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Reserve gegen den Personalmangel: Ungedient zur Bundeswehr | BR24

© BR/Sebastian Grosser

Der Reserve der Bundeswehr fehlt es an Personal. Mit einer "Grundausbildung für ungediente Reservisten" wollen die Streitkräfte gegensteuern und gleichzeitig das Image der Bundeswehr wieder aufpolieren. In Pfreimd war große Abschlussübung.

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Reserve gegen den Personalmangel: Ungedient zur Bundeswehr

Der Reserve der Bundeswehr fehlt es an Personal. Mit einer "Grundausbildung für ungediente Reservisten" wollen die Streitkräfte gegensteuern und gleichzeitig das Image der Bundeswehr wieder aufpolieren. In Pfreimd war große Abschlussübung.

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Auf den ersten Blick sind die zukünftigen Soldaten der Reserve nicht zu erkennen, in ihren grün-braunen Tarnanzügen. Langsam, in geduckter Haltung, teils robbend, bahnen sie sich auf dem Truppenübungsplatz in Pfreimd (Lkr. Schwandorf) ihren Weg durch das Geäst. In der Übung sind sie in Feindesland.

In vier Wochen zur "Reserve"

An vorderster Front ist der 33-jährige Christoph Pauckner. Er ist einer von rund 30 Teilnehmern, der beim Landeskommando Bayern die Grundausbildung für ungediente Reservisten absolviert. Das heißt: Er hat keine militärische Vorerfahrung. Vier Wochen, deutlich weniger als bei den aktiven Soldaten, hat er sich jetzt durch die Grundausbildung gekämpft.

"Mal an seine Grenzen gehen"

Im zivilen Leben ist der 33-Jährige Beamter, hat in Straubing viel mit der Bundeswehr zu tun. Doch nicht nur deswegen will er Soldat der Reserve werden. Es geht ihm um die Herausforderung: "Ich mache privat sehr viel Sport, aber das ist was anderes. Einfach mal an seine Grenzen gehen. Und auch die Kameradschaft, der Zusammenhalt. Man hört ja, dass das bei der Bundeswehr was ganz besonderes ist."

Auf Herz und Nieren geprüft

Die Nachfrage an der Ausbildung war groß: 70 Bewerber und Bewerberinnen wollten die Grundausbildung absolvieren, die es in Deutschland erst seit wenigen Jahren gibt. Weniger als die Hälfte der Interessierten wurde am Ende ausgewählt, sagt Oberstleutnant Thorsten Klapp, der zuständige Kommandeur der Regionalgruppe Ost. Nur 17 werden die Ausbildung dieses Jahr abschließen. "Die Reservisten, die hier teilnehmen, müssen wie jeder Soldat auch über das Karrierecenter in München ein Assessment durchlaufen. Das heißt: Es wird ihre körperliche Leistungsfähigkeit und ihre psychische Belastbarkeit überprüft, wie bei einem aktiven Soldaten." Und auch ihre Einstellungen zu Demokratie und Staat. Extremisten werden nicht genommen, sagt Klapp.

Keine Auslandseinsätze

An der nächsten Station müssen die Soldaten ihre Stellung verteidigen. Die Truppe hält die Waffe im Anschlag, während neben und oben ihnen die Salven krachen. In so eine Kampfsituation werden die Reservisten wohl nicht kommen. Denn Auslandseinsätze sind bei Reservisten eigentlich nicht vorgesehen, sagt Kommandeur Klapp. Dafür im Katastrophenfall, zum Beispiel im Januar in Oberbayern im Rahmen der Schneekatastrophe. Sie müssen also beides können, "das Militärische, aber auch den Dienst in Streitkräften zur Unterstützung der Bevölkerung", sagt Klapp.

Tausende Reservisten fehlen

Seit der Aussetzung der Wehrpflicht fehlt es der Bundeswehr an Freiwilligen für die Reserve, die früher aus dem aktiven Dienst gekommen sind. Standen vor zehn Jahren noch rund 40.000 Soldaten in der Reserve zur Verfügung, kann die Bundeswehr derzeit nur auf 30.000 Reservisten zurückgreifen. Außerdem wird die Truppe immer älter. Mehr als die Hälfte der Reservisten in Ostbayern ist über 50 Jahre alt.

Schlechter Ruf Schuld an Personalmangel?

Der Ruf der Bundeswehr ist derzeit schlecht, wie jüngst Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg attestierte: Neben einem Mangel an Personal gibt es auch Mängel bei der Ausrüstung und die Forderung von Bündnispartnern nach mehr militärischen Engagement.

Wenn alle aktive Soldaten im Einsatz sind, braucht es Soldaten, die die Gebäude und Liegenschaften bewachen. Aber nicht nur das.

"Diese Menschen gehen jetzt zurück und erzählen, was sie erlebt haben. Und das ist auch ein Bild dessen, was die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber der Bundeswehr steigern wird. Ich glaube nicht, dass wir immer Skandälchen mit uns herumtragen." Oberstleutnant Thorsten Knapp

Christoph Pauckner gehört am Ende des Tages zu den Rekruten, die in Pfreimd die vierwöchige Grundausbildung erfolgreich abgeschlossen haben. Er ist nun Reservist bei der Bundeswehr. Mit allen Pflichten.

© BR

Im niederbayerischen Bogen und im oberpfälzischen Pfreimd bietet die Bundeswehr momentan eine Grundausbildung zum Reinschnuppern an. Nur drei Wochen lang, aber mit vollem Programm.