Familie Pflügler steht auf der Baustelle für ihren neuen Pflüglerhof

Familie Pflügler baut einen komplett neuen Bauernhof

Bildrechte: Josef Häckler/BR
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    Riskant oder visionär? Ein Bauernhof zieht um

    Riskant oder visionär? Ein Bauernhof zieht um

    Viele Bauern in Bayern sehen keine Zukunft mehr in der Landwirtschaft und geben auf. Carolin und Andreas Pflügler aber bauen einen komplett neuen Hof. Eine Mega-Baustelle mit vielen Unwägbarkeiten. Der BR begleitet die Familie in einer Serie.

    Carolin (36) und Andreas Pflügler (34) stehen auf ihrem Baugrund am Ortsrand von Neufahrn bei Freising. Es ist Ende August, seit gut zwei Monaten wird hier ihr neuer Hof gebaut. Was für sie jahrelang ein Traum war, nimmt langsam Form an: Die Betonwände der Maschinenhalle stehen. Die Schüttgosse fürs Getreide wurde in den Boden eingelassen – und man kann schon erahnen, wie der Hühnerstall einmal aussehen wird. In den nächsten zwei Jahren sollen weitere Gebäude und das neue Wohnhaus nach und nach dazukommen. "Klar, ist das riesig", sagt Andreas Pflügler, "aber ich glaube, wir brauchen den Platz einfach". Die alte Hofstelle war schon lange zu eng und nicht mehr zukunftsfähig.

    Die einfachste Lösung: Aufgeben!

    Der Steuerberater analysierte die Situation knallhart: Wenn die Pflüglers so wie jetzt weiterwirtschaften – als Vollerwerbslandwirte mit 50 Hektar Ackerfläche, Hofladen und Mini-Brauerei – dann werden sie langfristig die Familie mit drei Kindern nicht ernähren können.

    Was tun? Die einfachste – und laut Steuerberater womöglich rentabelste – Lösung wäre gewesen, auf dem alten Grund Mietwohnungen zu bauen und die Felder zu verpachten. Laut aktuellem Agrarbericht ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Vor allem kleinere und mittlere Höfe geben auf, weil sich die Landwirtschaft für sie nicht mehr lohnt. Aber nicht mit den Pflüglers! "Unser Herz schlägt für die Landwirtschaft, wir sehen darin unsere Berufung", sagt Carolin.

    Also verkaufen sie den alten Hof, den sie in vierter Generation von Carolins Eltern übernommen haben – und investieren. In einen neuen Hof mit Hühnerstall und eigener Schlachtung, Gewächshäusern, noch mehr Direktvermarktung und Bildungsangeboten. Für den Neubau am Ortsrand planen die Pflüglers insgesamt Kosten von acht bis zehn Millionen Euro ein. In zwei Jahren soll alles fertig sein.

    Als Erstes werden die Maschinenhalle und der Hühnerstall gebaut

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    Es gibt kein Zurück

    Doch die Pflüglers bauen in unsicheren Zeiten: Die Preise für Baustoffe sind stark gestiegen, bei Materialien gibt es mitunter Lieferengpässe und Handwerker sind rar. Deshalb lässt sich auch so schlecht vorhersagen, wie viel der Bau letztlich kosten wird. "Es ist ein Fass ohne Boden, aber wir stecken jetzt mittendrin und können auch nicht zurück", sagt Carolin. Und nebenher muss das Tagesgeschäft auch noch weitergehen.

    "Unser Land" begleitet die Pflüglers bei ihrem Traum vom neuen Hof

    Die Sendung "Unser Land", zu sehen in der ARD-Mediathek, auf Youtube und im BR Fernsehen, wird das Großprojekt der Pflüglers langfristig begleiten. Die Serie zeigt, welche Kraftanstrengung es die Familie kostet, weiter Landwirtschaft zu betreiben - und wie erfüllend es gleichzeitig für sie ist.

    Alle Folgen gibt es unter www.br.de/bauernhof-zieht-um.

    Pflüglers wollen ihren Hof so bauen, dass er auch ihren Kindern eine Zukunft bietet

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