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Impfausweis und Impfspritzen

Die kreisfreie Stadt Rosenheim hat gut 60.000 Einwohner und nahezu Vollbeschäftigung. Den Menschen in der Stadt und im Landkreis geht es gut. Doch der Landkreis Rosenheim ist auch Schlusslicht in der Masern-Impfstatistik, die Hochburg der Impfgegner.

Nur gut 80 Prozent der Kinder erhalten zweite Masern-Dosis

Nur 90,2 Prozent aller Kinder sind hier mit der ersten Dosis gegen Masern geimpft, nur 80,8 Prozent haben die zweite Dosis erhalten. Ähnliche Zahlen kommen laut Statistik aus den südlichen Landkreise Traunstein, Miesbach und Berchtesgadener Land. Wie ist das zu erklären?

Der Leiter des Staatlichen Gesundheitsamts Rosenheim, Wolfgang Hierl, hat eine Vermutung. Allgemein sei bekannt, dass Menschen mit höherem Einkommen skeptischer gegenüber Masern-Impfungen seien. Rosenheim sei eine Region mit geringer Arbeitslosigkeit und guter Gesundheit. Dort seien die Durchimpfungsraten insgesamt geringer, sagt Hierl.

💡 Was sind Masern?

Masern sind eine Viruserkrankung, die schneller übertragen wird als etwa die Grippe oder Ebola. Wenn ein Infizierter niest oder hustet, bleiben die Viren noch zwei Stunden aktiv. Eine Infektion kann also noch erfolgen, wenn gar kein Infizierter mehr im Raum ist. Die Krankheit äußert sich mit hohem Fieber und später dann mit rotem Hautausschlag. Zudem können lebensgefährliche Komplikationen wie eine Lungenentzündung oder eine Hirnhautentzündung auftreten, insbesondere bei ohnehin abwehrgeschwächten Menschen wie Säuglingen oder Senioren.

Ausrottung: 95 Prozent müssten geimpft sein

Seit Anfang 2019 gab es in Bayern 34 Masern-Fälle, wie eine Grünen-Anfrage bei der Staatsregierung kürzlich ergab. Indes ist die Zahl der Masern-Fälle weltweit drastisch gestiegen. Sie nahm im ersten Quartal 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 300 Prozent zu, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO mitteilte.

Um die Masern auszurotten, müssten laut Experten 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Bei bayerischen Schulkindern liegt die Quote aktuell bei 92,2 Prozent, die mindestens die zweite Impfung haben, und damit knapp unter dem Bundesdurchschnitt von 92,9 Prozent.

Jeder zehnte Sechstklässler nicht gegen Masern geimpft

Das Problem: In Bayern gibt es regional sehr große Unterschiede, wie das Landesamt für Gesundheit mitteilt. Gerade in südlichen Landkreisen wie Rosenheim, Starnberg oder Garmisch-Partenkirchen sind zum Teil mehr als zehn Prozent der Sechstklässler gar nicht gegen Masern geimpft. Über die Gründe – ob Bequemlichkeit oder generelle Impfskepsis – lässt sich nur spekulieren.

Die Hochburg der Impfgegner liegt im Süden Bayerns: Stadt und Landkreis Rosenheim landen auf dem letzten Platz.

Die Hochburg der Impfgegner liegt im Süden Bayerns: Stadt und Landkreis Rosenheim landen auf dem letzten Platz.

Rosenheimer auch bei Zeckenimpfung zögerlich

Auch bei der Zeckenimpfung sind Stadt und Landkreis Rosenheim bayernweit auf den hintersten Plätzen. Die Durchimpfungsrate bei den Schulanfängern für das Schuljahr 2016/17 lag hier lediglich bei 11,2 Prozent. Der bayerische Durchschnitt liegt bei 33,9 Prozent.

Das Rosenheimer Gesundheitsamt appelliert an alle Einwohner, sich selbst und ihre Kinder durch eine FSME-Impfung zu schützen. Nur diese Impfung biete einen ausreichenden Schutz gegen die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Diese Krankheit kann Entzündungen der Hirnhaut, des Gehirns oder des Rückenmarks verursachen. Die Impfstoffe sind laut Rosenheimer Gesundheitsamt sicher und in der Regel gut verträglich. Nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission ist für einen kompletten Impfschutz eine Grundimmunisierung mit drei Impfungen erforderlich.