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Rückblick: Das Jahr 2019 in Schwaben | BR24

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Jahresrückblick aus Schwaben 2019

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Rückblick: Das Jahr 2019 in Schwaben

Eine Explosion lässt Menschen im Ostallgäu zusammenrücken, der aufrechte Gang begeistert die Welt und Augsburg freut sich über sein Wasser. Das Jahr 2019 in Schwaben brachte Skandale, Tragödien und Euphorie – und wird auch im nächsten Jahr wirken.

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Eine Explosion lässt das Ostallgäu zusammenrücken, der aufrechte Gang begeistert die Welt und Augsburg freut sich über sein Wasser. Das Jahr 2019 in Schwaben brachte Skandale, Tragödien und Euphorie.

Es sind erschütternde Aufnahmen von schwer misshandelten Kühen und kranken Rindern, die im Juli 2019 den Blick nach Bad Grönenbach im Ostallgäu lenken. Eine Tierschutzorganisation deckt eklatante Verstöße gegen den Tierschutz in einem der größten Milchviehbetriebe Bayerns auf. Auch zwei weitere Betriebe im Unterallgäu geraten später ins Visier der Ermittler.

Schnell werden dabei Vorwürfe gegen das Landratsamt Unterallgäu und das dort angesiedelte Veterinäramt laut. Die Behörde weist den Vorwurf zurück, die Betriebe nicht ausreichend kontrolliert zu haben und verweist auf das fehlende Personal. Die anschließende Diskussion führt zu einem Umdenken, auch bei Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber: Er verspricht im November, die Tierschutz-Kontrollen in Bayern zu reformieren und die Veterinärverwaltung zu stärken. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Memmingen in Sachen Bad Grönenbach gegen mehr als ein Dutzend Verdächtige dauern unterdessen noch an.

Von Brunnen und Flüssen – Augsburg freut sich über den Titel "Weltkulturerbe"

Gerade einmal zwölf Minuten dauert die Diskussion des Welterbekomitees Anfang Juli 2019, dann ist die Entscheidung gefallen: Das historische Wassermanagement der Stadt Augsburg trägt nun den Titel "Weltkulturerbe". Neun Jahre lang hatte Augsburg an seiner Bewerbung gefeilt – entsprechend groß ist der Jubel über die Auszeichnung.

22 Stationen gehören zum Weltkulturerbe. Sie reichen von den Quellflüssen des Augsburger Wassers im Stadtwald über mehrere Wasserkraftwerke bis zu den Kanälen in der Altstadt und den Prachtbrunnen auf der Maximilianstraße. Die Stationen zeigen Augsburgs reiche Geschichte – von den Römern über den wirtschaftlichen Aufstieg durch die Textilindustrie bis zur nachhaltigen Energiegewinnung durch Wasserkraft heute. Mit dem Weltkulturerbe-Titel will die Stadt in Zukunft nicht nur mehr Touristen anlocken, sondern auch Impulse für Forschung und Wissenschaft setzen.

Schock und Trauer – Gasexplosion erschüttert Rettenbach

Ein lauter Knall schreckt im Mai 2019 die Gemeinde Rettenbach im Ostallgäu auf. Ein Einfamilienhaus bricht ohne Vorwarnung wie ein Kartenhaus zusammen. Stundenlang sind hunderte Einsatzkräfte vor Ort und suchen nach Opfern und Überlebenden. Ein 42 Jahre alter Familienvater und seine siebenjährige Tochter sterben bei dem Unglück. Die Mutter überlebt schwerverletzt, die beiden Söhne sind nur durch Zufall zum Zeitpunkt der Explosion nicht im Haus.

Schon kurz nach dem Unglück ist klar, dass eine Gasexplosion das Haus zum Einsturz brachte – obwohl das Einfamilienhaus gar keinen Gasanschluss hatte. Die Ermittlungen ergeben: Eine Gas-Zuleitung auf dem Grundstück war beschädigt. Flüssiggas sickerte über längere Zeit über das Erdreich ins Haus und führte so zu der Explosion. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt. Die Hilfsbereitschaft für die Familie ist auch Ende des Jahres über den Ort hinaus groß.

Wintereinbruch mit Folgen – Lawinenabgang in Balderschwang

Es ist Januar 2019 und der Winter zeigt sich in vielen Orten im Süden Bayerns von seiner harten Seite: Meterdick liegt der Schnee auf den Hausdächern, mehrere Orte sind von der Außenwelt abgeschnitten, so auch Balderschwang im Oberallgäu. In einer Nacht werden die Schneemassen am Hang zu schwer – mehrere Lawinen gehen ab und treffen ein Hotel in Balderschwang. Die Fenster im Wellness-Bereich des Hotels werden eingedrückt, Schneemassen dringen ins Gebäude ein.

Dank einer Warnung der Lawinenkommission kommt niemand zu Schaden. Vor der Lawine wird der betroffene Bereich des Hotels rechtzeitig evakuiert. Nach der Lawine werden mehrere Häuser am Hang zur Sicherheit geräumt und Schneebretter kontrolliert gesprengt. Wenige Tage später entspannt sich die Lage, Balderschwang ist wieder erreichbar. Bis das Hotel wieder geöffnet werden kann, dauert es allerdings noch zwei Monate. Balderschwang diskutiert währenddessen, wie so etwas in Zukunft verhindert werden kann. Unter anderem soll der Lawinenschutz am Hang über Balderschwang verstärkt werden.

Staunen über den aufrechten Gang – Sensationsfund im Allgäu

Ein Fund in der Tongrube Hammerschmiede bei Pforzen im Ostallgäu sorgt Anfang November durch einen Artikel im Fachmagazin Nature für Aufsehen: Der erste aufrecht gehende Mensch kommt aus dem Allgäu. Ein Team um Madelaine Böhme von der Universität Tübingen hat in der Tongrube versteinerte Fossilien einer bislang unbekannten Primatenart entdeckt. Der Danuvius Guggenmosi soll vor über elf Millionen Jahren gelebt und sich unter anderem auf zwei Beinen fortbewegt haben. Die Forscher geben dem Fossil den Beinamen Udo, weil sie es am 70. Geburtstag von Udo Lindenberg gefunden haben.

Durch den Fund rücken das Allgäu und Europa plötzlich ins Zentrum der Vorgeschichte der Menschheit. Denn bislang wurde der afrikanische Kontinent als Wiege der Menschheit gesehen – diese Sicht wird durch Udo infrage gestellt. Die Gemeinde Pforzen im Ostallgäu will den Sensationsfund entsprechend würdigen: Die Fundstelle von Udo soll gesichert und eventuell zum Naturdenkmal umgewidmet werden. Auch ein Besucherzentrum an der Tongrube ist für die Gemeinde vorstellbar.

Nachhaltig und umweltfreundlich – Mobilitätswende in Schwaben

Umweltfreundlich und klimaneutral soll der Verkehr der Zukunft sein – auch in Schwaben. Eine Möglichkeit, wie das erreicht werden soll, ist die Stärkung des Öffentlichen Nahverkehrs. In Schwaben läuten Städte und Landkreise die Mobilitätswende auf unterschiedliche Art ein: Die Stadtwerke in Augsburg wagen mit der Mobilitäts-Flatrate ein deutschlandweit einmaliges Projekt. Für einen Festpreis können die Nutzer Straßenbahn und Bus in Augsburg ebenso nutzen wie die Leihfahrräder der Stadtwerke und die Carsharing-Fahrzeuge in einem bestimmten Umfang. Mit Straßenbahn, Rad und Bus stehen den Augsburgern damit dank Bioerdgas und Ökostrom gleich drei Möglichkeiten zur Verfügung, sich klimaneutral zu bewegen.

Auch im Oberallgäu will man neue Wege in Sachen Öffentlicher Nahverkehr beschreiten, um so auch auf dem Land mehr Menschen für Bus und Bahn zu begeistern. Für 100 Euro will der Kreistag in Zukunft ein Jahresticket für den ÖPNV anbieten. Auch andere Landkreise wollen sich anschließen. Das Ticket ist allerdings umstritten, denn den Landkreis wird das Angebot voraussichtlich über eine Million Euro an Zuschüssen kosten. Die Stadt Kempten beteiligt sich deshalb nicht am 100-Euro-Ticket.