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Rhönschäfer Josef Kolb rüstet sich gegen den Wolf | BR24

© Anke Gundelach BR

Rhönschäfer Josef Kolb rüstet sich gegen den Wolf

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Rhönschäfer Josef Kolb rüstet sich gegen den Wolf

Auch der Landkreis Rhön-Grabfeld gilt neuerdings als Wolfsrevier, und das stellt die Weidetierhalter vor völlig neue Herausforderungen. Weil verbindliche Förderzusagen für Schutzmaßnahmen bisher fehlen, sind einige bereits selbst aktiv geworden.

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Rhönschäfer Josef Kolb aus Ginolfs hat sich beispielsweise drei Herdenschutzhunde angeschafft und will nun auch in effektivere Elektrozäune investieren. Seine Hunde der Rasse Kaukasischer Owtscharka stammen aus einem Wurf und sind sieben Monate alt. Seit Anfang März wurden sie bereits im Stall an die Schafe gewöhnt. Nun dürfen Igor, Laika und Jele unter Aufsicht auch bereits mit auf die Weide, allerdings nur wenn keine Hütehunde dabei sind. Josef Kolb will vermeiden, dass sich die jungen Hunde von den Hütehunden ein Verhalten abgucken, das für Herdenschutzhunde unerwünscht ist.

Abschreckung ist die Strategie

Letztere sollen die Schafe nicht antreiben, sondern sich unauffällig in der Herde bewegen und ihr Revier verteidigen, sobald Gefahr von außen droht. Sollte sich ein Wolf dem Weidezaun nähern, dann könnten ihn die Owtscharkas schon allein durch ihre Größe und ihr Auftreten abschrecken. Auch die Schafe müssen sich an ihre neuen wuscheligen Freunde noch gewöhnen und lernen, zwischen Hütehunden und Herdenschutzhunden zu unterscheiden. Bis alles eingespielt ist, kann es laut Josef Kolb bis zu zwei Jahre dauern. Eigentlich sei man mit dieser Schutzmaßnahme deshalb bereits zu spät dran. Seine Herde tatenlos dem Wolf überlassen will der Schäfer aber auch nicht und tut deshalb, was ihm möglich ist.

Neue Weidezäune

Dazu gehört auch die Anschaffung neuer Weidezäune auf eigene Kosten. Eigentlich hatte er schon vor längerem Schutzzäune bestellt, die den Tierhaltern zunächst leihweise zur Verfügung gestellt werden sollten. Die wurden aber noch nicht geliefert. Bisher ist in der Rhön noch kein Nutztier vom Wolf gerissen worden. Damit das auch so bleibt, genügt es nach Meinung von Experten aber nicht, dass ein einzelner Schäfer vorbeugt. Alle in der Region müssten mitziehen – auch die Hobby-Tierhalter, meint Susanne Wüst vom Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld. Sobald einer keinen wirkungsvollen Schutz habe und der Wolf lerne, dass er Weidezäune überwinden kann, hätten alle verloren.

Keine klaren Förderzusagen

Susanne Wüst kritisiert, dass die zuständigen bayerischen Behörden (Landesamt für Umwelt und Landesanstalt für Landwirtschaft) den Tierhaltern bisher keine klaren Förderzusagen in Sachen Wolfsschutzmaßnahmen machen konnten. Man habe mit den nötigen Planungen zu lange gezögert, und das räche sich nun. Für Schaf-, Ziegen- und Rinderhalter wird der Landschaftspflegeverband am 24. Mai einen großen Informationstag in Oberelsbach veranstalten. In der Elstalhalle gibt es dabei ab 9 Uhr zunächst Fachreferate. Später findet eine Exkursion zu Rhöner Weiden statt. Um Anmeldung für diese Veranstaltung wird gebeten.

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Der Landkreis Rhön-Grabfeld gilt nun auch als Wolfsrevier, und das stellt die Weidetierhalter vor neue Herausforderungen. Weil verbindliche Förderzusagen für Schutzmaßnahmen bisher ausbleiben, sind einige bereits selbst aktiv geworden.