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Rückblick: Das Jahr 2019 in Mittelfranken | BR24

© BR-Studio Franken/picture alliance/dpa/Sven Hoppe | Montage: BR-Studio Franken

Christkind Benigna/FFF-Protestierende/Kerzen in Heroldsberg/Raupen an Hauswand/Ulrich Maly

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Rückblick: Das Jahr 2019 in Mittelfranken

Invasion durch Raupen, haarsträubende Verbrechen, Helden im Sport und auf der Straße, der Kampf gegen die Klimaerwärmung und gegen Gaffer – auf ein einziges Thema lässt sich das mittelfränkische 2019 nicht reduzieren. Ein Jahresrückblick.

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© © BR-Studio Franken/Tina Wenzel

JANUAR: Tragödie an der S-Bahn – Kerzen und Blumen erinnern in ihrer Heimatstadt Heroldsberg an die getöteten Jugendlichen.

© picture alliance/Sven Hoppe/dp

MÄRZ: Maly macht's nicht nochmal – Der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD)

© News5

APRIL: Urteil wegen Doppelmord von Schnaittach – Polizisten im Januar 2018 am Tatort in Schnaittach

© News5

MAI: Polizist knöpft sich Gaffer vor – Verkehrspolizist Stefan Pfeiffer konfrontiert einen Autofahrer an der A6 südlich von Nürnberg

© BR-Studio Franken

MAI: Hersbrucker Krankenhaus macht dicht – Das Hersbrucker Krankenhaus

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JUNI: Klimanotstand in Franken – Fridays for Future-Aktivisten in Erlangen

© BR-Studio Franken

JUNI: Raupen-Invasion in Gunzenhausen – Mit Schwammspinnerraupen übersätes Haus in Gunzenhausen

© dpa/Karl-Josef Hildenbrand

JUNI: Quelle-Pläne werden konkret – Das Quelle-Versandzentrum im Betrieb, bevor 2002 die Quelle-Hand durch ein @-Zeichen ersetzt wurde.

© picture alliance/Beautiful Sports/Stephanie Wunderl

SEPTEMBER: Taliso Engel wird Para-Weltmeister – Para-Schwimmer Taliso Engel

© picture alliance/dpa/Daniel Karmann

OKTOBER: Lebenslang für Messerstecher von St. Johannis – Bei einer Pressekonferenz werden die Tatorte gezeigt.

© BR-Studio Franken

OKTOBER: Gottschalk wird Windsbacher – Thomas Gottschalk mit Sängern des Windsbacher Knabenchors bei seiner Einführung als Schirmherr

© BR-Studio Franken/Henry Lai

NOVEMBER: Christkind im Candy-Storm – Das neue Nürnberger Christkind Benigna Munsi präsentiert sich erstmals im traditionellen Kostüm.

© Staatstheater Nürnberg

NOVEMBER: Hier spielt der Chef selbst – Staatstheater-Intendant Jens-Daniel Herzog in "Don Carlos" auf der Bühne, im Hintergrund der Tenor

© picture alliance/dpa/Daniel Karmann

DEZEMBER: Nürnberg bleibt im Kulturhauptstadt-Rennen – Nürnbergs OB Ulrich Maly (SPD) kurz nach der Bekanntgabe der Kulturhauptstadt-Shortlist

JANUAR: Tragödie an der S-Bahn

An der Nürnberger S-Bahnhaltestelle Frankenstadion kommt es am 26. Januar zu einem Unglück, das die Region erschüttert: Drei Jugendliche fallen ins Gleisbett, nur einer von ihnen kann sich retten. Die beiden 16-jährigen Freunde Luca und Frederic werden von einem einfahrenden Zug überrollt und getötet. Schnell wird klar, dass die Opfer auf die Gleise geschubst worden waren. Verantwortlich sind zwei zur Tatzeit 17-Jährige. Kurz vor Weihnachten werden sie wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu dreieinhalb Jahren beziehungsweise drei Jahren und drei Monaten Jugendstrafe verurteilt.

MÄRZ: Maly macht's nicht nochmal

Nach 18 Jahren soll Schluss sein. Der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) hört auf. Die Ankündigung kommt überraschend und als Schock für die gebeutelte Sozialdemokratie, die den 59-Jährigen am liebsten in der Bundespolitik gesehen hätte. In Nürnberg hatte Maly zuletzt eine satte Zweidrittelmehrheit eingefahren. Nun steht ein Generationswechsel an, sowohl SPD als auch CSU setzen bei der kommenden Kommunalwahl auf deutlich jüngere Kandidaten.

APRIL: Urteil wegen Doppelmord von Schnaittach

Sohn und Schwiegertochter aus dem mittelfränkischen Schnaittach lassen Ende 2017 öffentlich nach den Eltern suchen – dabei sind die längst tot. Ihre Leichen findet die Polizei Wochen nach der Tat eingemauert in einem Nebenraum im gemeinsamen Anwesen. Wegen Ermordung der eigenen Eltern müssen Sohn und Schwiegertochter lebenslang hinter Gitter. Das Landgericht Nürnberg-Fürth verurteilt den 26-jährigen Informatiker und seine drei Jahre jüngere Frau zu jeweils lebenslanger Freiheitsstrafe. Die Verurteilten haben Revision eingelegt, das letzte Wort hat der BGH.

MAI: Polizist knöpft sich Gaffer vor

Das ist wohl der Aufreger des Jahres: Als nach einem schweren Unfall auf der A6 am Kreuz Nürnberg-Süd Gaffer einen kilometerlangen Stau verursachen, platzt dem anwesenden Verkehrspolizisten Stefan Pfeiffer der Kragen. Reihenweise stellt er mit dem Handy filmende Lkw-Fahrer zur Rede und fordert sie auf, mit ihm zur Leiche eines Unfallopfers zu gehen. Natürlich geht niemand mit, doch Pfeiffers Botschaft kommt an: Dass Unfälle kein Spiel sind, sondern bittere Realität. Damit tritt er deutschlandweit eine neue Diskussion über Gaffer und deren Bestrafung los, die hoffentlich vielen Autofahrern die Augen öffnet. Zumindest soll Foto-Voyeurismus in Zukunft härter bestraft werden.

MAI: Hersbrucker Krankenhaus macht dicht

Früher als geplant schließt im Mai das Krankenhaus Hersbruck seine Türen für immer. Nachdem fünf Ärzte die geplante Schließung 2022 offenbar nicht abwarten wollten und vorzeitig abwandern, ist die Klinik am Ende. Auch eine Bürgerinitiative, die für die Klinik kämpfte, streicht am Ende die Segel. Inzwischen haben weitere Ärzte die Stadt verlassen. Die Versorgung der Patienten soll durch die Häuser in Lauf und Altdorf sichergestellt werden.

JUNI: Klimanotstand in Franken

Der Erlanger Stadtrat beschließt bei nur einer Gegenstimme die Erklärung des Klimanotstands – als erste Stadt in Bayern. Der Stadtrat wird damit aufgefordert, die Eindämmung des Klimawandels und seiner schwerwiegenden Folgen als Aufgabe von höchster Priorität anzuerkennen. In den Monaten danach rufen fünf weitere bayerische Städte den Klimanotstand aus. Grundlage für den Erlanger Beschluss sind zwei Anträge von Fridays for Future. Die Aktivisten der weltweiten Bewegung machen die Erderwärmung auch in Franken zum ständig präsenten Thema.

JUNI: Quelle-Pläne werden konkret

Zehn Jahre nach dem Aus bei der Quelle werden die Pläne für die Zukunft des brach liegenden Riesen-Areals endlich konkret. Die Stadt unterzeichnet entsprechende Verträge mit der Gerchgroup, der die Immobilie mittlerweile gehört. Unter dem Namen "The Q" hat die Unternehmensgruppe eine Bauvoranfrage eingereicht. Ins rund 250.000 Quadratmeter große Versandzentrum sollen Wohnungen und Gewerbetreibende unter ein Dach einziehen. Auch die Stadt will mit diversen Ämtern dort unterkommen. Wenn alles klappt, packen 2024 die ersten Mieter dort ihre Umzugskartons aus.

JUNI: Raupen-Invasion in Gunzenhausen

Ekel-Alarm in Franken: Im Sommer krabbeln massenweise Schwammspinnerraupen durch viele Teile Frankens. Die hungrigen Viecher fressen ganze Wälder kahl und machen auch vor Häusern und Vorgärten nicht Halt. Biblische Dimensionen nimmt die Situation im Juni für die Anwohner des besonders schwer betroffenen Burgstallwalds in Gunzenhausen an. Millionen der Raupen krabbeln in jede Ritze, Einsatzkräfte unterstützen die verzweifelten Hausbesitzer dabei, den Tieren Einhalt zu gebieten. Erst als sich die Raupen Anfang Juli verpuppen, kehrt Ruhe ein. Im Jahr zuvor hatten sich Behörde und Stadtrat gegen eine chemische Bekämpfung entschieden.

© BR-Studio Franken

Gegen tausende Schwammspinner-Raupen kämpfen derzeit die Anwohner am Gunzenhausener Burgstallwald. Die Stadt hat nun die Notbremse gezogen und Spezialfirmen mit der Bekämpfung beauftragt.

SEPTEMBER: Taliso Engel wird Para-Weltmeister

Weltmeister der Para-Schwimmer über 100 Meter Brust – mit gerade einmal 17 Jahren. Und das mit einer Zeit, die noch Anfang der 70er-Jahre bei den Nichtbehinderten einen Weltrekord bedeutet hätte. Auf dem linken Auge liegt Talisos Sehvermögen bei nur sechs bis acht Prozent, auf dem rechten noch etwas darunter. Mit Gold für den Nürnberger in London hat zuvor niemand gerechnet – nicht einmal er selbst. Obwohl er spätestens 2018 mit der Bronzemedaille bei der EM seine internationale Klasse nachgewiesen hat. Nächstes Ziel: Die Paralympics 2020 in Tokio.

OKTOBER: Lebenslang für Messerstecher von St. Johannis

Der Messerstecher von Nürnberg wird zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Landgericht Nürnberg-Fürth spricht den 39-Jährigen schuldig wegen dreifachen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und des Diebstahls mit Waffen. Der Mann hatte im Dezember 2018 wahllos und ohne Vorwarnung im Nürnberger Stadtteil St. Johannis drei Frauen auf offener Straße mit einem Messer angegriffen, das er zuvor in einem Supermarkt gestohlen hatte. Die Opfer leiden teilweise noch heute unter den Folgen.

OKTOBER: Gottschalk wird Windsbacher

Radio- und TV-Moderator Thomas Gottschalk wird Schirmherr beim Windsbacher Knabenchor. Er folgt damit auf Daniela Schadt, die Lebensgefährtin des ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck. Als sogenannter Schirmherr des Patronats Windsbacher Knabenchor ist Gottschalk dafür zuständig, Mäzene für den Chor zu gewinnen. Die etwa 40 Privatpersonen vorwiegend aus dem fränkischen Raum, aus denen das Patronat besteht, unterstützt die Chorarbeit in Windsbach mit jährlich 80.000 bis 100.000 Euro. Geldbeutel kann er öffnen, versichert der ehemalige Ministrant Gottschalk bei seiner Vorstellung. Wenig später kündigt er an, seine Moderationen im BR-Radio- und -Fernsehen aufzugeben.

NOVEMBER: Christkind im Candy-Storm

Eigentlich wird das Nürnberger Christkind erst bei der Eröffnung seines Marktes am ersten Adventsfreitag einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Doch dieses Jahr ist alles anders: Kurz nachdem Benigna Munsi, deren Vater aus Indien stammt, zum neuem Christkind gewählt wird, postet ein AfD-Kreisverband einen rassistischen Kommentar. Was folgt, ist ein beispielloser Candy-Storm in den sozialen Netzwerken, der ihr bundesweite Aufmerksamkeit beschert. Für das strahlende Christkind Benigna bedeutet das einen noch volleren Terminplan angesichts zahlloser Presseanfragen.

NOVEMBER: Hier spielt der Chef selbst

Praktisch ist das, wenn ein Theaterintendant selbst inszeniert und die Rolle auswendig kennt. Denn als der Hauptdarsteller der Don Carlos-Neuinszenierung am Nürnberger Staatstheater erkrankt, springt Intendant Jens-Daniel Herzog höchstselbst ein. Er mimt die Rolle des tragischen Königssohns allerdings nur, bewegt lediglich die Lippen. Ein flugs eingeflogener Tenor steht am Bühnenrand und singt die Partie. Da in Nürnberg allerdings der französische Don Carlos gespielt wird, der Aushilfs-Tenor aber nur die italienische Version kann, gibt es eine einmalige Mischversion – garniert mit deutschen und englischen Untertiteln. Das ist zwar kompliziert, aber immerhin noch besser, als die Leute heimzuschicken, sagt Herzog, nachdem der Vorhang gefallen ist.

DEZEMBER: Nürnberg bleibt im Kulturhauptstadt-Rennen

Die Europäische Kulturhauptstadt an der Noris: Seit Jahrzehnten versucht die Stadt Nürnberg, diesen Traum wahr werden zu lassen. Und so nahe dran wie im Dezember war die Stadt mit ihrer Bewerbung noch nie. Nürnberg bleibt auf der sogenannten Shortlist – der Liste der fünf aussichtsreichsten deutschen Bewerberstädte. Die Noris muss sich nun gegen Chemnitz, Hannover, Hildesheim und Magdeburg behaupten. In Runde zwei besucht dann die Jury des Wettbewerbs "Kulturhauptstadt Europas 2025" Franken, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Die Entscheidung soll dann noch im Herbst fallen.