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Rentenversicherung: "Extreme Herausforderung" durch Grundrente

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Rentenversicherung: "Extreme Herausforderung" durch Grundrente

Die Deutsche Rentenversicherung sieht erhebliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Grundrente. Es müsse jetzt darüber gesprochen werden, wie man sie bis zur geplanten Einführung Anfang 2021 lösen könne, so die Präsidentin, Gundula Roßbach.

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Schon ab dem ersten Januar 2021 soll die Grundrente dafür sorgen, dass Bezieher niedriger Altersbezüge, die mindestens 35 Jahre Beiträge gezahlt haben, mehr Geld bekommen. Voraussetzung ist, dass ihr Einkommen eine bestimmte Grenze nicht überschreitet.

Dazu müssen die Rentenkassen allerdings Informationen von den Finanzbehörden bekommen, und eigentlich auch von den Meldeämtern – denn es kommt auch darauf an, welches Einkommen möglicherweise der Partner hat. Das innerhalb von nur rund einem Jahr zu organisieren, werde schwierig, warnt die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach, – zumal das entsprechende Gesetz noch nicht einmal durchs Parlament ist.

"Das ist eine extreme Herausforderung, wir arbeiten, wir versuchen auch uns jetzt bereits einzubringen, wie kann so etwas gelingen. Aber da sind wir eben nicht allein im Boot, das ist der automatisierte Datenabgleich mit den Finanzbehörden." Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund

Gunkel: "Finanzierung muss aus Steuermitteln finanziert werden"

Auch die Vertreter der Arbeitgeber und der Gewerkschaften in der Selbstverwaltung der Rentenversicherung sehen einiges auf die Mitarbeiter der Rentenkassen zukommen. Annelie Buntenbach, die die Gewerkschaften in der Selbstverwaltung vertritt, sichert aber zu, dass die Rentenversicherung den Auftrag der Regierung umsetzt.

"Wir sind als Rentenversicherung bereit, alles, also wirklich alles zu tun, was irgendwie möglich ist, damit das Gesetz gut funktionieren kann und fristgerecht in Kraft treten kann." Annelie Buntenbach, Vorsitzende der Rentenversicherung

Der Vertreter der Arbeitgeberseite in der Selbstverwaltung, Alexander Gunkel, pocht gleichzeitig darauf, die Bundesregierung müsse sich an ihre Zusage halten, wonach die Grundrente komplett aus Steuermitteln finanziert wird. Die Aufwertung niedriger Renten sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nicht den Renten-Beitragszahlern aufgebürdet werden dürfe, fordert Gunkel – allerdings hat er Zweifel, ob sich der Plan umsetzen lässt, die Grundrente über eine Finanztransaktions-Steuer zu finanzieren, die ebenfalls erst noch neu eingeführt werden muss.

"Selbst wenn die Finanztransaktionssteuer startet, ist natürlich zu fragen, ob die gesamten Aufwendungen für die Grundrente durch die Finanztransaktionssteuer überhaupt gedeckt werden." Alexander Gunkel, Vorsitzende der Arbeitgeberseite im Vorstand der Rentenversicherung

Rentenversicherung: Rentenkasse derzeit in komfortabler Lage

Insgesamt aber sehen die Selbstverwalter und die Hauptamtlichen der Deutschen Rentenversicherung die Rentenkassen derzeit in einer recht komfortablen Lage. Die Einnahmen sind in den vergangenen Jahren dank der günstigen Lage am Arbeitsmarkt schneller gewachsen als erwartet. So konnten die Renten dieses Jahr in Westdeutschland um rund 3,2 Prozent steigen und im Osten um 3,9 Prozent. Auch kommendes Jahr sei ein ähnliches Wachstum möglich, erwartet Alexander Gunkel.

"Wir freuen uns, dass die Renten damit rund doppelt so stark steigen wie derzeit die Verbraucherpreise und die Renten damit weiter an Kaufkraft gewinnen." Vorsitzender der Arbeitgeberseite im Vorstand der Rentenversicherung

Auch in nächster Zeit werde sich die Finanzlage der Rentenkassen wahrscheinlich besser entwickeln als bei Vorausberechnungen in den vergangenen Jahren erwartet worden war, heißt es von der Deutschen Rentenversicherung. Das ändert allerdings nichts daran, dass die immer weiter steigende Anzahl von Rentnerinnen und Rentnern den Druck auf die Rentenkassen steigen lässt.

So erwartet die Rentenversicherung, dass das Rentenniveau zwar bis zum Jahr 2025 in etwa stabil beim jetzigen Wert von 48 Prozent bleibt, wie es auch die Bundesregierung angekündigt hat. Danach dürfte das Verhältnis von durchschnittlichen Renten zum Durchschnittseinkommen der Beitragszahler aber weiter sinken – auf nur noch rund 44 Prozent im Jahr 2035.