des seit Jahren geplanten Einkaufszentrums "Hof-Galerie" ins Stocken geraten. Der Investor will plötzlich nicht mehr an dem Projekt auf dem früheren Strauß-Areal festhalten, weil nicht klar sei, wie sich die Pandemie langfristig auf den Einzelhandel auswirke. Stattdessen könnte neuer Wohnraum entstehen. Bis es soweit ist, beschließt der Stadtrat im November, aus der großen Brachfläche inmitten der Stadt einen Park zu machen. Im Frühjahr sollen Pflanzkübel, Containerbäume, Sitzgelegenheiten und Kinderspielgeräte rund um den großen Schutthaufen vorübergehend einen Platz zur Erholung bilden.

DEZEMBER - Kostenexplosion beim Landestheater Coburg

Das Landestheater in Coburg wird saniert. Damit in den neun Jahren, die die Sanierung voraussichtlich dauern wird, weiter große Theater- und Musikaufführungen in Coburg stattfinden können, wird mit dem Globe-Theater seit Oktober eine spektakuläre Ausweichspielstätte gebaut. In der Dezembersitzung des Coburger Stadtrats dann der Schock: Die Kosten für die Sanierung des Landestheaters sind förmlich explodiert. Statt von 60 ist nun von 190 Millionen Euro die Rede. Die Kostensteigerung sei auf Baupreisteuerungen und die Einberechnung von Risikokosten zurückzuführen, heißt es zur Begründung. Zwischen dem Freistaat Bayern und der Stadt Coburg besteht seit 2016 eine Finanzierungsvereinbarung. So übernimmt der Freistaat 75 Prozent der Kosten für die Sanierung des Haupthauses und die Hälfte der Kosten für Nebengebäude. Ursprünglich hätte die Stadt rund 13 Millionen Euro beisteuern müssen. Für Coburg stellt die Kostenexplosion nun einen enormen finanziellen Kraftakt dar, heißt es.

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Mitte 2022 läuft die Betriebserlaubnis für das Landestheater in Coburg aus. Es besteht Sanierungsbedarf. Aber die Kosten explodieren.

Genau eine Woche vor Weihnachten läuft in Hallstadt bei Bamberg außerdem der letzte Michelin-Reifen vom Band. Der französische Automobilzulieferer beendet die jahrzehntelange Reifenproduktion an seinem oberfränkischen Standort. Von der Werksschließung sind knapp 860 Beschäftigte betroffen. Die Kombination aus Corona-Pandemie und Krise der deutschen Autobauer, hat dem Unternehmen wie vielen Zulieferbetrieben rund um Bamberg, Forchheim und Erlangen schwer zu schaffen gemacht. Auf dem Hallstädter Gelände soll nun der sogenannten "Cleantech Innovation Parc" ein neuer Wissenschaftspark in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik entstehen. Zukunftsfähige Geschäftsfelder will Michelin dort entwickeln. 65 der früheren Werksmitarbeiter sollen so einen neuen Job finden.

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Das ist der letzte Reifen, der im Michelin-Werk in Hallstadt bei Bamberg produziert wurde.

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