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Rückblick: Das Jahr 2019 in der Oberpfalz | BR24

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Der Jahresrückblick 2019 für die Oberpfalz

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Rückblick: Das Jahr 2019 in der Oberpfalz

Zwei große Eröffnungen, ein Kaiserkind, ein falscher Eberhofer, Teil 1 des Korruptionsprozesses geht zu Ende, die Conti-Krise von Roding und ein "Cold Case" wird neu aufgerollt: Die großen Themen 2019 in der Oberpfalz. Ein Jahresrückblick.

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Prügeltour von Amberg facht Debatte über Flüchtlingsgewalt an

Anfang des Jahres facht die Prügeltour von Amberg eine Debatte über den Umgang mit straffälligen Asylbewerbern an. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bekräftigte seine Forderung nach schärferen Abschieberegelungen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann wies darauf hin, dass die Tatverdächtigen nicht einfach in ihre Heimatländer abgeschoben werden können und verstärkte die Polizeipräsenz in Städten. Ende letzten Jahres (30.12.18) hatten vier Asylbewerber aus Afghanistan und dem Iran betrunken und willkürlich Passanten attackiert. Dabei verletzten sie 15 Menschen. Ein 17-Jähriger musste wegen einer Kopfverletzung stationär ins Krankenhaus. Im Mai wurden die vier Männer zwischen 17 und 19 Jahren am Amtsgericht Amberg verurteilt. Der Haupttäter muss für zwei Jahre und sieben Monate ins Gefängnis. Die drei Mittäter erhielten Bewährungsstrafen. Einer von ihnen ist inzwischen nach Afghanistan abgeschoben worden.

© BR / Sylvia Bentele

Der Bahnhof von Amberg: Hier begannen die jungen Männer, auf Passanten einzuschlagen.

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Ein halbes Jahr nach der Prügelattacke in Amberg wurden die vier Asylbewerber vor dem Amtsgericht verurteilt.

Zwei Eröffnungen in Regensburg

Im Februar wurde die neue Synagoge eingeweiht, Anfang Juni eröffnete das Museum der Bayerischen Geschichte.

Gut 80 Jahre nach der Zerstörung der Regensburger Synagoge bekommt die älteste jüdische Gemeinde in Bayern ein neues Gebetshaus. Am Standort der während der Pogromnacht 1938 zerstörten alten Synagoge wurde das neue Bethaus feierlich eröffnet. Die Anfänge der jüdischen Gemeinde in Regensburg reichen mindestens bis ins 10. Jahrhundert zurück. 1519 wurden die Juden aber aus Regenburg vertrieben. Nachdem sie sich Anfang des 19. Jahrhunderts wieder ansiedelten, nutzten sie zunächst eine ehemalige Kirche als Gebetshaus. 1912 wurde eine Synagoge errichtet, die bis zu ihrer Zerstörung 1938 genutzt wurde. Aktuell zählt die Gemeinde rund 1.000 Mitglieder.

Das Museum der Bayerischen Geschichte eröffnete mit rund einem halben Jahr Verspätung. Ursprünglich hätte das Museum schon im November 2018 fertig sein sollen. Doch ein Brand auf der Baustelle im Sommer 2017 hatte den Zeitplan durchkreuzt und einen Millionenschaden verursacht. Im neuen Museum werden den Besuchern Höhepunkte aus den vergangenen 200 Jahren der Geschichte Bayerns präsentiert. Zu sehen sind rund 1.000 Exponate, die zur Hälfte aus der Bevölkerung zur Verfügung gestellt wurden. Die Dauerausstellung zeichnet auf 2.500 Quadratmetern den Weg Bayerns zum modernen Staat nach, vom Beginn des Königreichs 1806 bis heute. Das Haus habe sich, laut dem Direktor Dr. Richard Loibl, zum Publikumsmagneten entwickelt. Bis zum Jahreswechsel rechnet die Museumsleitung damit, die Marke von 400.000 Besuchern zu überschreiten. Bislang haben laut Loibl rund 353.000 Menschen das Museum besucht.

© picture alliance/Armin Weigel/dpa

Das Museum der Bayerischen Geschichte am Donauufer in Regensburg

© picture-alliance/Armin Weigel

Innenraum der neuen Synagoge in Regensburg

© BR / Andreas Wenleder

Außenansicht der neuen Regensburger Synagoge

© BR / Hans Mielich

Impressionen von der Eröffnung der Regensburger Synagoge

Urteil im ersten Prozess um den Regensburger OB Wolbergs

Im Juli fiel das Urteil im ersten Korruptionsprozess um den suspendierten Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Am Regensburger Landgericht wird er in zwei Fällen der Vorteilsannahme schuldig gesprochen, das Gericht verhängte jedoch keine Strafe. Wolbergs wurde vorgeworfen vom Bauträger Volker Tretzel über ein Strohmannsystem illegale Spenden in Höhe von rund einer halben Million Euro angenommen zu haben. Auch private Vorteile soll die Firma des Unternehmers der Oberbürgermeister-Familie verschafft haben. Im Gegenzug habe Wolbergs dem Bauträger ein lukratives Bauprojekt in der Domstadt zugeschanzt. Dafür hatte die Staatsanwaltschaft viereinhalb Jahre Haft gefordert.

Inzwischen haben der Anwalt von Joachim Wolbergs und die Staatsanwaltschaft Revision gegen das Urteil eingelegt und es läuft derzeit ein weiterer Prozess gegen Wolbergs wegen Korruptionsdelikten.

© pa/dpa

Nach dem Urteil reagierte Joachim Wolbergs emotional: "Ich bin behandelt worden wie ein Stück Scheiße."

Schock in Roding: Conti will Werk schließen

Im Oktober hat Continental bekanntgegeben, das Werk in Roding schließen zu wollen. Im November stimmte auch der Aufsichtsrat des Automobilzulieferers der geplanten Schließung zu. Damit soll endgültig bis 2024 die Produktion und Entwicklung von hydraulischen Komponenten für Benzin- und Dieselmotoren beendet werden. Betroffen sind rund 520 Arbeitsplätze.

Hintergrund für die Maßnahmen ist das weltweit für den Konzern geplante Strukturprogramm "Transformation 2019 bis 2029", mit dem Continental auf die Änderungen in der Automobilbranche reagieren will. Diese Änderungen betreffen unter anderem die Umstellung auf Elektromobilität, drastische Auftragsrückgänge bei Hydraulikkomponenten und den Umstieg der Industrie von analoger zu digitaler Technologie.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) zeigte sich enttäuscht vom endgültigen Aus für den Continental-Standort Roding. An den Gesprächen im Frühjahr 2020 zur Sicherung des Standorts will Aiwanger festhalten. Er kündigte an, alle Beteiligten noch einmal zu einem Gespräch ins Wirtschaftsministerium einzuladen. Darüber hinaus wolle die bayerische Staatsregierung ausloten, welche Unterstützungsmöglichkeiten sie der Region für die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze anbieten könne.

© picture alliance/Armin Weigel/dpa

Zahlreiche Mitarbeiter des Continental-Werkes Roding demonstrieren vor dem Standort

Ermittlungsgruppe im Fall "Monika Frischholz" aufgelöst

Im Oktober legt die Polizei den Fall der seit 43 Jahren verschwundenen Monika Frischholz wieder zu den Akten. Die eigens dafür gegründete Ermittlungsgruppe Froschau wurde aufgelöst. Mit großem Aufwand hatte die Ermittlungsgruppe nach den sterblichen Überresten des damals 12 Jahre alten Mädchens oder Hinweisen darauf gesucht. Anfang April gruben Bagger sich tagelang am Waldrand bei Waldkirch durch den Boden. Im Mai suchten Polizeitaucher in einem metertiefen Weiher. Außerdem klopften die Ermittler den ganzen Betonboden aus einem kleinen Schuppen neben der Kirche in Waldkirch. Die erhofften Hinweise auf den Verbleib des Mädchens fanden sie nicht.

Nach wie vor gehen die Ermittler aber von Mord an dem Mädchen aus. Im Februar starb der letzte Angehörige von Monika Frischholz, ihr Bruder, der noch in Flossenbürg lebte und ebenfalls darauf hoffte, dass das Verschwinden seiner Schwester geklärt werde.

© Polizei Oberpfalz

Seit 43 Jahren wird Monika Frischholz vermisst

© BR / Rudolf Heinz

Die Kirche von Waldkirch: Hier hat die Polizei im Mai 2019 nach den sterblichen Überresten von Monika Frischholz gegraben - vergebens.

© BR / Margit Ringer

Das Grabungsareal im Wald bei Waldkirch nach dem Ende der Arbeiten im April 2019.

Vom Übeltäter zum Wohltäter: Der falsche Eberhofer

Im November hat die Provinzposse um den „falschen Eberhofer“ ein gutes Ende genommen. Der zu einer Geldstrafe verurteilte Postbote Markus Schmid aus Vohenstrauß hat 5.000 Euro Spenden übergeben. Weil er sich im Fasching als Dorfpolizist Franz Eberhofer aus den Rita Falk-Krimis verkleidete, wurde der Vohenstraußer im September vom Amtsgericht Weiden zu einer Geldstrafe von 450 Euro verurteilt. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Amtsanmaßung. Denn seine auf einem Flohmarkt erstandene grüne Polizeijacke wies noch die sogenannten Hoheitszeichen auf, also die Polizeiaufschrift, Schulterklappen oder auch das Wappen des Freistaats Bayern. Im Internet starteten kurz nach dem Urteil im Amtsgericht Sympathisanten einen Spendenaufruf mit dem Titel "Free Eberhofer". Dabei kamen 190 Euro zusammen. Die Geldstrafe aber zahlt die "Eberhofer-Familie" von Constantin Film. Von den bereits gespendeten 190 Euro organisierte Markus Schmid ein Leberkäsfest. Die Spenden plus die Einnahmen von Getränken spendete der 24-Jährige an die Kinderkrebshilfe Nordoberpfalz (4.000 Euro) und die bayerische Polizeistiftung (1.000 Euro).

Das letzte Kapitel der Geschichte vom "falschen Eberhofer" folgt im Sommer 2020. Der "falsche Eberhofer" und sein Kumpan Andre Hilburger, der im Fasching den Rudi Birkenberger mimte, sind zur nächsten Eberhofer-Kinoprämiere auf den roten Teppich eingeladen.

© BR / Margit Ringer

"Falscher Eberhofer" Markus Schmid (Mitte) übergibt insgesamt 5.000 Euro Spenden.

© privat

Echte Polizeiabzeichen, falscher Eberhofer - Dieses Faschingskostüm brachte Ärger

Ende einer langjährigen Tradition: Prinzessin statt Kaiser in Dietfurt

Weil die Dietfurter Faschingsnarren immer noch keinen "Kaiser" für ihren traditionellen Chinesen-Fasching gefunden haben, begnügen sie sich zum Start der diesjährigen Faschingssaison mit einer "Drachenprinzessin". Der bisherige Regent "Fu-Gao-Di" war im Frühjahr nach dreijähriger Regierungszeit von seinem Amt zurückgetreten und ein Nachfolger hat sich immer noch nicht gefunden. Deshalb soll jetzt erstmals eine Prinzessin bei der Suche helfen. Wer hinter der Figur der "Drachenprinzessin" steckt, halten die Dietfurter Narren noch geheim.

Seit 65 Jahren wird in Dietfurt traditionell der Chinesenfasching gefeiert. Höhepunkt ist dabei stets der Unsinnige Donnerstag, wenn Tausende Faschingsnarren zum großen Chinesenumzug in die Stadt kommen. Angeführt wird der Umzug von einem "Kaiser".

© dpa/Armin Weigel

Nach dem Rücktritt von "Kaiser Fu-Gao-Di" war unklar wer in seine Fußstapfen treten wird.

© BR/Rudolf Heinz

Die Nachfolgerin wurde beim Faschingsauftakt am 11.11. in Dietfurt vorgestellt.

© BR / Rudolf Heinz

Mehr als einen Schattenriss gab es von der Dietfurter Drachenprinzessin noch nicht zu sehen. Wer hinter der Figur steckt, ist noch geheim.

Verlobter von Maria Baumer wegen Mordverdachts verhaftet

Im Fall der im Jahr 2013 tot aufgefundenen Maria Baumer aus Muschenried (Lkr. Schwandorf) haben die Ermittler im Dezember neue Erkenntnisse präsentiert und ihren damaligen Verlobten verhaftet. Laut Staatsanwaltschaft Regensburg wurde an den sterblichen Überresten von Maria Baumer das Beruhigungsmittel Lorazepam nachgewiesen. Die Ermittler fanden keine Hinweise, dass Maria Baumer das Medikament freiwillig eingenommen hat. Möglicherweise wurde sie also betäubt. Unklar ist noch, ob Maria Baumer an einer Überdosis Lorazepam starb, oder ob sie anderweitig getötet wurde.

Fest steht für die Ermittler aber: Baumers damaliger Verlobter hatte als Pfleger im Bezirkskrankenhaus Zugang zu Lorazepam, der auch nicht näher kontrolliert worden sei, so die Staatsanwaltschaft. Auf dem Computer des Verhafteten stellten die Ermittler fest, dass er im Internet nach den Stichworten "Lorazepam", "lethale Dosis" und "der perfekte Mord" gesucht hatte. Die Ermittler sprechen zudem von "manipulativem Verhalten" des Verdächtigen nach dem Verschwinden von Maria Baumer. Der Beschuldigte schweigt weiterhin. Er hatte die Tat stets bestritten.

Die Polizei verdächtigte ihn bereits früher, Baumer getötet zu haben. Der Verlobte saß 2013 einige Wochen in Untersuchungshaft. Der Mann musste aber freigelassen werden, weil der Tatverdacht gegen ihn nicht bewiesen werden konnte. Der jetzige Vorwurf der Ermittler lautet auf Mord mit den Merkmalen der Heimtücke und niedriger Beweggründe.

© BR

Maria Baumer