Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Rückblick: Das Jahr 2018 in Oberfranken | BR24

© News5

Schäden in Untersteinach durch Sturmtief "Fabienne"

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Bildergalerie

Rückblick: Das Jahr 2018 in Oberfranken

Der Jahrhundertsommer, ein umstrittenes Gedicht mit neuer Heimat, ein großer Sturm, Kulturbauten, Basketballer in der Krise und rätselhafte Verbrechen – die oberfränkischen Themen des Jahres 2018.

Per Mail sharen
Teilen

JANUAR: Amok-Fahrt mit Vierzigtonner

Eine Geschichte, die auch aus einem Drehbuch stammen könnte: Ein 38-Jähriger aus Schleswig-Holstein fährt mit seinem Lkw im Drogenrausch Schlangenlinien auf der A73. Als ihn Polizisten bei Erlangen stoppen wollen, liefert er sich mit ihnen eine wilde Verfolgungsjagd durch Franken. Der Mann rammt Polizeiautos, gefährdet andere Verkehrsteilnehmer, fährt mit Absicht in einen entgegenkommenden Pkw. Erst ein Polizeihubschrauber kann ihn nach eineinhalb Stunden und 80 Kilometern stoppen. Fünf Menschen werden verletzt, der Sachschaden ist erheblich. Ende Oktober wird er in Coburg zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

FEBRUAR: Globe Theatre in Coburg

Das Vorbild ist mehr als prominent und steht am Ufer der Themse. Coburg bekommt mit seinem Globe Theater einen Nachbau des Shakespearschen Theaterbaus, der im 16. Jahrhundert die Londoner in Scharen anzog. Im Februar gibt der Coburger Stadtrat nach langem Theater grünes Licht für den geschätzt 15 Millionen Euro teuren Bau. Der hölzerne Theaterkomplex in Rundbauform soll dem Landestheater als Zwischenspielstätte dienen, solange das bisher genutzte historische Gebäude saniert wird. Anschließend soll das neue Coburger Globe dauerhaft als Kulturstätte genutzt werden.

APRIL: Markgräfliches Welterbe offen für alle

Im April wird das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth feierlich wiedereröffnet. Das UNESCO-Weltkulturerbe gilt als eines der wenigen erhaltenen Barocktheater in Europa, zu seiner Zeit in Größe und Pracht nur vergleichbar mit Häusern in Wien, Dresden, Paris oder Venedig. Die mehr als 30 Millionen Euro teure Restaurierung dauert fast sechs Jahre. Länger als die Bauzeit von 1744 bis 1748. Das Kleinod ist Vermächtnis der Markgräfin Wilhelmine, preußische Prinzessin und Schwester Friedrichs des Großen, die aus der kleinen Residenzstadt Bayreuth eine Kulturmetropole machte.

JUNI: Debatte um Gomringer-Gedicht

"Avenidas", ein Gedicht in spanischer Sprache des Lyrikers Eugen Gomringer, prangt seit Juni auf einer Hausfassade in Rehau. Dort lebt der 93-jährige Dichter seit mehr als 40 Jahren. Damit endet eine Debatte, die in Berlin begann. Dort hatte das Gedicht seit 2011 an der Fassade der Alice Salomon-Hochschule gestanden. Dann entbrennt ein Streit über den angeblich sexistischen Inhalt des vor 65 Jahren entstandenen Werks. Dabei geht es insbesondere um den Satz "Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer". Kritiker werten das als patriarchalische Sichtweise und als sexistisch. Am Ende wird das Gedicht an der Berliner Fassade übermalt, in Rehau ist es bisher unumstritten.

© News5

JANUAR – Ein Lkw-Fahrer flüchtet unter Drogen von der Polizei und kann erst nach einer Verfolgungsjagd quer durch Franken gestoppt werden.

© Isabel Stengel, Anders Macht

FEBRUAR – Coburg bekommt ein Globe Theater als Ersatz für das sanierungsbedürftige Landestheater. Dazu ringt sich der Stadtrat durch.

© picture-alliance/dpa

APRIL – Nach Jahren der Sanierung wird das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth, einzigartiges Kleinod und UNESCO-Weltkulturerbe, wiedereröffnet.

© BR-Studio Franken/Annerose Zuber

JUNI – Ein 65 Jahre altes Gedicht des Lyrikers Eugen Gomringer sorgt in Berlin für Ärger und findet in Rehau eine neue Heimat.

© Polizei Sachsen

JUNI – Beim Trampen verschwindet die Studentin Sophia L. spurlos, ihr Leiche wird in Spanien entdeckt. Offenbar hat sie ein Lkw-Fahrer getötet.

© dpa-Bildfunk/Julian Stratenschulte

AUGUST – Im Sommer regieren Hitze und Trockenheit. In Nordbayern gab es seit mindestens 100 Jahren nicht mehr so wenige Regentage.

© picture-alliance/dpa

DEZEMBER – Im Fall der seit 2001 verschwundenen Peggy gibt es ein Teilgeständnis und eine Festnahme, aber immer noch ungeklärte Fragen.

© picture-alliance/dpa/Johann Scheibner

AUGUST – Nach einem Jahr Pause und Bangen der Fans kehrt die Bamberger Sandkerwa zurück – unter neuer Leitung und beliebt wie früher.

© News5

SEPTEMBER – Sturmtief "Fabienne" wütet in Untersteinach und richtet erheblichen Schaden an. Hilfe vom Staat erhalten die Betroffenen nicht.

© imago/Zink

NOVEMBER – Der Bamberger Erfolgs-Basketballer von Brose Baskets sind nur knapp der Insolvenz entgangen. Manager Rolf Beyer kostet das den Job.

JUNI: Der Mord an Sophia L.

Die Studentin Sophia L. will am 14. Juni von Leipzig aus nach Amberg trampen, wie schon so oft. Die 28-Jährige steigt in den Lkw eines marokkanischen Fernfahrers – und wird nicht mehr lebend gesehen. Der Mann ist ihr mutmaßlicher Mörder, die Bluttat wird offenbar auf der Fahrt durch Oberfranken begangen. Eine Woche später wird Sophias Leiche in Nordspanien gefunden. Der Lastwagenfahrer sitzt als Tatverdächtiger in Oberfranken in Untersuchungshaft, die Ermittlungen laufen noch. Sophias Familie erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Diese habe die Vermisstenfahndung schleifen lassen. Fast alle Ermittlungsergebnisse hätten ihr Bruder und Freunde mithilfe der sozialen Netzwerke selbst herausgefunden.

AUGUST: Trocken, trockener, 2018

War 2018 ein Jahrhundertsommer? Ja, auch wenn 2003 noch etwas sonniger und trockener war. Viele von uns werden nicht nochmal solch einen Sommer erleben, wenn man dem BR-Meteorologen Michael Sachweh glauben darf. Die meisten wird das wohl freuen, angesichts wochenlanger Trockenheit und Ernteausfällen. In Nordbayern gab es seit mindestens 100 Jahren nicht mehr so wenige Regentage. Und auch nach dem offiziellen Sommer-Ende am 31. August dominieren Trockenheit und Wärme bis in den Oktober hinein.

AUGUST: Nach einem Jahr Pause wieder Sandkerwa

Ein Jahr war Pause, jetzt hat Bamberg seine Sandkerwa wieder und damit eines der größten Volksfeste in Bayern. Ende August feiern wie früher wieder mehr als 200.000 Besucher die 58. Auflage des stimmungsvollen Festes. Im Sandgebiet – dem ältesten Siedlungsgebiet Bambergs – wird mit dem Volksfest die Weihe der Elisabethenkirche gefeiert. Im Jahr davor war die Kerwa ausgefallen, wegen aufwändiger Sicherheitsvorkehrungen und finanzieller Risiken. Für 2018 hatten sich Stadt und Bürgerverein jedoch geeinigt und die Sandkerwa damit gerettet.

SEPTEMBER: "Fabienne" wütet durch Untersteinach

Die Beschreibung "wie nach einem Bombenangriff" sollte nicht zu oft verwendet werden, doch für Untersteinach trifft sie zu. Eine Windhose des Sturmtiefs "Fabienne" fegt durch das Dorf im Landkreis Bamberg und hinterlässt schwere Schäden. Dächer werden abgedeckt, Giebel umgeworfen, Autos und Maschinen unter Trümmern begraben. Kaum ein Haus bleibt heil. Da das Dorf eigentlich als windgeschützt gelegen gilt, ist kaum jemand versichert. Die rund 150 Einwohner bleiben auf dem Schaden sitzen, denn Hilfe vom Freistaat gibt es trotz wiederholter Versprechen keine, lediglich eine Spendenaktion bringt etwas Linderung. Der Bürgermeister will sich deshalb noch einmal an Ministerpräsident Markus Söder wenden. Ob's diesmal hilft?

NOVEMBER: Brose Baskets und das I-Wort

Nach Jahren der Erfolge schlägt diese Nachricht Ende November wie eine Bombe ein: Die Brose Baskets sind wohl nur haarscharf an der Insolvenz vorbeigeschrammt. Außerdem trennt sich der Bamberger Verein mit sofortiger Wirkung von Geschäftsführer Rolf Beyer, einem Vertrauten von Baskets-Mäzen Michael Stoschek. Als Grund werden lediglich "finanzielle Unregelmäßigkeiten" genannt. Nur eine Finanzspritze von Hauptsponsor Brose und Aufsichtsratschef Stoschek habe die Bamberger Basketball GmbH vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt. In der Liga sorgt das für Irritationen, offensichtlich werden die Verantwortlichen von der Bamberger Finanzkrise kalt erwischt. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen möglicher Untreue.

DEZEMBER: Wird Peggys Tod endlich aufgeklärt?

Seit mehr als 17 Jahren ist Peggy Knobloch aus Lichtenberg inzwischen verschwunden. Ein Täter fehlt, die Spuren verlaufen im Sand. 2016 findet ein Pilzsammler nicht weit von Lichtenberg entfernt Knochen. Es sind die sterblichen Überreste des Mädchens. Die letzte Hoffnung, Peggy noch lebend zu finden, ist dahin. Doch die Spur ist wieder heiß. Hinweise am Fundort führen schließlich zu einem 41-Jährigen, der 2001 ebenfalls in Lichtenberg wohnte. Er gesteht im September, Peggys Leiche in Thüringen abgelegt zu haben. Im Dezember wird der Mann unter dringendem Tatverdacht verhaftet. War er Täter oder Mittäter? Sein Teilgeständnis widerruft er wenig später. Der Fall bleibt weiter rätselhaft.