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Egal ob Heizungen, Boiler oder Schiebetüre, all diese Teile landen beim Abriss von Gebäuden normalerweise im Müll. Die Stadt Rödental (Lkr. Coburg) hat nun eine Second-Life-Baustoffbörse ins Leben gerufen, um Geld und Müll zu sparen.

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Rödentals Baumaterial-Flohmarkt: Neues Leben für eine Schiebetür

Für viele Gegenstände gibt es inzwischen einen Markt für gebrauchte Sachen. In der Baubranche landet hingegen vieles auf dem Müll, was eigentlich noch verwendbar wäre. In Rödental gibt es jetzt ein Projekt, das zeigt, dass es auch anders geht.

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Von
  • Richard Padberg
  • BR24 Redaktion

Christian Sommer steht Mitten in einem stockdunklen, leergeräumten Getränkemarkt auf einem Baugerüst und hebt Deckenteile und Aufhängungen herab. Seine Stirnlampe ist das einzige Licht, dass der Heimwerker hat. Auf dem Gelände des Getränkemarkts und eines daneben stehenden Supermarkts soll in Rödental im Landkreis Coburg in den kommenden Jahren eine Seniorenwohnanlage entstehen, deshalb müssen die Gebäude abgerissen werden. Vorher können Heimwerker wie Christian Sommer die Märkte sozusagen "ausschlachten".

Supermarkt-Einrichtung: Neuer Besitzer statt Bauschuttdeponie

Die beiden Gebäude sind erst 15 Jahre alt und viele Teile der Einrichtung waren noch brauchbar und gut in Schuss, erzählt Gisela Raab, Geschäftsführerin der gleichnamigen Baufirma, die das Gelände gekauft hat. "Mir als Bauunternehmerin tut es natürlich sehr leid, weil ich ja weiß, welche Ressourcen und welche finanziellen Mittel hier in so einem Objekt stecken." Der gewöhnliche Weg sieht in diesem Fall vor, dass die Sachen entsorgt und abgebrochen werden und alles auf Bauschuttdeponien oder sogar ins Müllheizkraftwerk gefahren werden muss und nicht weiterverwendet wird, erklärt Raab.

Geldsparen durch Gebrauchtes Baumaterial

Deshalb entstand die Idee, eine Second-Life-Baustoffbörse ins Leben zu rufen. Interessierte konnten sich online in einer Liste Heizungen, Boiler, Schiebetüren oder Deckenverkleidungen reservieren und selbst ausbauen, und zwar kostenlos. Rund 3.000 Euro hat sich Christian Sommer so mit den Second-Life-Deckenteilen für seine Garage gespart. "Als Privatmann kommt man an solche Teile eigentlich nie ran. Dieses Konzept hier ist überragend, das sollte Schule machen."

Hochschule Coburg integriert "Second-Life" ins Studium

An der Idee für dieses Projekt hat auch die Hochschule Coburg mitgewirkt. Laut Professor Rainer Hirth, der im Studiengang Architektur unterrichtet, komme mehr als die Hälfte des Abfalls in Deutschland aus dem Baugewerbe. "Die jungen Leute erwarten, dass wir alternative Konzepte ausprobieren", so Hirth, der kurzerhand das Wahlpflichtfach "Second-Life" ins Leben gerufen hat und damit den Nerv der Studierenden treffen will.

"Wir müssen einfach von diesem Baustoff-Müllberg runter. In Bayern sind es allein 50 Millionen Tonnen jedes Jahr, die hier anfallen. Das kann nicht so weitergehen." Rainer Hirth, Professor an der Hochschule Coburg

Rödental: Studierende erstellen Angebotsliste

Die Studierenden lernen nicht nur in der Theorie, wie das Wiederverwerten funktionieren könnte, sondern beteiligen sich auch praktisch an der Aktion in Rödental. Victoria Bärenfeld studiert im vierten Bachelor-Semester Architektur in Coburg und hat zusammen mit einer Kollegin die Bauteilliste angefertigt. Die Studentin nimmt viel aus dem neuen Wahlpflichtfach mit. Es zeige, wenn eine mittelständische Firma eine solche Baustoffbörse einrichten könne, dass solche Projekte auch in einem größeren Rahmen möglich seien.

In Rödental ist der erste Schritt gemacht, beide Supermärkte sind leergeräumt. Das Pilotprojekt könnte so zum Vorbild für mehr Nachhaltigkeit im Bauwesen werden.

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In Rödental ist eine Second-Life-Baustoffbörse ins Leben gerufen worden.

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