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Symbolbild: Wolf

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    Rhöner Wolf: Herkunft durch DNA-Probe ermittelt

    Der Wolf hat Ende Oktober in der Rhön zugeschlagen und zwei Ziege, die eingezäunt waren, gerissen. Das Landesamt für Umwelt fand nun durch eine DNA-Probe heraus, dass es sich um eine Wölfin handelt, die schon seit Jahren in der Rhön lebt.

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    Ralph WegeRalph Wege
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    Die Herkunft der Wölfin, die Ende Oktober Nutztiere in der Rhön riss, ist ermittelt worden. Wie das Landesamt für Umwelt (LFU) mitteilte, stammt sie aus einem Rudel aus dem Grenzbereich von Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Die Wölfin gilt in der Rhön als standorttreu. Das LFU sagte: "Nach den vorliegenden Daten handelt es sich um ein Einzeltier, das weder zu einem Paar noch zu einem Rudel gehört."

    Speichelprobe von Bissstelle analysiert

    Nach Angaben des Schäfers Julian Schulz aus Ginolfs im Landkreis Rhön-Grabfeld, wurden am 30. Oktober zwei seiner Ziegen von der Wölfin gerissen. "Außerdem wurde ein Schaf so schwer verletzt, dass es von seinen Qualen erlöste werden musste", ergänzte Schulz. Die Wölfin, auch Fähe genannt, habe die Nutztiere auf einer eingezäunten Weide in der Nähe des Wanderweges zur Thüringer Hütte angegriffen. Laut Schulz nahm ein Parkranger mit Wattestäbchen Speichelproben von den Bissstellen der Kadaver. Ein Labor untersuchte die Proben.

    Schäfer befürchtet weitere Wolfsangriffe

    Der Vorfall sei der erste Wolfsangriff auf eingezäunte Nutztiere in der Rhön gewesen. Wie das LFU erklärte, wurde in der Rhön zuletzt im November 2018 ein Schaf durch einen Wolf getötet. Schulz befürchtet, dass es wieder zu Wolfsangriffen kommen werde. Momentan betreut er rund 1.000 Schafe und 40 Ziegen.

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    Schäfer Julian Schulz aus Ginolfs im Landkreis Rhön-Grabfeld zeigt die Stelle des Wolfsangriffs

    Joachim Urban vom Bund Naturschutz Rhön-Grabfeld rechnet damit, dass es sich um einen Einzelfall handeln würde. "Zum Glück und hoffentlich bleibt es auch so", sagte er dem BR. "Aber dennoch haben wir Sorge, denn die Wölfin könnte lernen, dass Nutztiere auch gut schmecken und leicht zu holen sind." Der Widerstand müsse bei den Nutztieren für den Wolf hochgehalten werden. Mit "Widerstand" meint Urban, dass man die Tiere mit erhöhten Elektrozäunen und Herdenschutzhunden absichern könne. Rhönschäfer Josef Kolb aus Ginolfs im Landkreis Rhön-Grabfeld besitzt sechs dieser Hunde, die seine Schafe schützen. Drei Herdenschutzhunde passen jeweils auf eine Herde auf. Bei Gefahr würden die großen Hunde den Wolf "ansprechen", ihn beispielsweise durch Knurren verjagen.

    Esel zum Schutz vor Wölfen einsetzen

    Schäfer Julian Schulz erzählte von weiteren Ideen, um seine Tiere vor dem Wolf zu schützen: Auf der Weide installierte er Überwachungskameras, die ihr Bild live auf sein Handy übertragen. "Eventuell wollen wir uns auch drei Esel im nächsten Frühjahr zulegen." Mit ihrem Geschrei könnten sie den Wolf verjagen. Für die getöteten Tiere werde Schulz zwar finanziellen Ausgleich erhalten. Dieser entspreche aber nur dem Schlachtwert. Die getöteten Tiere seien aber auch für die Nachzucht wichtig gewesen. Besonders schlimm ist für den Schäfer die emotionale Belastung: Eines der Tiere habe er mit der Flasche großgezogen. "Das war für mich ein Schock, als ich es tot auf der Weide fand. Die ersten Nächte nach dem Wolfsangriff habe ich kaum schlafen können."

    Bund Naturschutz: Wolf trägt zur Artenvielfalt bei

    Neben dem Schaden für Nutztierhalter bringt der Wolf aber auch Vorteile, sagte Urban. So trage er zur Artenvielfalt in der Natur bei. Durch den Wolf könnte eines Tages auch der Bartgeier in der Rhön ansässig werden. Denn der Wolf hinterlässt durch sein Fressverhalten Knochen von Beutetieren. Von diesen könnte der Bartgeier profitieren. Auch Fuchs und Kolkrabe erfreuen sich an den Beuteresten des Wolfes. Andererseits hält der Wolf auch die Wildtierbestände gesund, denn er reißt vor allem die Alten, Kranken und Schwachen.

    Wolf ist streng geschützt

    Der Wolf ist eine nach europäischem und deutschem Recht streng geschützte Tierart, weswegen jeder Zugriff und insbesondere die Tötung verboten sind. Das LFU ergänzte: „Nach dem Bundesnaturschutzgesetz kann eine Ausnahme von diesen Verboten zur Abwendung ernster landwirtschaftlicher Schäden zugelassen werden.“ Von solch einem Schaden kann bei dem aktuellen Wolfsangriff nicht die Rede sein. Laut LFU sind Wölfe grundsätzlich vorsichtig und meiden Menschen. Seit der erneuten Anwesenheit von Wölfen in Deutschland habe es keinen Angriff auf Menschen gegeben.

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