FSA 8.8.22 - Grüne Insel Roth
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Rother Kirche geht vor die Tür: Plaudern auf der "Grünen Insel"

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Rother Kirche geht vor die Tür: Plaudern auf der "Grünen Insel"

Wer die altehrwürdige Stadtkirche mitten in Roth verlässt, geht im Moment nicht mehr über Kopfsteinpflaster. Grüner Rasen umsäumt das Gebäude, dazu Pflanzen und ein Stadtstrand mit Bar. Diese "Grüne Insel" will kein typischer Party-Platz sein.

In den Nischen zwischen den alten Sandsteinmauern bietet sich an der Stadtkirche ein neues Bild. Begrünte Wände, kleine Bäume, Sträucher, davor kleine, bunte Zäune. Eine farbenfrohe Fassade – so schön, dass manche sich diese kleinen, grünen Oasen auf Dauer wünschen. Doch auch für die geplanten knapp zwei Monate ist der Anblick durchaus ungewöhnlich. Eine Bar mit Sandboden und Klappstühlen kennt man ja mittlerweile von vielen Städten, doch in Roth wollen sie keine reine Gastro-Meile rund um das Kirchengebäude.

Mehr als eine Bar mit Wohlfühlambiente

"Wir wollen Räume für Kommunikation schaffen", erklärt der evangelische Stadtpfarrer Joachim Klenk. In den grünen Rückzugsorten spielen Kindergartengruppen, treffen sich Mitglieder der Kirchengemeinde genauso wie Touristen oder Rother Bürger. "Am Anfang hatten die Menschen Hemmungen, diese Bereiche zu betreten", erinnert sich Mark Bartholl vom Rother Stadtmarketing. "Es wurde gestaunt, es wurden Fotos gemacht." Erst allmählich verstanden die Passanten, dass sie das frische Grün des Rasens betreten dürfen und die kleinen Oasen in der Innenstadt nutzen können.

Der "Wirt" des Rother Stadtstrands wechselt

Bei der Bewirtschaftung des Stadtstrands wechseln sich mehrere Gruppen aus Roth ab. Mal ist die Männergruppe der Kirchengemeinde zuständig, ein anderes Mal nutzen die Mitglieder des Inklusionsnetzwerks das Barhäuschen – und macht nebenbei darauf aufmerksam, dass Roth auf dem Weg zur Barrierefreiheit noch einige Hürden überwinden muss.

Kein enges Konzept-Korsett

Wenn in der Kirche ein Film über das moderne Bauen und die Hitze in der Stadt läuft, dann werden anschließend die Vorteile der Begrünung des Vorplatzes noch deutlicher. Und schon denkt der ein oder andere darüber nach, dass diese Idee durchaus von Dauer sein könnte – oder zumindest eine Wiederholung verdient hat. "Wir lernen ständig dazu, haben kein festes Konzept in der Tasche", gibt Pfarrer Klenk gerne zu. Etwa, wie viel Wasser ein Rasenstück in der anhaltenden Hitze braucht, um grün zu bleiben. Oder auch die Bäume – die aber merklich das Mikroklima auf dem Kirchplatz beeinflussen.

Ein wachsendes und lernendes Projekt

Die Verantwortlichen in der Gemeinde lernen aber auch, wo die Grenzen sind. Gerne hätten sie den Platz größer gestaltet, mehr von der angrenzenden Straße genutzt. Doch da zeigte das Ordnungsamt die Grenzen auf – allein schon wegen der Fluchtwege für Einsatz- oder Rettungsfahrzeuge, die diese Engstelle passieren müssen. Doch gerade das macht das Projekt aus – dass es von selbst wachsen und von den Menschen gestaltet werden kann und soll. "Wir wollen nicht alles vorgeben, zuerst einmal nur den Raum zur Verfügung stellen", erklärt Pfarrer Klenk. Ob dann eine Kindergartengruppe im Sand spielt oder eine Kundgebung von Fridays for Future stattfindet – alles ist möglich.

Abschlussfest im September geplant

Noch sind die Möglichkeiten, die der neue Wohlfühlort in Roth bietet, nicht ausgenutzt. Ein großes Abschlussfest Mitte September soll es geben. Zuerst sollte es eine einmalige Aktion sein zum 50-jährigen Jubiläum der Stadt Roth als Kreisstadt. Doch die "Grüne Insel" scheint so gut anzukommen, dass schon jetzt laut über eine Fortsetzung nachgedacht wird.

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