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Rückblick: Das Jahr 2020 in Niederbayern | BR24

© pa/dpa/Armin Weigel

Die Donau fließt am Rande des Bayerischen Waldes durch Niederbayern

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Rückblick: Das Jahr 2020 in Niederbayern

2020 - ein Ausnahmejahr und eines, das sicher in die Geschichtsbücher eingehen wird. Auch in Niederbayern ist viel passiert, was zuvor undenkbar schien. Neben Corona bestimmten auch Wölfe, Menschenmassen, die Donau und ein Lied darüber unser Leben.

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Von
  • Kathrin Unverdorben

Das Jahr 2020 - im Rückblick turbulent, hoffentlich einmalig und mit Sicherheit historisch. Dabei begann es so bescheiden und ruhig.

Januar: Wolfsspuren im Schnee und Skifahren im Gras

Im Januar 2020 tappen auf leisen Tatzen Wölfe in den Wäldern rund um die Berge Falkenstein und Rachel im Nationalpark Bayerischer Wald. Die Nationalparkverwaltung entdeckt ihre Spuren im Schnee. Man findet auch drei Liegeplätze und geht davon aus, dass die Tiere im Nationalparkgebiet ansässig, also keine Durchzieher sind. Die Wildtiere haben nicht nur Jubel ausgelöst - es entbrennt erneut eine Debatte um die scheinbar friedlichen Waldbewohner.

In den beiden direkt aneinander angrenzenden Nationalparks Bayerischer Wald und Böhmerwald leben mittlerweile zwei Wolfsrudel.

© Nationalpark Bayerischer Wald

Einer der Wölfe, aufgenommen von einer Wildkamera

Während die Wölfe ihre Spuren im Schnee hinterließen, warten die Wintersport-Fans sehnsüchtig auf jenen. Die Schnee-Situation im Bayerischen Wald ist mehr als bescheiden. Und dann passiert im Januar etwas Kurioses: Statt der Skipiste öffnet am Geißkopf bei Bischofsmais im Landkreis Regen der Bikepark. Rad- statt Skifahren - die Wintersportorte im Bayerischen Wald machen sich große Sorgen. Im Februar hat der Schnee-Gott dann ein Einsehen.

© BR/ Konstantin König

Der Bikepark am Geißkopf in Bischofsmais

Merkel in Deggendorf

Ende Januar kommt Besuch aus Berlin nach Niederbayern: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nimmt an der Veranstaltung "Ehrenamt im Dialog" in Deggendorf teil. Sie würdigt dort 2.500 Ehrenamtliche und verspricht, die Rahmenbedingungen für das Ehrenamt zu verbessern. Am Rande der Veranstaltung demonstrierten Bauern gegen die Agrarpolitik.

© BR/Harald Mitterer

Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Besuch in Deggendorf - mit Deggendorfs OB Christian Moser (li.) und Landrat Christian Bernreiter

Februar: Sturmtief Sabine saust über Niederbayern

Nach dem relativ ruhigen Januar wird es im Februar stürmisch. Orkan Sabine fegt über die Region, fordert ein Todesopfer, entwurzelt riesige Bäume, zerstört etliche Gebäude und sorgt für mehrtägige Schulausfälle im Raum Freyung und Passau, in den Landkreisen Dingolfing-Landau und Rottal-Inn. Sabine - sagen Meteorologen - war einer der am längsten anhaltenden Stürme, die es in Bayern je gab: Er wütete 48 Stunden. Die Spitzenböen mit 155 Stundenkilometern im Flachland wurden in Fürstenzell bei Passau gemessen.

© news5

Eine mehrere hundert Jahre alte Eiche fiel auf das Feuerwehrhaus in Mitterstetten im Kreis Kelheim

© BR/Christian Riedl

Das Dach einer Recyclingfirma bei Osterhofen im Kreis Deggendorf wurde zerstört

Spätestens jetzt hat das Jahr Fahrt aufgenommen und mündet in einen turbulenten Frühling, der seinesgleichen hoffentlich nicht mehr finden wird.

März: Corona kommt näher und endet im Shutdown

Anfang März wird der erste Coronafall in Niederbayern bekannt: Ein Mann aus Vilshofen im Kreis Passau hatte sich im Urlaub angesteckt und wird mit leichten Symptomen auf der Isolierstation des Klinikums Passau betreut.

Dann geht es Knall auf Fall: der zweite Patient, Vilshofen schließt als erste Stadt in Niederbayern einige Einrichtungen - vorsorglich, wie es heißt. Von Kelheim bis ins Rottal werden nach und nach weitere Veranstaltungen abgesagt. Am 15. März kündigt die Bayerische Staatsregierung den Shutdown an und ruft den Katastrophenfall aus. Die Schulen werden geschlossen, die Grenzen zu Niederbayerns Nachbarn Tschechien und Österreich dicht gemacht.

Am 18. März passiert Unglaubliches: Europas größtes BMW-Werk in Dingolfing stellt die Fahrzeugproduktion ein. Ende März meldet BMW für 20.000 Mitarbeiter Kurzarbeit an. Erst sieben Wochen später wird das Werk in Dingolfing wieder langsam hochgefahren.

Am 21. März wird schließlich ganz Bayern heruntergefahren, mit weitreichenden Folgen für die Wirtschaft. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Das Leben verändert sich schlagartig - und unter anderem in Niederbayern beginnen Firmen, ihre Produktion auf das Nähen von Mund-Nasen-Masken und Desinfektionsmittel umzustellen.

© BR/Harald Mitterer

Der Autozulieferer Zettl Automotive im Landkreis Landshut fertigt statt Leder für Autoarmaturen nun Mundschutzmasken

Kommunalwahl in der Krise

Mitten in diese schwierige Zeit fällt die Kommunalwahl in Bayern. Die Wahllokale sind trotz Corona am 15. März geöffnet. Eine Woche später müssen die Menschen in 36 niederbayerischen Orten erneut wählen.

Nach Wahl und Stichwahl ist dann klar: Es gibt einige Chef-Wechsel in niederbayerischen Landratsämtern und mehreren Rathäusern. Unter anderem hört Bayerns dienstältester Landrat Heinrich Trapp (SPD) auf. Seit 1991 war er Landrat des Landkreises Dingolfing-Landau. Neue Bürgermeister bekommen unter anderem Bad Füssing im Landkreis Passau, Bogen, Vislbiburg im Landkreis Landshut, Dingolfing, Kelheim, Mainburg und Regen. Die Oberbürgermeister der drei großen Städte in Niederbayern Landshut, Straubing und Passau, wurden in ihren Ämtern bestätigt.

Urteil im Bayern-Ei-Prozess

Als wären Corona und Wahl nicht schon genug, sorgt noch das Ende eines spektakulären Gerichtsprozesses für Aufsehen im März. Sechs Jahre nach dem Salmonellen-Skandal um die Firma Bayern-Ei aus Aiterhofen im Kreis Straubing-Bogen wird am 17. März der frühere Geschäftsführer verurteilt. Er bekommt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Das Landgericht Regensburg legt ihm Betrug in 190 Fällen sowie 26 Fälle der fahrlässigen Körperverletzung zur Last.

Dass er die Salmonellen-Erkrankungen durch verseuchte Eier bewusst in Kauf genommen hatte, kann ihm nicht nachgewiesen werden.

© BR/Wenleder

Der verurteilte Ex-Bayern-Ei-Geschäftsführer (re.) und dessen Anwalt (li.) im Gerichtssaal

April: Baumarkt-Boom und Fest-Absagen

Nach einem Monat Shutdown werden am 20. April erste Lockerungen genehmigt. So dürfen Gärtnereien wieder öffnen. Auch in Niederbayern mussten sie während des Lockdowns viele Frühlingspflanzen auf den Kompost werfen. Einige hielten sich mit Lieferservices über Wasser.

Auch Baumärkte öffnen wieder und erleben einen regelrechten Ansturm. Zum Beispiel gibt es vor dem Baumarkt Hornbach in Straubing anfangs lange Schlangen, was auch der Jahreszeit geschuldet war: Der Frühling steht vor der Tür und jeder braucht plötzlich Garten- und Balkonzubehör.

© BR/Martin Gruber

Im Gewächshaus der Gärtnerei Trinkaus in Tiefenbach.

Dass Corona noch lange nicht vorbei ist, zeigt sich im April, als etliche große Feste schon für den Sommer oder darüber hinaus abgesagt werden. "Ein harter Schlag mit Ansage", nennt es der Wirtesprecher Martin Lechner vom Gäubodenfest in Straubing. Das zweitgrößte Volksfest Bayerns wird abgesagt, nachdem die Bundesregierung aufgrund der Corona-Pandemie alle Großveranstaltungen bis 31. August verboten hatte.

Es folgen Absagen für den Gillamoos in Abensberg im Kreis Kelheim, die Passauer Maidult, das Drumherum-Volksmusikfestival in Regen, die Landshuter Hochzeit oder die Landesgartenschau in Freyung. Die Veranstalter verschieben die Termine - Landshuter Hochzeit und Landesgartenschau werden zum Beispiel im Jahr 2023 stattfinden - oder sie lassen sich etwas einfallen.

Mai: Dult-to-go und Zamhalten in der Krise

In Landshut zum Beispiel wird im Mai statt der traditionellen Frühjahrsdult eine Dult-to-go veranstaltet: Frisch gebratene Hendl, Fisch, gebrannte Mandeln und Bier gibt es im Drive-In zu kaufen. Manche sitzen beim Durchfahren sogar in Tracht im Auto.

© BR/Harald Mitterer

Steckerlfisch beim Durchfahren der Dult-to-go in Landshut

Auch im Landkreis Rottal-Inn läßt man sich so einiges einfallen in der Krise: einen Lieferservice für Bücher, das Projekt "Nähen gegen Corona", bei dem Masken auf einer Leine aufgehängt werden und sich jeder eine herunternehmen kann und ein Lied, das Mut machen soll: "Danke, ihr sads genial!", vom Kabarettisten Woife Berger alias "Der Fälscher". Ein Lied für alle stillen Helden der Corona-Krise, in dem es um Zusammenhalt geht.

#rottalinnhoitzam - ist das Motto im stark von Corona betroffenen Landkreis. So helfen zum Beispiel Mitarbeitende des Theater an der Rott bei der Kontaktermittlung im Landratsamt mit.

© BR/Nadine Cibu

Petra Fuchs vom gemeinnützigen Verein "Spielcafé der Generationen" neben dem Zaun, an dem die selbstgenähten bunten Masken hängen

© BR/Nadine Cibu

Der Kabarettisten Woife Berger hat einen Zusammenhalt-Song geschrieben

© BR/Layla Heyne

Das Kontaktermittlungsteam ruft täglich hunderte Nummern an

Viel Frust bei Gastronomen und Thermen-Betreibern

Anfang Mai ist der Frust bei Gastronomen hoch. Mit Aktionen machen sie auf ihre Situation aufmerksam. Denn auch wenn bekannt wird, dass die Außenbereiche von Lokalen nach acht Wochen am 18. Mai wieder öffnen dürfen, sehen sie ihre Existenzen bedroht. In Straubing äußern sich Angst und Wut in der Aktion "Leere Stühle".

© BR/Sarah Beham

Politiker und Gastronomen bei der "Leere Stühle"-Aktion auf dem Straubinger Stadtplatz

Auch die Thermen-Betreiber im niederbayerischen Bäderdreieck - Bad Birnbach im Landkreis Rottal-Inn, Bad Füssing und Bad Griesbach im Kreis Passau, fürchten nach acht Wochen Schließung stark um ihre Existenz - beziehungsweise um die Existenz der ganzen Region. Diese hängt nämlich extrem von den Thermen ab.

"Für alle Thermen, aber vor allem für die gesamte Region ist die aktuelle Lage der absolute Super-GAU", sagt Josefine Kohlmeier, Leiterin der Rottal Terme. "Wir haben Einbußen im siebenstelligen Bereich, unser Ort blutet." Besonders der Tourismus ist mit den Thermalbädern eng verstrickt, da diese die Hauptattraktion sind. Bleiben die Thermen geschlossen, werden auch die Gäste fernbleiben. Bad Birnbach sei ein reiner Kurort: "Wir leben hier vom Tourismus, wir haben hier quasi eine Monokultur", erklärt Kohlmeier. Somit würden genauso die Hotellerie wie auch die Gastronomie in Mitleidenschaft gezogen.

(Zweieinhalb Wochen nach den Hilferufen der Thermen ist es dann am 8. Juni soweit: Sie dürfen - allerdings nur ihre Außenbereiche - wieder öffnen.)

© Georg Stahlbauer

Die Thermen-Landschaft von Bad Birnbach von oben

Als die Gastronomie-Außenbereiche unter strengen Auflagen am 18. Mai wieder öffnen dürfen, ist die Sehnsucht der Passauer nach einem Biergartenbesuch groß: Um 11 Uhr stehen schon die Ersten am Eingang des Hacklberger Biergartens und warten auf Einlass. Masken aufsetzen, Abstand halten, Einbahnstraßenregelungen bei der Essensausgabe, Kontaktbogen ausfüllen - das gilt für alle.

Die Innenbereiche von Gaststätten folgen am 25. Mai. Hotels dürfen am 30. Mai wieder öffnen.

© BR/Katharina Häringer

Die ersten Besucher nach dem Lockdown im Hacklberger Biergarten in Passau

Juni: Ärger um das Donaulied und einen Freispruch

Eine 22-jährige Passauer Kulturwirtschafts-Studentin startet eine Petition gegen das Donaulied. Ihrer Meinung nach vermittle das Donaulied ein Weltbild, das sexuelle Gewaltphantasien gegen Frauen verherrliche. Andere Donau-Städte - wie Straubing - ziehen nach. Das stößt im Juni eine bayernweite Diskussion an, über Sexismus und Gewalt in Volksliedern und darüber, ob man es nicht auch übertreiben könne und nicht alte, traditionelle Lieder unangetastet bleiben müssten. Kurz darauf entwickelt sich auch die Gegen-Strömung "Rettet das Donaulied".

Die Passauer Petition unterschreiben am Ende mehr als 36.000 Menschen und sprechen sich dafür aus, dass das Donaulied nicht mehr auf Passaus Volksfesten gespielt wird.

© pa/dpa/Armin Weigel

Ein Notenblatt mit dem Donaulied-Text am Donauufer

Neben dem Donaulied erregt ein Freispruch Mitte Juni die Gemüter in Niederbayern. Nach vielen Jahren wird ein angeklagter Unternehmer im Wahlfälschungsprozess von Geiselhöring im Landkreis Straubing-Bogen freigesprochen. Das Gericht ist letztendlich nicht von seiner Schuld überzeugt. Ihm war vorgeworfen worden, die Kommunalwahl 2014 in Geiselhöring mit Hilfe von mehr als 400 Erntehelfern zu Gunsten seiner Frau und weiterer CSU-Kandidaten gefälscht zu haben. Auch weil der Prozess etliche Male verschoben worden war, sind viele Prozessbeobachter am Ende unglücklich über das Urteil.

© pa/dpa/Armin Weigel

Der angeklagte Unternehmer aus Geiselhöring im Gericht

Juli: Donauausbau und Over-Tourism

Im Juli wird wahr, was Generationen von Politikern über Jahrzehnte lang hitzig diskutiert, ambitioniert angeschoben und am Ende durchgesetzt hatten: Der Donauausbau zwischen Straubing und Deggendorf (38 Kilometer) beginnt. Der Spatenstich erfolgt mit viel Politprominenz am 16. Juli nahe des Polders Sulzbach bei Niederwinkling im Kreis Straubing-Bogen. Die Politik verspricht sich von dem Milliardenprojekt mehr Hochwasserschutz, bessere Mobilität für die Schifffahrt und Maßnahmen für den Umweltschutz.

Das Planfeststellungsverfahren für den Donauausbau im zweiten Abschnitt - zwischen Deggendorf und Vilshofen mit der Isarmündung und der Mühlhammer-Schleife - läuft derweil weiter.

© pa/dpa/Armin Weigel

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (li.), Ministerpräsident Markus Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (re.) beim Spatenstich

Auch Corona gibt es weiterhin - zwar auf relativ niedrigem Niveau im Sommer - trotzdem machen sich die Auswirkungen zum Beispiel in der Tourismusbranche stark bemerkbar. Weil viele ihren Urlaub wegen der Pandemie zuhause verbringen, werden die Gipfel des Bayerischen Waldes gestürmt. Das hat Parkplatzprobleme, Gedränge und Missverständnisse zur Folge: Im Juli berichten der Nationalparkleiter und der Einsatzleiter der Bergwacht Zwiesel von Parkplätzen am Limit, von Sommerklapperl-Touristen auf dem Berg und von Besuchern, die den Wald mit einem Vergnügungspark verwechseln und nach Fahrgeschäften fragen.

Auch der ADAC bescheinigt dem Bayerischen Wald im Sommer "chaotische Zustände" in den sonst so beschaulichen Orten. Diese sind auf einen derartigen Andrang an Autos und Menschen nicht vorbereitet. Joachim Haller (CSU), der Bürgermeister von Bodenmais im Kreis Regen sagt: "Wir freuen uns ja über die Beliebtheit unseres Ortes und unserer Region. Jedoch brauchen wir nun Lösungen, um dem Ansturm Herr zu werden."

© Bodenmais Tourismus & Marketing GmbH

Laut ADAC herrschen "chaotische Zustände" in Bodenmais

Mamming wird Corona-Hotspot

Mitten in der Sommeridylle dann die Schlagzeile "Corona-Ausbruch bei Erntehelfern in Mamming". 174 Erntehelfer hatten sich anfangs infiziert, was kurze Zeit später die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) in den Landkreis Dingolfing-Landau auf den Plan ruft. Sie kritisiert den landwirtschaftlichen Betrieb, wo das Hygienekonzept nicht adäquat umgesetzt worden sei. SPD und Grüne im Landtag kritisieren wiederum die Staatsregierung: Schon nach dem Corona-Ausbruch in einem Geflügelschlachthof in Bogen hätte man ein Sonderkontrollprogramm für Bauernhöfe mit Erntehelfern gebraucht.

Die Diskussionen gipfelt Ende Juli in Anfeindungen gegen Mammings Einwohner. "Ich höre oft, ihr seid hier nicht mehr willkommen", erzählt eine Mammingerin im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Auch Landrat Werner Bumeder (CSU) berichtet, dass bereits die ersten bayerischen Campingplätze einen negativen Corona-Test von Mammingern einfordern.

Nach Massentests an insgesamt vier Test-Stationen dann nach ein paar Tagen eine kurzfristige Erleichterung: Zwar werden weitere Erntehelfer positiv getestet, aber keiner der Mamminger. Die Entwarnung weilt nur kurz, bis ein erneuter Corona-Ausbruch in einer Konservenfabrik in Mamming bekannt wird. Insgesamt waren es am Ende über 400 Infizierte - in einer Gemeinde mit nicht ganz 3.000 Einwohnern. Mittlerweile ist es August.

© pa/dpa/Sven Hoppe

Das Ortsschild von Mamming, dahinter Unterkünfte der Erntehelfer

© BR/Andrea Neumeier

Die Corona-Teststation in Mamming

August: Hochwasser und tödliches Wasser

Anfang August regnet und regnet es, weswegen die Wasserwirtschaftsämter Landshut und Deggendorf steigende Flusspegel an der Isar in Landshut, am Inn in Passau und an der Donau in Deggendorf und Passau erwarten. Genauso kommt es. Die Stadt Passau stellt sich auf einen Donaupegel von 8,50 Meter ein und schützt Gebäude mit Sandsäcken. Auch in Kelheim und Landshut werden Meldestufen erreicht. Bewohnern von Senken wird geraten, ihre tiefergelegenen Räume zu kontrollieren.

Schnell kommt nach nur wenigen Tagen die Entwarnung: Das Hochwasser geht zurück, gefährliche Pegelstände wurden nicht erreicht. "Passau hatte Glück", sagt Stadtbrandrat Andreas Dittlmann, "ein Tag mehr Regen, und wir hätten ein Szenario wie 2013 gehabt".

© BR/Martin Gruber

Fahrräder im Donau-Hochwasser in Passau

Sofort auf das Hochwasser folgt eine Hitzewelle. Diese zieht die Menschen wiederum ins Wasser. Weil es in Corona-Zeiten vielerorts kompliziert ist mit einem Freibadbesuch, bevorzugen viele das kalte Nass im Fluss. Leider auch welche, die nicht besonders gut schwimmen können. Niederbayern verzeichnet im Sommer 2020 etliche Badetote in der Donau, darunter auch ein vierjähriger Bub. Er war bei Osterhofen im Kreis Deggendorf untergegangen. Die Kriminalpolizei Deggendorf ermittelt, ob die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben.

© zema-medien

Die Unglücksstelle bei Osterhofen, an der der Vierjährige von der Donau mitgerissen wurde

Reiserückkehrer und die Testpanne

Im August steigen die Coronazahlen erneut, auch wegen der Reiserückkehrer. Bundesweit wird eine Testpflicht eingeführt. In Niederbayern wird eine große Teststation an der A3 bei Passau aufgebaut. Tausende lassen sich täglich testen - die freiwilligen Helfer sind am Limit.

Dann passiert noch eine Panne: Hunderte positive Tests wurden nicht übermittelt. Der Posten der bayerischen Gesundheitsministerin wackelt. Die Ehrenamtlichen in Passau sind sauer. Michael Wenig, der stellvertretende Kreisgeschäftsführer des BRK Passau sagt, es ist "ein Schlag ins Gesicht aller Ehrenamtlicher, die 24 Stunden bei 35 Grad draußen standen und ihr Bestes gegeben haben". Die Testzentren seien über Nacht aufgebaut worden und die Helfer hätten nur mit den ihnen zur Verfügung gestellten Materialen arbeiten können. Das waren im Fall der Kontakterfassung: Zettel und Stift.

Ende August - die A3-Teststation wurde mittlerweile von einem privaten Betreiber übernommen - müssen Hunderte Menschen in der Hitze auf ihre Tests warten, weil sich Mitarbeitende der Station selbst angesteckt hatten und ausfielen. Wieder werden die Ehrenamtlichen eingespannt.

In vielen Städten steigen indessen die Coronafallzahlen zusehends und die zuständigen Behörden geben ganz klar Reiserückkehrern die Schuld. Wie zum Beispiel Mitte August in Landshut: 17 Reiserückkehrer aus der Region Landshut hatten sich im Urlaub mit dem Coronavirus infiziert. Sie waren in Albanien, dem Kosovo, Bosnien, Rumänien und Kroatien.

© BR/Zara Kroiß

Großer Andrang an der Corona-Teststation Donautal-Ost an der A3 bei Passau

September: Schulbeginn, Jura-Examen und Endlagerfrage

Im September startet das neue Schuljahr - mit vielen Hygieneauflagen, um die Verbreitung des Coronavirus möglichst zu verhindern. Viele Schulen haben die Sommerferien genutzt, um hier aufzurüsten. So auch die Grundschule Plattling im Kreis Deggendorf. Dort wurde geplant, umgebaut und angepasst. Die Lehrer tragen transparente Kunststoffmasken, damit die Kinder ihre Gesichter sehen können. Pro Klassenzimmer gibt es einen Tisch mit Plexiglasscheibe in der Mitte. Durch einen Schlitz kann das Schulheft zwischen Lehrer und Schüler hin und her geschoben werden.

Es entbrennt eine Diskussion um die Maskenpflicht für Schülerinnen und Schüler. Eigentlich gilt diese nur für Kinder und Jugendliche an den weiterführenden Schulen. Weil Landshut im September Corona-Hotspot ist, gilt dort die Maskenpflicht auch für Grundschüler.

In Kelheim warnt die Polizei derweil vor der Verwendung sogenannter Gefälligkeitsatteste. Mit Hilfe dieser ärztlichen Atteste würden Schüler versuchen, die Maskenpflicht an Schulen zu umgehen. Aktuell ermittelt die Polizei Kelheim in einem Fall: Die Polizei hat nach eigenen Angaben Anhaltspunkte, dass ein Arzt ein Attest nicht rechtmäßig ausgestellt hat.

© pa/dpa/Guido Kirchner

Schülerinnen mit Masken im Unterricht

Auch an den Universitäten muss es irgendwie weitergehen. In Passau soll am 8. September der erste Teil des Jura-Staatsexamens geschrieben werden. Dies wird überschattet von einem bedrohlichen Anruf, der gegen 6 Uhr morgens bei der Polizei eingeht: Ein Unbekannter "sprach eine allgemeine Bedrohung ohne konkretes Szenario aus", so die Polizei. Die Beamten werten das als potenziellen Amoklauf und beordern Dutzende Polizisten zu der Dreiländerhalle, in der das Examen stattfinden soll. Auch am Tag darauf wird die Halle umstellt und maximal gesichert. Das Jura-Staatsexamen wird mit hohen Sicherheitsvorkehrungen über die Bühne gebracht. Der Anrufer kann nicht gefunden werden.

© BR/Katharina Häringer

Polizei-Fahrzeuge vor der Dreiländerhalle in Passau

Ende September folgt ein Aufschrei im östlichen Niederbayern. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat in ihrem Zwischenbericht veröffentlicht, dass auch Gebiete im Bayerischen Wald für ein Atom-Endlager in Frage kommen. Überraschung war das keine, aber die Bayerwald-Gemeinden machen mobil dagegen. Wichtig sei, weiter ein Netzwerk gegen ein Atomendlager zu knüpfen - mit Kommunalpolitikern, Bundes- und Landtagsabgeordneten sowie Experten, sagt der Thurmansbanger Bürgermeister. "Umso mehr wir sind, desto besser werden wir gehört." Auch der Landrat von Freyung-Grafenau, Sebastian Gruber (CSU), findet, dass Granit im Bayerischen Wald nicht als Endlager für hochradioaktive Abfallstoffe geeignet sei. Und auch Landshut will im Stadtrat über die Region als mögliches Endlager beraten - das steht noch aus.

Bis ein Endlager spruchreif wird, vergeht aber noch einige Zeit: Ein konkreter Standort soll bis 2031 vorgeschlagen werden - so das Ziel.

© BR

Die Karte zeigt die Endlager-Möglichkeiten in Bayern

Oktober: Nicht gefeiertes Jubiläum und illegale Party

Der Oktober beginnt mit einem Jubiläum, das nicht gebührend gefeiert werden kann - Schuld hat die Corona-Krise. Der Nationalpark Bayerischer Wald wird 50. Trotzdem gibt es zum runden Geburtstag ein Geschenk: Das bayerische Kabinett gibt grünes Licht für die Weiterentwicklung des Nationalparks Bayerischer Wald und beschließt die Erweiterung um 630 Hektar. Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) spricht von einem "XXL-Geburtstagsgeschenk", das den ältesten Nationalpark Deutschlands noch einmal aufwerte.

© BR/Sarah Beham

Ein Würfel mit der Aufschrift "50 Jahre" vor dem Hans-Eisenmann-Haus in Neuschönau

Eine andere Geburtstagsfeier, die verbotenerweise im Oktober stattfindet, schlägt in Niederbayern hohe Wellen: Eine private Party in Bodenkirchen im Kreis Landshut. Bis zu 150 Gäste sollen dort gewesen sein und mindestens 20 Menschen im Umfeld dieser Feier werden im Anschluss positiv auf das Coronavirus getestet, weswegen die Zahl der neu gemeldeten Corona-Infektionen im Landkreis Landshut nach oben schnellt. Zu der als "Oktoberfest" deklarierten Party in der Maschinenhalle eines Bauernhofes hatten drei Geschwister eingeladen. Sie bekommen Tage später Probleme mit den Behörden. Es werde Bußgelder geben, sagt eine Sprecherin des zuständigen Ordnungsamtes in Landshut. Der in Bayern geltende Corona-Bußgeldkatalog sieht für Veranstalter einer nicht zulässigen Versammlung bis zu 5.000 Euro und für Teilnehmer bis 500 Euro vor.

© privat

Die Geburtstagsparty zu späterer Stunde mit gut gefüllten Sitzbänken

Tödliches Zugunglück in Bruckberg

Ein tragischer Unfall sorgt Mitte Oktober in ganz Niederbayern für Trauer und Fassungslosigkeit. Zwei Brüder sterben, weil sie am Bahnhof in Bruckberg über die Schienen laufen und von einem durchfahrenden Regionalzug erwischt werden. Die 13 und 17 Jahre alten Schüler wollten ihren Zug bekommen, der auf der anderen Seite wartete. Sie schlüpften unter den geschlossenen Schranken durch - eine Notbremsung des herannahenden Zuges ist erfolglos.

Politiker und Anwohner fordern in den kommenden Tagen, den Bahnübergang sicherer zu machen. Im Gespräch sind eine Straßenverlegung und bessere ÖPNV-Anbindungen an Landshut.

© BR

Einsatzkräfte an der Unfallstelle in Bruckberg

Sanierung und Wiederaufbau uralter Wahrzeichen

Mitte Oktober werden in Niederbayern zwei historische Groß-Bauprojekte begonnen. Zum einen werden die 500 Jahre alten Fenster der Martinskirche in Landshut aufwändig saniert. Sie waren wegen herabfallender Teile zum Sicherheitsrisiko geworden. Die Kirche ist das Wahrzeichen von Landshut und auf dem Weg zum Weltkulturerbe. Die Instandsetzung der 29 spätgotischen Fenster sowie die Reinigung der sie umgebenden Wandmalereien soll Ende 2026 abgeschlossen sein. Die Sanierung wird 13 Millionen Euro kosten.

In Straubing beginnt der lang ersehnte Wiederaufbau des abgebrannten historischen Rathauses. Die erhalten gebliebene, denkmalgeschützte und teilweise aus dem Mittelalter stammende Substanz mit dem modernen Baurecht in Einklang zu bringen, stellt die Planer vor große Herausforderungen. Die Großbaustelle stellt die Anwohner und angrenzenden Geschäftsleute vor große Probleme. Der Wiederaufbau soll drei Jahre dauern und 46,5 Millionen Euro kosten.

© BR/Harald Mitterer

Die gotischen Fenster in der Sankt Martinskirche in Landshut

© BR/Sebastian Grosser

Das Rathaus in Straubing wird innen von Gerüsten gestützt

Corona-Hotspot Rottal-Inn

Ende Oktober gerät der Landkreis Rottal-Inn in die Schlagzeilen. Dort wird die höchste Sieben-Tage-Inzidenz Deutschlands gemessen. Der Grund für den hohen Wert ist eine große Reihentestung, die unter anderem 20 Positiv-Fälle in einer Eggenfeldener Senioreneinrichtung aufdeckte. Die Behörden beschließen einen faktischen Lockdown für den Landkreis und machen auch Kindergärten und Schulen dicht.

© BR/Sarah Beham

Leere Straßen in Pfarrkirchen nach dem faktischen Lockdown im Landkreis Rottal-Inn

November: Teil-Lockdown und Eggenfelden in Trump-Wahlvideo

Diesen faktischen Lockdown im Kreis Rottal-Inn nutzt der amtierende Präsident der USA, Donald Trump, für ein Wahlvideo Anfang November. In einer kurzen Sequenz ist das Modehaus Hartwimmer am Stadtplatz von Eggenfelden zu sehen. Die Besitzer sind völlig überrascht davon. "Wir sind nicht gefragt worden. Und wenn wir gefragt worden wären, hätten wir mit Sicherheit nicht eingewilligt, mit Herrn Trump ein Wahlvideo zu drehen", sagt Gisela Mooser, die Inhaberin des Modehaus Hartwimmer.

Ab Anfang November ist nicht nur der Landkreis Rottal-Inn, sondern sind alle Regionen wieder im Teil-Lockdown. Er wird sich länger ziehen als angenommen.

© BR/Harald Mitterer

Die Besitzer des Modehaus Hartwimmer in Eggenfelden vor ihrem Geschäft

Geflügelpest in Niederbayern angekommen

Ende November wird klar: Die Vogelgrippe hat Bayern erreicht. Im Raum Bad Füssing Landkreis Passau ist bei mehreren Wildenten die Tierseuche nachgewiesen worden. Geflügelhalter werden jetzt angehalten, ihre Tiere vor Kontakt mit Wildvögeln zu schützen. Das Veterinäramt war "total überrascht". Jedes Jahr werden im Herbst im Landkreis Passau 20 Proben genommen - eine Routine-Maßnahme zum Geflügelpest-Monitoring. Die ersten zehn Proben aus dem Raum Vilshofen waren negativ, die jüngsten Proben an Wildenten, die bei Würding genommen wurden, positiv. "Zum Glück haben wir noch keinen Fall auf einem Hof", sagt Hölzl.

Auch für den Landkreis Rottal-Inn gilt ab 23. November Stallpflicht. Damit soll verhindert werden, dass sich die Geflügelpest - auch Vogelgrippe genannt - auf Haus- und Nutztiere übertrage, sagt Passaus Landrat Raimund Kneidinger (CSU). Im Landkreis Passau gilt die Regelung für den Bereich südlich der Donau bis zum Inn sowie die Gemeinden Salzweg, Tiefenbach, Windorf und Hofkirchen.

© dpa/Stefan Sauer

Ein Schild mit der Aufschrift "Geflügelpest Sperrbezirk"

Dezember: Corona breitet sich im Süd-Osten aus

Anfang Dezember gibt es ein neues Corona-Hotspot-Gebiet. Es liegt im Süd-Osten Niederbayerns und umfasst die Landkreise Regen, Freyung-Grafenau, Passau und die Stadt Passau. Letztere hat tagelang den deutschlandweit höchsten Inzidenzwert, weswegen am 3. Dezember Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in die Region reist. Es wird schnell klar: Die Stadt Passau wird ihre Ausgangsbeschränkungen, die seit Ende November gelten, voraussichtlich verlängern. Das kündigt Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) bei dem Krisentreffen mit Söder an. Die Zahlen würden zwar zurückgehen, so Dupper. Dennoch habe man nach wie vor Tote in den Seniorenheimen. Deshalb werde er selbstverständlich dafür werben, die Maßnahmen um mindestens eine Woche zu verlängern. Die Passauer dürfen ihre Wohnung nur noch aus triftigen Gründen verlassen. Daneben gelten weitere Beschränkungen, etwa für Versammlungen.

Einen Tag später verschärft der Landkreis Regen wegen der anhaltend hohen Zahl von Neuinfektionen die Corona-Maßnahmen. Ab 5. Dezember gilt dort auch tagsüber eine Ausgangsbeschränkung. Die Kliniken im Landkreis Regen haben ihre Belastungsgrenze beinahe erreicht, heißt es.

© BR/Konstantin König

Passaus OB Jürgen Dupper (li.) und Ministerpräsident Markus Söder auf der Pressekonferenz in Passau

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