BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR

Ein grausamer Tod für Rehkitze jedes Jahr: Sie werden von den Mähwerken der Landwirte erwischt. Das Problem: Im hohen Gras sind sie fast unsichtbar und die Jungtiere flüchten noch nicht vor drohenden Gefahren. Nach Lösungen wird geforscht.

1
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Rettung vor dem Mähtod: Rehe werden mit Sendern ausgestattet

Tausende Rehkitze werden jedes Jahr beim Mähen getötet oder schwer verletzt. Das soll sich ändern. Derzeit versehen Forscher der TU München Rehe rund ums Nördlinger Ries mit Sendern und Ohrmarken, um mehr über ihr Verhalten herauszufinden.

1
Per Mail sharen
Von
  • Tobias Hildebrandt
  • Matthias Lauer

Ihr Instinkt wird ihnen zum Verhängnis: Bei Gefahr verstecken sich Rehkitze im hohen Gras und flüchten nicht. Die jungen Rehe vor dem Mähtod bewahren, das ist das Ziel eines groß angelegten Forschungsprojekts der TU München, finanziert vom bayerischen Landwirtschaftsministerium. Ein Teil der Forschung dazu findet zurzeit rund ums Nördlinger Ries statt.

Verhalten der Rehe soll genau erforscht werden

Camilla Tusché aus der Arbeitsgruppe Wildbiologie und Wildtiermanagement der TU München besendert seit einigen Wochen zusammen mit ihrem Team Rehkitze und Geißen, also deren Mütter. Ziel ist es, herauszufinden, wie sich Geiß und Kitz verhalten, etwa wie oft die Kitze gesäugt werden und vor allem, wann und wo die Geiß ihr Kitz ablegt.

© Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB/dpa-Bildfunk
Bildrechte: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB/dpa-Bildfunk

Bei Gefahr machen sich die Rehkitze im Gras "unsichtbar" (Symbolbild)

Die Hoffnung der Forscher: Mit dem neuen Wissen eine Handlungsempfehlung für Landwirte zum Mähen ihrer Wiesen geben zu können. So wüssten Landwirte, auf welchen Wiesen zu welcher Zeit die Gefahr besonders hoch ist, dass Rehkitze im Gras kauern. Denn das Problem: In den ersten Lebenswochen flüchten junge Rehe nicht und werden so zu Tausenden von den Mähwerken getötet oder schwer verletzt. Landwirte wiederum können die Kitze im hohen Gras nicht erkennen.

Aufwendige Suche nach Rehkitzen

Vielerorts suchen Landwirte zusammen mit Jägern oder Naturschützern zwar bereits mittels Drohnen die Wiesen vor der ersten Mahd ab. Doch der Aufwand ist hoch und lässt sich nicht für jede Wiese betreiben. Obwohl Rehwild eine häufige Tierart hierzulande ist, sei immer noch vieles über das Verhalten von Geiß und Rehkitz unbekannt, erklärt Tusché gegenüber dem BR. Weiß man mehr über die Tiere, könnte in Zukunft gezielter nach Rehkitzen gesucht und so die Zahl der geretteten Tiere erhöht werden.

Harte Arbeit für Jäger und Forscher

Ab 4 Uhr in der Früh, noch vor Sonnenaufgang, fahren Tusché, ihr Team und der Berufsjäger Rupprecht Walch ins Untersuchungsgebiet. Der Jäger arbeitet für Albrecht Fürst zu Oettingen-Spielberg, dem große Wälder am nördlichen Riesrand gehören. Walch ist nicht nur Jäger, sondern auch Drohnenpilot. Mithilfe einer Wärmebildkamera werden Rehkitze in Wiesen, Feldern und Waldstücken ausfindig gemacht.

Ist eines entdeckt, muss es schnell gehen: Die Forscher beeilen sich das Kitz zu finden, das um diese Uhrzeit meist noch schläft, und statten es mit einem Sender und einer Ohrmarke aus. Das Tier wird gemessen und gewogen und nach ein bis zwei Minuten wieder freigelassen. Im Landkreis Donau-Ries werden 30 Tiere mit Sendern ausgestattet, insgesamt werden in dem Projekt mehrere Hundert Tiere mit Ohrmarken versehen.

Das Forschungsprojekt ist auf drei Jahre angelegt. Beteiligt sind auch die Landesanstalt für Landwirtschaft und die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.

© BR/Tobias Hildebrandt
Bildrechte: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB/dpa-Bildfunk

Tausende Rehkitze werden jedes Jahr beim Mähen getötet oder schwer verletzt. Das soll sich ändern. Derzeit versehen Forscher der TU München Rehe rund ums Nördlinger Ries mit Sendern und Ohrmarken, um mehr über ihr Verhalten herauszufinden.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!